Immer neue in kurzer Zeit unterzubringende Flüchtlinge bereiten Verwaltungschef Sorge

Herwig Wöbse: Das ist auf Dauer nicht leistbar

Harpstedt - Eine Gewerbehalle hat sich die Samtgemeinde schon angeschaut, um zu prüfen, ob das Gebäude im Bedarfsfall als weitere Flüchtlingssammelunterkunft herhalten könnte. „Sie war ungeeignet“, sagt Herwig Wöbse. Wohnraum für Asylsuchende zu finden, wird sich nach seiner Ansicht 2016 noch deutlich schwieriger gestalten als 2015. „Das wird eng“, fürchtet der Samtgemeindebürgermeister. Zu den rund 150 schon untergebrachten Flüchtlingen sollen 80 bis März hinzukommen. Und das ist nicht das Ende der Fahnenstange. Die Samtgemeinde nähert sich im weiteren Verlauf des Jahres der 300er-Marke. Wöbse weiß heute noch nicht, wie es gelingen soll, für so viele Menschen Wohnraum zu finden. Ein Sanitärcontainer mit integrierten Duschen sei „vorsorglich bestellt“ worden. Man will für den Eventualfall gerüstet sein. Der Hintergrund: Kommt ein Objekt als weitere Sammelunterkunft grundsätzlich in Frage, scheitert dessen Nutzung erfahrungsgemäß häufig am Fehlen von sanitären Anlagen und Duschen. Eine zweite Turnhalle zu opfern – das kann sich Wöbse absolut nicht vorstellen, zumal dann nicht nur der Vereinssport, sondern auch der Schulbetrieb erheblich beeinträchtigt würde. „Da müsste es schon ganz dicke kommen.“

Setze sich der Flüchtlingszustrom im bisherigen Tempo fort, laufe auch die Samtgemeinde „vor die Wand“, prophezeit der Bürgermeister, wenngleich „nicht so schnell wie städtische Kommunen“. Es gebe mit Recht ein großes kommunales Interesse daran, den Zustrom zu bremsen. „Diese hohe Anzahl an Menschen in so kurzer Zeit aufzunehmen, ist auf Dauer nicht leistbar“, findet der Verwal-tungschef klare Worte.

Die Unterbringung und die Integrationsbegleitung vergleicht er mit einem Marathonlauf: Da komme es bekanntlich darauf an, nicht schon kurz nach dem Start sprinten zu müssen; sonst bestehe die Gefahr, nicht genügend Puste zu haben, um ins Ziel zu gelangen. Auch innerhalb der Verwaltung gelte es, sich die Kräfte trotz der erfolgten personellen Aufstockung richtig einzuteilen.

Die Errichtung von „Schlichtbauten“, einfachen Holzrahmenbau-Häusern für die Unterbringung von Flüchtlingen (und auf lange Sicht für Wohngeldberechtigte), mit einer auf zehn bis 15 Jahre angelegten Nutzungsdauer hatte der Landkreis angeregt, der solche Immobilien anmieten könnte. „Das kann eine gute Ergänzung sein, würde das Problem allein aber nicht lösen“, sagt Wöbse. Zunächst einmal bedürfte es geeigneter kommunaler Grundstücke. Die stünden etwa in Harpstedt, wo solche Unterkünfte wegen der vorhandenen Infrastruktur Sinn machen könnten, aber nicht zur Verfügung, schon gar nicht in der benötigten Größenordnung.

„Es gäbe die Möglichkeit, in Gewerbegebieten eine vorübergehende Wohnnutzung für drei Jahre zuzulassen. Schlichtbauten wären dort aber nicht realisierbar, weil sie sich nicht für zehn Jahre oder darüber hinaus baurechtlich absichern ließen, es sei denn, die Gemeinde würde den Bebauungsplan ändern. Und dann stellte sich wiederum die Frage: Passt die Änderung auch für das Gewerbe?“, gibt Wöbse zu bedenken.

Flüchtlingsunterkünfte irgendwo auf der grünen Wiese als „isolierte Außenposten“ entstehen zu lassen, sei nicht gewollt; die Standorte sollen möglichst im Umfeld anderer Bebauung liegen. Innerhalb der Samtgemeinde Harpstedt wären Schlichtbauten nicht nur im Flecken, sondern auch in den Außengemeinden vorstellbar. Wöbse sieht das Thema eher bei den Mitgliedskommunen angesiedelt. Die seien informiert worden und könnten dem Landkreis, wenn sie‘s denn wünschten, Flächen für etwaige Schlichtbauten melden. Die Standorte würden dann auf ihre Eignung geprüft.

Herwig Wöbse vermutet im Übrigen, dass zwar nicht das Gros, wohl aber ein kleinerer Teil der Flüchtlinge, die kommen, auf Dauer bleiben wird, zumal es „hier in der Region“ ja durchaus offene Stellen und Arbeit gebe.

boh

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