Bärbel und Reinhard Schäfer halten Bennett-Kängurus in Klein Henstedt

Wer hüpft denn da?

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„Franz“ (l.) und „Sissi“ mit ihrem jüngsten „kaiserlichen“ Nachwuchs. Das Junge streckt seit etwa einem Monat immer mal wieder das Köpfchen aus dem Beutel der Mutter heraus.

Klein Henstedt - Von Jürgen Bohlken. „Sissi“ und „Franz“ folgen dem Lockruf des Brotes gern. Der Snack, den Bärbel Schäfer auf den Boden wirft, kommt ihnen gerade recht. Ein drittes Bennett-Känguru, männlich und namenlos geblieben, zeigt keinerlei Interesse an den Brotbrocken. „Es hat wohl gerade keinen Appetit“, vermutet das „Frauchen“. Aus „Sissis“ Beutel lugt ein acht Monate altes Jungtier. „Es hat vor etwa vier Wochen damit angefangen, das Köpfchen herauszustrecken“, erzählt Bärbel Schäfer. In den kommenden Monaten werde es zunehmend flügge.

Wie die Schäfers zu ihren „Skippys“ aus der Gattungsgruppe der Wallabys kamen? Eigentlich wie die redensartliche Jungfrau zum Kind. Zum „tierischen Inventar“ auf ihrem Grundstück zählten zeitweise Kanada-Gänse. Als Nachwuchs geschlüpft war, suchten sie für einen jungen Ganter einen Käufer. Ein Ehepaar aus Hemmelsberg, das Bennett-Kängurus hielt, zeigte Interesse. Ein Tauschgeschäft schien sich anzubahnen. Die Hemmelsberger sicherten zu, sich bei den Schäfers zu melden, sobald der Känguru-Nachwuchs reif für den Wechsel in ein neues Zuhause sei. „Ich gab ihnen unsere Telefonnummer“, erzählt Bärbel Schäfer, die aber vergeblich auf den erhofften Anruf wartete. Die Kängurus gingen ihr nicht mehr aus dem Sinn. Sie recherchierte im Internet und stieß auf einen Züchter in Kleve. Von dort bekamen die Schäfers das Paar, dem sie die beiden so „kaiserlich“ klingenden Namen verpassten.

Die vitalen „Hüpfer“ sind das ganze Jahr über draußen. Wenn sie den Stall aufsuchen, dann überwiegend zum Fressen. Dass Kälte ihnen nichts ausmacht, pralle Sonne aber schon, verwunderte Bärbel Schäfer. „Ich dachte, das wäre genau umgekehrt“, sagt sie. Schmunzeln musste sie über die Frage eines Jungen, der wissen wollte, ob das Baby denn auch mal zum Papa in den Beutel gehe. Mittlerweile ist er schlauer. „Beutel haben nur die weiblichen Tiere. Aber ich erlebe es häufiger, dass Leute das nicht wissen“, verrät Bärbel Schäfer.

In Sachen Nahrung seien die Bennetts, die etwa 60 bis 75 Zentimeter groß werden, anspruchslos. „Sie mögen im Prinzip alles, was Kaninchen fressen: Heu, Gras, Blätter oder Möhren“, erzählt die Klein Henstedterin. Die Kängurus seien „sehr nachtaktiv“, hat sie festgestellt. Und obendrein robust. Seit ihrer Geburt ist noch keines der Beuteltiere erkrankt. „Als wir das Pärchen bekamen, habe ich gleich unsere Tierärztin darüber informiert“, erzählt Bärbel Schäfer. Die Reaktion entbehrte nicht einer gewissen Komik. „Oh, mit Kängurus habe ich ja noch gar keine Erfahrung“, soll die Veterinärin erwidert haben.

Bärbel Schäfer betreibt an ihrem Wohnsitz eine Tierpension. Hunde oder auch gelegentlich Papagayen nimmt die 64-Jährige übergangsweise in ihre Obhut. Auf dem Anwesen in Klein Henstedt tummeln sich darüber hinaus diverse eigene tierische Bewohner, darunter Hühner, Gänse und ein Pfau. Die Kinder der Schäfers, fünf an der Zahl, sind hingegen alle aus dem Haus. Die Tiere machen indes durchaus Arbeit. „Ich muss was um die Ohren haben“, sagt Bärbel Schäfer.

Als sie selbst klein war, hielt ihr Vater unter anderem Kaninchen. Ihr selbst wurde eine Katze zugestanden. „Ich hätte gern einen Hund gehabt, aber den habe ich nicht gekriegt“, plaudert die 64-Jährige ein wenig aus dem Nähkästchen.

„Sissi“ und „Franz“ haben derweil ihren Snack aufgefressen und hüpfen wieder munter bei schönstem Frühlingswetter auf dem eingezäunten Grundstück umher.

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