Geringer Milchpreis trifft Bauern:  „Tankstelle“ in Klein Ippener füllt Nische

„Ich freue mich, Leute zu sehen, die für Qualität zahlen“

Macht gute Miene zum bösen Spiel: Torsten Schröder im Melkstand mit Blick auf den Kuhstall.

Klein Ippener - Von Ove Bornholt. Über jeden Liter Milch, den Kunden bei der Milchtankstelle am Ortholzer Weg in Klein Ippener auf dem Hof Schröder abzapfen, freut sich Torsten Schröder, der den Betrieb gemeinsam mit seinen Eltern führt. Und zwar nicht nur, weil er dann etwa 80 Cent mehr bekommt, als wenn er die Milch an die Molkerei verkauft. „Ich freue mich auch, Leute zu sehen, die bereit sind, für Qualität zu bezahlen.“ Doch angesichts der geringen Milchpreise insgesamt ist die Menge, die er an der Tankstelle umsetzt, nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Für Schröder, dessen Familie 130 Kühe melkt, sind die 20 bis 25 Cent, die er und andere Milchbauern pro Liter bekommen, zu wenig. „Es werden noch viele aufgeben“, prophezeit er, sollte der Preis nicht steigen. Einen Effekt durch den vor wenigen Wochen gesunkenen Milchpreis im Supermarkt auf die Kunden seiner „Tankstelle“ hat er derweil nicht beobachtet. Den Start des Angebots im Juli vergangenen Jahres bereut er aber nicht. „Ich würde das sofort wieder tun“, sagt er überzeugt. Vor allem ab 16 Uhr kämen die Leute, „wenn sie Feierabend haben“.

Der Landvolkvertreter im Bezirk Samtgemeinde Harpstedt, Lüder Wessel, sieht die Entwicklung auf dem Milchmarkt genau wie Schröder mit Sorge. Die Milchtankstellen seien eine Nische, die ihre Berechtigung hätten. Die Landwirte würden sich dadurch zum Beispiel ein Stück weit öffnen, meint er. „Das bringt Vertrauen.“ Aber es ist für ihn eben nur eine Nische. Dort könne der Verbrauche jedoch zeigen, ob „er bereit ist, mehr für die Milch zu bezahlen oder lieber billig im Supermarkt kauft“. Wessel hat jedoch so seine Zweifel, ob ersteres eintreten wird. Er spricht vom „Aldi-Gen“, also möglichst billig einzukaufen, das in jedem Kunden stecke. Da sei ja auch ganz normal, will der Dünsener niemanden verurteilen.

Er selber hatte früher auch Kühe, doch diese hätten sich wirtschaftlich nicht mehr gelohnt. Anfang der 80er-Jahre habe es noch 83 Pfennig, also nach heutigem Wert etwa 40 Cent pro Liter gegeben. Die aktuellen Preise seien also nur noch die Hälfte dessen, was vor 35 Jahren gezahlt wurde. „Das hat Auswirkungen. Das Geschäft ist einfach nicht mehr lukrativ“, meint er.

Doch wie soll es weitergehen? Der Milchgipfel am Montag in Berlin habe zwar eine steuerliche Erleichterung für Bauern gebracht, die in der Bredouille steckten und Land verkaufen müssten. Aber das brächte langfristig keine Lösung. „Wir können durch den globalen Markt nicht mehr so viel steuern“, stellt er nüchtern fest. Deswegen sei eine Quote nur für Deutschland oder die EU auch nicht sinnvoll. Die Politik sei dagegen gefordert, Auslandsgeschäfte zum Beispiel mit China zu unterstützen. „Das wünschen wir uns.“ Durch die Erschließung dieser Märkte erhofft er sich, mehr Umsatz.

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