Rektoren informieren Fachausschuss 

Wie Inklusion und Elternwille Harpstedts Schulen fordern

Die Schülerzahlen an der Oberschule Harpstedt sinken. „Der Trend geht zum Gymnasium“, erklärte Rektorin Etta Mörking im Rahmen der Schul- und Sozialausschusssitzung am Montagabend. - Foto: Oetjen

Harpstedt - Von Lea Oetjen. Mädchen und Jungen mit einem besonderen Förderbedarf – ein Thema, das bei den Berichten der Grund- sowie der Oberschule im Rahmen der Harpstedter Schul- und Sozialausschusssitzung am Montagabend für sehr hitzige und zum Teil auch emotionale Diskussionen sorgte.

Der Vorwurf der Einrichtungen wurde deutlich, auch wenn er nur durch die Blume formuliert wurde: Den Lehrern mangelt es an Unterstützung, wenn es darum geht, sich gesondert um Kinder mit Einschränkungen zu kümmern. „Wir können das ja ohne Probleme“, erklärte Grundschulrektor Ufke Janssen – die Ernsthaftigkeit dieser Aussage sei an dieser Stelle mal dahingestellt.

Aktuell gibt es 14 Mädchen und Jungen an der Grundschule, die gesondert gefördert werden müssen – sei es geistig, körperlich oder sozial. „Wir erarbeiten also für diese Schüler ein differenziertes Lernprogramm“, erklärte Janssen. Dieses müsse den Kindern dann, parallel zum eigentlichen Unterricht für den Rest der Klasse, beigebracht werden. Das ist ein „ziemlicher hoher Aufwand“, wie Ausschussvorsitzender Hermann Schnakenberg (SPD) beiläufig bemerkte.

Von der Mehrarbeit bleibt auch die Oberschule nicht verschont, die aktuell elf Kinder mit Einschränkungen besuchen. „Die Förderbedarfe sind sehr vielfältig. So haben einige Schüler zum Beispiel mit Problemen beim Hören sowie Lernen und andere in ihrer emotionalen sowie sozialen oder geistigen Entwicklung“, erläuterte Etta Mörking, Rektorin der Oberschule. Das sei nicht immer einfach. Nicht zuletzt weil seit einiger Zeit die Stelle des Schulassistenten unbesetzt ist. „Wenn ich das alles so höre, wäre es äußerst fatal, wenn der Kreistag dafür stimmt, die Förderschule Lernen in Wildeshausen abzuschaffen“, sagte Hartmut Post (CDU), mit Blick auf die andauernde Diskussion über einen möglichen Standortwechsel der Schule.

Grundschule Dünsen läuft in diesem Jahr aus

Die fehlende Unterstützung für Kinder mit Förderbedarf ist da nicht das einzige, mit dem sich die Grundschule Harpstedt seit Längerem beschäftigen muss. Im Sommer 2019 läuft nämlich die Grundschule Dünsen mit ihrem vierten Jahrgang aus. Genauere Zahlen zur Schülerentwicklung sind dem unten stehenden Infokasten zu entnehmen. „Das Schulleben ist unmittelbar nach dem Aufgeben des Standorts in Dünsen zusammengewachsen. Wir haben Vorteile und Errungenschaften beider Einrichtungen genutzt“, so Rektor Janssen, der 2015 gemeinsam mit Woldemar Schilberg die Leitung der Institution übernahm. Man habe den Alltag gemeinsam einige Zeit beobachtet und dann zusammengestellt, was aufgefallen ist. „Das Ergebnis fand sich dann in den Budgetanträgen wieder.“

 „Trend geht zum Gymnasium“

Für die Zukunft plant der Rektor, die Zusammenarbeit mit der Oberschule zu verbessern und den Übergang für die Kinder nahtloser zu gestalten. Dies ist ganz im Sinne von Leiterin Mörking. Der fünfte Jahrgang besteht aktuell nämlich nur aus 35 Schülern. Zum Vergleich: Die neunte Klasse besuchen etwa doppelt so viele. „Wie kommt das?“, erkundigte sich Florian Eiskamp (HBL). „Das liegt daran, dass der Trend zum Gymnasium geht. Allerdings werden die Klassenstufen mit den Jahren wieder größer, da die Zahl der Rückläufer sehr hoch ist“, so Mörking. Man wolle ein Schullogo entwerfen lassen, um die Attraktivität zu steigern und eine eigene Identität zu kreieren. Ohnehin sei es schon ein großes Qualitätsplus, dass fünf neue Lehrkräfte, ein FSJler und auch ein neuer Lehramtsanwärter eingestellt werden konnten. So können unter anderem wieder Schwimm- und Schulgarten-AGs angeboten werden.

Nazi-Sticker an Außenfassade

Allerdings gab es seitens der Oberschule auch von einen unschönen Zwischenfall zu berichten. „Vor den Herbstferien wurden Sticker an der Außenfassade der Einrichtung gefunden, die zum einen den Spruch ,Heimatliebe ist keine Schande‘ und zum anderen einen Reichsadler trugen“, berichtete Mörking. Sie waren in schwarz, weiß und rot gestaltet, den Farben des Deutschen Reiches. „Das ist ein eindeutiger Missbrauch, der verfolgt werden muss“, fand der Vorsitzende Schnakenberg.

Die Polizei und die Landesschulbehörde seien über den Vorfall bereits informiert. Seitens der Beamten ist es laut Mörking angedacht, Präventionsarbeit zu leisten. Ein ähnliches Projekt läuft bereits unter dem Motto „Wir sind stark“, und soll Sechstklässler lehren auf sich selbst zu vertrauen und im Zweifelsfall auch einmal „Nein“ sagen zu können.

Zahlen und Fakten:

Prognose der Einschulungszahlen an der Grundschule: 2018: 72 Mädchen und Jungen aus der Samtgemeinde. 2019: 75 Mädchen und Jungen aus der Samtgemeinde. 2020: 90 Mädchen und Jungen aus der Samtgemeinde. 2021: 85 Mädchen und Jungen aus der Samtgemeinde. 2022: 84 Mädchen und Jungen aus der Samtgemeinde. - Stand 28. September 2018 Schülerzahlen Grundschule: Basisklasse: 12 Kinder. 1. Jahrgang: 68 Kinder. 2. Jahrgang: 67 Kinder. 3. Jahrgang: 87 Kinder. 4. Jahrgang: 77 Kinder. Dünsen 4. Jahrgang: 7 Kinder. Gesamt: 318 Kinder. Abgänge auf weiterführende Schulen (Beispiele) 2018/19: OBS Harpstedt: 26 Schüler. (+ 5 von GS Dünsen). Gymnasium Wildeshausen: 20 Schüler (+ 1 von GS Dünsen). Realschule Wildeshausen: 6 Schüler (+ 2 von GS Dünsen). Hunteschule: 2 Schüler. Lukasschule Bassum: 4 Schüler. Schülerzahlen Oberschule: 5. Jahrgang: 35 Kinder. 6. Jahrgang: 45 Kinder. 7. Jahrgang: 49 Kinder. 8. Jahrgang: 47 Kinder. 9. Jahrgang: 66 Kinder. 10. Jahrgang: 58 Kinder. Gesamt: 300 Kinder. - Stand: 13. September 2018

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