Hofläden verzeichnen hohe Nachfrage

Einkauf mit Abstand: Selbstbedienungsangebote auf Bauernhöfen sind derzeit beliebt. Foto: Schröder,

Einkaufen, wo sich kaum jemand drängelt, das wünschen sich momentan viele Menschen. Die Alternative zum Supermarkt sind Hofläden und andere Formen der Direktvermarktung der Landwirtschaft. Die Anbieter in der Samtgemeinde Harpstedt spüren einen deutlichen Anstieg der Nachfrage – seit Wochen.

Harpstedt – Drei Schweine in einer Woche, so viel schlachten die Lehmkuhls vom Eichenhof in Kirchseelte sonst nicht. Alle zwei Wochen zwei Tiere, das sei die Regel, erklärt Helmut Lehmkuhl. Doch nun sei die Nachfrage der Kunden, die den Hofladen besuchten, deutlich stärker als sonst. „Wir können uns nicht beklagen im Moment“, sagt der Landwirt.

Ebenso wie Lebensmittelgeschäfte und Wochenmärkte gilt für Hofläden und andere Formen der Direktvermarktung von landwirtschaftlichen Produkten in Niedersachsen, dass sie ohne besondere Einschränkungen in der Coronakrise weiterhin geöffnet haben dürfen. Sie müssen lediglich darauf achten, dass ihre Kunden einen Mindestabstand von anderthalb Metern zueinander einhalten. In der Samtgemeinde Harpstedt nutzen viele Menschen nun die Gelegenheit, ihre Einkäufe auf den verschiedenen Höfen zu erledigen. Diesen Trend haben die Anbieter bereits seit einer Zeit bemerkt.

„Zwei Wochen waren das bestimmt, in denen wir auf Hochtouren gearbeitet haben“, erinnert sich Claudia Wessel vom gleichnamigen Hof in Dünsen. Gleich zu Beginn der sogenannten Hamsterkäufe in den Supermärkten vor einigen Wochen packten auf einmal auch in ihrem Hofladen die Menschen nicht nur ein oder zwei, sondern gleich sechs Einmachgläser voller Suppe in ihren Korb. Inzwischen habe sich die Lage wieder etwas beruhigt, es kämen nicht mehr so viele Leute wie damals, sagt sie. „Aber die Kunden, die schon immer gekommen sind, nehmen jetzt häufig auch für ihre Nachbarn etwas mit.“

Auf dem Eichenhof in Kirchseelte ist der allererste große Ansturm, der vor drei Wochen begann, ebenfalls schon etwas abgeflacht. Auf die Frage, wie sich der Umsatz in der Coronakrise bislang entwickelt habe, antwortet Bernd Lehmkuhl: „In der ersten Woche war es das Dreifache im Vergleich zu sonst. Jetzt ist es auf jeden Fall noch doppelt so viel.“ Langsam normalisiere sich die Situation. Der Hofladen sei jedoch – wie sonst auch – nur von mittwochs bis samstags geöffnet. An den anderen Tagen falle schon genug Arbeit an, erklärt der Landwirt. Allerdings biete er nun auch an, Kunden zu beliefern und so einen kontaktlosen Einkauf zu ermöglichen. Das nähmen vor allem Ältere in Anspruch, sagt er.

Kontaktloses Einkaufen ist im Moment gefragt

Lebensmittel zu besorgen, ohne sich anderen Menschen nähern zu müssen, geht auch auf dem Hof Schröder in Klein Ippener. Dort gibt es sowohl einen Automaten, in dem Eier, Wurst oder Joghurt bereit stehen, sowie eine Milchtankstelle. Landwirt Torsten Schröder hat ebenfalls einen Anstieg der Nachfrage bemerkt. Vor allem Eier und Milch seien beliebt, berichtet er. „Wir sind den ganzen Tag immer wieder dabei, nachzufüllen“ – 40 verschiedene Produkte, je vier Stück, passen in die Selbstbedienungsmaschine. „Werbung haben wir überhaupt nicht gemacht“, erzählt Schröder, trotzdem kämen viele neue Kunden. „Ich denke, die Steigerung kommt daher, dass die Leute nicht in den Supermarkt gehen wollen.“

Diesen Eindruck teilt auch Petra Schwarting. Die Produkte des gleichnamigen Hofs in Klein Ippener verkauft sie auf mehreren Wochenmärkten sowie in einem kleinen Hofladen mit Selbstbedienung. Die Nachfrage bei beiden Verkaufsformaten wachse seit etwa zwei Wochen und nehme derzeit sogar noch zu, bilanziert sie. Das bedeutet auch mehr Arbeit: „Heute Nachmittag muss ich noch Eierlikör machen.“ Denn bei Schwartings sind nahezu alle Waren aus eigener Produktion. „Selbst eingelegte Sachen gehen jetzt auch besser weg als sonst.“

Die Entwicklung, dass mehr Menschen sich den kleinen Hofläden zuwenden, sehen die befragten Landwirte durchweg positiv. „Es ist für uns auch eine kleine Chance, dass die Leute diese Art des Einkaufens für sich entdecken“, findet Schwarting. Und Bernd Lehmkuhl sagt: „Ich denke, der Verbraucher weiß es im Moment zu schätzen, dass die deutsche Landwirtschaft bei der Lebensmittelversorgung hilft.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Bürgerrechtler verklagen Trump - "Marsch auf Washington"

Bürgerrechtler verklagen Trump - "Marsch auf Washington"

Corona in Göttingen: Nach Massenausbruch wurde ein Testzentrum errichtet

Corona in Göttingen: Nach Massenausbruch wurde ein Testzentrum errichtet

Sonnenschutz im Auto nachrüsten

Sonnenschutz im Auto nachrüsten

Brettspiele für die ganze Familie

Brettspiele für die ganze Familie

Meistgelesene Artikel

81 „Aderlässe“ in Groß Ippener

81 „Aderlässe“ in Groß Ippener

Finanzausschuss tagt im Koems

Finanzausschuss tagt im Koems

Offene Stellen im Ehrenamt

Offene Stellen im Ehrenamt

Hübsches Kleinod an der Kirchstraße

Hübsches Kleinod an der Kirchstraße

Kommentare