Keine Biontech-Dosen zur Verfügung

Mobiles Impfteam in Harpstedt: Unter 30-Jährige gehen leer aus

Die Warteschlange erreichte schon binnen der ersten halben Stunde nach dem Impfstart eine beachtliche Länge.
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Die Warteschlange erreichte schon binnen der ersten halben Stunde nach dem Impfstart eine beachtliche Länge.

Harpstedt – Geschätzte 50 Jüngere, die sich am Mittwoch bei Sturm und Regen in die Warteschlange vor der Harpstedter Delmeschule stellten, gingen leer aus. Den Maltesern im mobilen Impfteam des Landkreises stand ausschließlich Moderna- sowie Johnson & Johnson-Impfstoff zur Verfügung. Zum Leidwesen der unter 30-Jährigen. Denen wird nämlich getreu Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) inzwischen ausschließlich Biontech/Pfizer-Impfstoff verabreicht.

Mitstreiter aus dem 15-köpfigen Impfteam mussten alle Nase lang nach draußen gehen und Betroffenen erklären, warum sie nicht in den Genuss einer Erst-, Zweit- oder Auffrischungsimpfung gegen Corona kommen. Die Reaktionen schwankten zwischen Gelassenheit und vereinzeltem Murren. Der nachvollziehbare Unmut traf aber die Falschen. Denn die Malteser hatten den ins Stocken geratenen Impfstoffnachschub natürlich nicht zu verantworten. „Ich kann die Leute verstehen“, sagte Sven Strahlendorff, stellvertretender Leiter des mobilen Impfteams. Nur ändern könne er die Lage eben auch nicht.

Nur wenige Minuten Wartezeit am frühen Nachmittag

Der erste Impfwillige habe sich schon um 8 Uhr früh vor die Tür gestellt, berichtete Strahlendorff. Kurz nach dem offiziellen Start des „Massenimpfens“ erreichte die Warteschlange bereits mehr als 50 Meter Länge. Die Leute mussten Geduld mitbringen. „Wartezeiten von zwei Stunden sind normal“, wusste Strahlendorff. Am Nachmittag ging es dann tatsächlich sehr viel schneller. Das Warten verkürzte sich bis auf wenige Minuten

Ruhig und routiniert wurde der Impfstoff injiziert, allerdings nicht allen Impfwilligen. Es gab nur Dosen von Moderna. Für die unter 30-Jährigen empfiehlt die Stiko hingegen ausschließlich Biontech/Pfizer.

Boostern lassen durften sich auch Geimpfte, deren zweite Impfung nur fünf Monate zurücklag. Diese schon nach unten ausgereizte Grenze war allerdings nicht mehr „verhandelbar“, mussten Uneinsichtige zur Kenntnis nehmen. Diejenigen, die ihre Zweitimpfung nach dem 1. Juli erhalten hatten, bekamen noch keinen „Booster“.

Dass die mobilen Impfteams derart viel Zulauf erfahren, kommt nicht von ungefähr: Wer nicht zu den ganz Alten zählt und sich beim Hausarzt um eine Auffrischungsimpfung bemüht, muss aktuell damit rechnen, einen Termin im Februar 2022 in Aussicht gestellt zu bekommen, obwohl, so hieß es aus der Harpstedter Gemeinschaftspraxis Mullstraße, „wir schon montags, mittwochs, teilweise sonnabends und zusätzlich zwischen Weihnachten und Neujahr impfen“. Am vergangenen Samstag wurden dort allein 170 Dosen injiziert.

Impfstoff: Auch bei Ärzten kommt weniger an

Für diese Woche sei leider nur die Hälfte des bestellten Impfstoffes geliefert worden, bedauerte die Medizinische Fachangestellte Cornelia Deyda. In weiser Voraussicht hatte die Praxis die Bestellmenge aber vergleichsweise großzügig bemessen, zumal sich die Haltbarkeit des Impfstoffes (Biontech/Pfizer) verlängert habe. Die Erstimpfungen und das Boostern Hochbetagter genießen aktuell Priorität – auch in der Praxis Staus/Schmidt-Ahlers/Melkau. Von Impfstoff-Engpässen will man dort noch nicht reden, aber es sei inzwischen durchaus unsicher, ob bestellte Mengen in vollem Umfang geliefert würden.

Unmut: „Es hakt überall“

Nicht wenige Leute, die in Warteschlangen oder auf Wartelisten stehen, bringt das Impfdilemma auf die Palme. „Bund und Länder fordern eine hohe Impfquote oder sogar die allgemeine Impfpflicht ein, sind aber nicht in der Lage, ihre Impfversprechen einzulösen, weil es überall hakt“, kritisierte ein am Mittwochmorgen vor der Delmeschule abgewiesener unter 30-Jähriger, der seinen Namen nicht preisgeben wollte.

Das Impfen dort lief derweil ausgesprochen routiniert ab. Die Malteser verimpften 405 Dosen. „Es hätten sogar noch ein paar mehr sein können“, resümierte Sven Strahlendorff. Die Bedingungen seien gut gewesen. Die Delmeschule bot hinreichend Platz. Für das Arztgespräch, den eigentlichen Impfvorgang und die obligatorische 15-minütige Ruhephase wurden drei separate Räume benötigt

Harpstedter Impfungen im Podcast

Auch unser Podcast-Team von „Kreis und Quer“ war an diesem Tag in Harpstedt, um mit den Impflingen zu sprechen. Was hat die Menschen bewegt, sich an diesem Tag für eine Spritze anzustellen? Ist es dir erste, zweite oder eine Booster-Impfung? Und: Wie sieht die Corona- und Impf-Situation eigentlich im Nachbarkreis Diepholz aus? Die neue Folge „Wer lässt sich jetzt impfen?“ gibt es ab sofort auf YouTube, Spotify, Apple Podcasts und direkt hier im Artikel.

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