Bundesverwaltungsgericht weist Klagen ab

Urteil: 380 kV-Trasse darf gebaut werden

Harpstedt/Leipzig - Niederlage für Leitungsgegner: Die 380 kV-Trasse zwischen Ganderkesee und St. Hülfe, die auch durch die Samtgemeinde Harpstedt führen soll, darf gebaut werden – das hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig am Donnerstag entschieden.

Die Richter wiesen damit die Klagen von fünf Grundstückseigentümern und des Naturschutzbundes Nabu ab, da die Planungen nicht gegen das Arten- und Naturschutzrecht verstießen.

Die 60 Kilometer lange Trasse soll durch die Gemeinden Colnrade, Winkelsett und Prinzhöfte führen – und das überirdisch. Der längste Freileitungsabschnitt liegt im Bereich der Samtgemeinde. „Das Urteil ist für uns natürlich enttäuschend“, sagte Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse unserer Zeitung. „Ich hatte Hoffnung, dass sich noch etwas ergeben kann.“ Wöbse glaubt, der Weg des Widerstandes ist nun zu Ende: „Eine europarechtliche Klage sehe ich nicht.“ Alle anderen rechtlichen Mittel seien ausgereizt.

Doch der Bürgermeister sieht zumindest vorteilhafte Änderungen gegenüber dem Ursprungsplan von 2003. So sei die Strecke darin noch gerade durch die Landschaft gezogen worden, ohne Rücksicht auf besiedelte Gebiete zu nehmen. „Der erste Plan war äußerst unsensibel und hemdsärmelig“, so Wöbse, der das Projekt von Beginn an begleitet hat. Damals noch als Bürgermeister von Prinzhöfte. Zu den Häusern seien teilweise Abstände von nur 20 bis 40 Metern vorgesehen gewesen. Im Bereich von Klein Henstedt ist die Leitung nun weiter von besiedelten Gebieten entfernt geplant – dafür durch die Heide. Die Notwendigkeit der Trasse sieht Wöbse mittlerweile ein. Da sich nicht überall umweltfreundlicher Strom durch Windenergie erzeugen lasse, müsse dieser in Zeiten des Klimawandels nun mal transportiert werden.

Auch die Interessengemeinschaft „Vorsicht Hochspannung“ habe keine Zweifel an der Notwendigkeit, so deren Mitbegründer Frank Windhorst: „Wir haben ja nie in Frage gestellt, dass Strom transportiert werden muss.“ Das Urteil kritisierte er scharf: „Ich bin enttäuscht, dass über vieles hinweg für wirtschaftliche Interessen geurteilt wurde“, sagte er. Viele Einwände aus dem Naturschutz seien übergangen worden, so Windhorst, der sich vom Rechtsstaat im Stich gelassen fühlt. Er hatte sich für eine Erdverkabelung eingesetzt, auch wegen möglicher Gefahren für die Anwohner, die nicht widerlegt seien.

Der Netzbetreiber und Investor TenneT will die „bauvorbereitenden Maßnahmen“ fortsetzen und noch in diesem Jahr die ersten Freileitungsmasten errichten. Im Jahr 2021 soll der Abschnitt in Betrieb gehen. 

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