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Zur heimlichen Verlobung gab’s 1961 Chianti aus Zahnputzbechern

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Von: Jürgen Bohlken

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Die Feier anlässlich der Diamanthochzeit von Ehler und Erika Hormann lässt noch ein bisschen auf sich warten. Die Familie bedeutet den Ehejubilaren sehr viel.
Die Feier anlässlich der Diamanthochzeit von Ehler und Erika Hormann lässt noch ein bisschen auf sich warten. Die Familie bedeutet den Ehejubilaren sehr viel. © Bohlken

Harpstedt – Seit 60 Jahren leben sie Seite an Seite mit Trauschein; am morgigen Sonnabend dürfen sie sich zu den Diamanthochzeitsjubilaren zählen. Das hat natürlich mit Zuneigung und Vertrauen zu tun, aber auch mit der Liebe zu Italien, die Ehler Hormann (83) und seine Frau Erika (82), geb. Poggenburg, aus Harpstedt verbindet.

Beim ersten Kennenlernen im früheren Tanzlokal „Zum Sonnenstein“ hatte es 1959 noch nicht gefunkt. Doch schon ein Wiedersehen im Januar 1960 in „Küvers Eisbar“ (heute „Charisma“) in Harpstedt offenbarte Sympathie füreinander. „Ehler plante damals, mit einem alten VW Käfer Standard zu den Olympischen Spielen nach Rom zu fahren und zehn Tage im Stadtteil Ostia zu zelten. Er erzählte mir davon. Nach seiner Rückkehr trafen wir uns erneut. Nun schwärmte er mit großer Begeisterung von Italien“, erinnert sich die Ehejubilarin.

Eine Romanze in „Bella Italia“ sollte ihren Lauf nehmen: Im Herbst 1961 reisten der gebürtige Neuenkirchener und die Ur-Harpstedterin, damals Anfang 20, gemeinsam nach Ostia an den Lido de Roma, gaben sich dort spontan das Eheversprechen und „begossen“ das Ereignis mit Chianti aus Zahnputzbechern. Der Verlobungsring, den Ehler Hormann seiner Herzdame an den Finger steckte, passte zur Verblüffung der Angetrauten in spe perfekt. „Im Organisieren war ich schon immer gut“, erinnert sich der heute 83-Jährige augenzwinkernd.

„Doppelhochzeit“ in Grün und Gold

Zurück in Harpstedt, setzte das junge Glück die Verwandtschaft von der heimlichen Verlobung in Kenntnis; der Anlass wurde gebührend „nachgefeiert“. 1962 gaben sich Erika Poggenburg und Ehler Hormann das Ja-Wort fürs Leben. Standesamtlich traute sie Dirk Heile, kirchlich Pastor Heinrich Dauskardt. Die Großeltern der Braut hatten für den 9. April ihre Goldhochzeitsfeier geplant. Darin klinkten sich die Frischvermählten mit der Feier ihrer grünen Hochzeit ein. „Wir wollten Geld sparen“, gibt Erika Hormann offen zu. In ihrem Elternhaus in Harpstedt bezogen sie und ihr Mann die erste kleine gemeinsame Wohnung. Die junge Ehefrau besuchte zunächst weiter die Werkkunstschule in Hannover, beendete ihr Modedesign-Studium nach sechs Semestern im Januar 1963 mit Auszeichnung und befasste sich dann, wie sie sagt, „in Harpstedt mit ausgefallener Damenmode“.

Im Organisieren war ich schon immer gut.

Ehler Hormann

Der Berufsweg ihres Mannes schien vorgezeichnet zu sein, und zwar vom Großvater mütterlicherseits. Der hieß Schmidt mit Nachnamen und hatte es in seinem Handwerk bis zum königlichen Hufschmied gebracht. Seine fünf Brüder übten denselben Beruf aus, und zwar durchweg in eigenen Schmieden. Für den Opa stand daher fest, was Ehler Hormann als einziger männlicher Nachkomme werden sollte. Der Enkel fügte sich. Der sozusagen „befohlenen“ Schmiedelehre ließ er eine Heizungs- und Lüftungsbauerausbildung folgen, ehe er in den kaufmännischen Bereich umsattelte. Als jung Vermählter arbeitete er anfangs in einem Bremer Heizungsgroßhandel. Einer „Empfehlung“, die man heute „Headhunter-Rekrutierung“ nennen würde, verdankte er einen Arbeitgeberwechsel: Fortan leitete er den Vertrieb eines süddeutschen Unternehmens für den Großraum Hannover.

Mit Italien sind wir verbunden geblieben – vormals beruflich, inzwischen privat.

Erika Hormann

1964 zog Ehler Hormann mit seiner Frau in ein angemietetes Wohnhaus mit Büroräumen in die niedersächsische Landeshauptstadt, wo 1965 Tochter Andrea geboren wurde. Die Verbundenheit der Eheleute zu Harpstedt war aber derart gewachsen, dass sie beschlossen, beizeiten dorthin zurückzukehren. Die Gelegenheit dazu ergab sich unerwartet schnell, als das Unternehmen, für das Ehler Hormann arbeitete, einen Standortwechsel nach Bremen vollzog. 1966 war das im Flecken errichtete Eigenheim zumindest so weit fertig, dass die Eheleute mit der Tochter einziehen konnten. 1967 und 1973 kamen die Söhne Marcus und Eric zur Welt. Deren Eltern bauten sich 1978 eine eigene Vertriebsfirma auf – mit Betriebsgebäude im Gewerbegebiet „Amtsacker“.

„Mit Italien sind wir verbunden geblieben – vormals beruflich, inzwischen privat“, sagt Erika Hormann. Seit 40 Jahren zieht es sie und ihren Mann jährlich nach Abano südwestlich von Venedig. Dort feierten sie vor zehn Jahren ihre Goldhochzeit mit den drei Kindern, drei Schwiegerkindern und den sechs Enkeln („unser ganzer Stolz“). Die Feier der Diamanthochzeit wird indes noch ein bisschen auf sich warten lassen.

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