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Pragmatisch statt innovativ

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Von: Jürgen Bohlken

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Nicht mehr begehbar: die schon länger gesperrte Hochzeitsbrücke über den Burggraben.
Nicht mehr begehbar: die schon länger gesperrte Hochzeitsbrücke über den Burggraben. © Bohlken

Harpstedt – Weshalb will die Samtgemeinde Harpstedt mit 345 000 Euro aus dem Topf „Perspektive Innenstadt!“ ausgerechnet die Hochzeitsbrücke für Fußgänger über den Burggraben zum Amtshof erneuern? Warum verwendet sie dieses Geld nicht für eine Sanierungsmaßnahme im Rosenfreibad?

Die Antwort ist geografischer Natur: Das Freibad gehört nicht mehr zum Ortskern und wäre daher gar nicht förderfähig. Es passt schon wegen seiner Lage nicht in das Sofortprogramm, das Kommunen mit Mitteln aus der EU-Aufbauhilfe „Recovery Assistance for Cohesion and the Territories of Europe“ bei der Bewältigung der Pandemiefolgen in den Innenstädten helfen will.

Hätte es keine besseren Ideen gegeben?

Klaus Stark (SPD)

Maßnahmen zur Stärkung bestehender Unternehmen in der Krise mit dem Ziel, Firmen widerstandsfähiger zu machen und neue Wertschöpfung sowie Arbeitsplätze entstehen zu lassen, wären indes sehr wohl möglich gewesen. Oder auch neue Nutzungskonzepte für Gebäude zur Förderung von Selbstständigkeit, Inklusion und Qualifizierung – wider den Leerstand. Von daher mutet die Erneuerung der Hochzeitsbrücke durch die Samtgemeinde Harpstedt nicht unbedingt wie die „innovativste“ Lösung an.

„Hätte es keine besseren Ideen gegeben?“, hinterfragte Klaus Stark (SPD) während der jüngsten Sitzung des Bau- und Planungsausschusses. Die Hochzeitsbrücke brauche „kein Mensch“; das sei doch in der Vergangenheit bereits festgestellt worden. Samtgemeindebürgermeister Yves Nagel wies auf den eng abgesteckten zeitlichen Rahmen hin. „Die Antragsfrist endet schon am 31. März. Bis dahin müssen wir aber auch bereits Daten vorlegen können, was der Spaß kostet“, so der Amtshof-Chef. Die Kostenermittlung für die Brückenerneuerung habe sich noch „gerade so“ innerhalb des Zeitrahmens bewerkstelligen lassen.

Ja, es wäre schon vorstellbar gewesen, sinnvollere Projekte einzureichen. „Dafür haben wir aber leider nicht die nötige Manpower“, begründete Nagel, warum letztlich „eine schnelle, schlanke Lösung“ gewählt worden ist. Im Übrigen hätte die Samtgemeinde die in ihrer Statik beeinträchtigte und deshalb schon länger gesperrte alte Hochzeitsbrücke beizeiten ohnehin abreißen lassen und zusätzlich die darauf zulaufenden Wege neu beordnen müssen; das wäre auch mit Kosten verbunden gewesen. Aus der Bevölkerung sei außerdem der Wunsch zu vernehmen, das marode Bauwerk zu erneuern.

Die Hochzeitsbrücke war die einzige Maßnahme, die auf die Schnelle möglich war. Wir Harpstedter Räte sind sehr häufig auf diese Brücke angesprochen worden, weil die Samtgemeinde sie wegen fehlender Mittel zunächst nicht ersetzen wollte.

Rolf Ranke (HBL)

Seitens des Fleckens seien in Person von Matthias Hoffmann (SPD) ganz viele Ideen gekommen, die sich aber kurzfristig nicht hätten umsetzen lassen, äußerte sich Rolf Ranke (Harpstedter Bürgerliste, HBL). Förderfähig seien nur Projekte mit einer bestimmten Mindestgröße. „Die Hochzeitsbrücke war die einzige Maßnahme, die auf die Schnelle möglich war. Wir Harpstedter Räte sind sehr häufig auf diese Brücke angesprochen worden, weil die Samtgemeinde sie wegen fehlender Mittel zunächst nicht ersetzen wollte. Wie wir dazu kämen, haben uns Bürger gefragt. Darunter litte das ganze Amtshof-Ensemble; das wäre doch viel zu schade, hieß es. Jetzt aber kriegen wir das Geld“, gab Ranke zu bedenken. Vor diesem Hintergrund und angesichts des engen Zeitrahmens sei die Erneuerung der Hochzeitsbrücke einfach „die beste Lösung“ gewesen.

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