Konzert für Hilfe im Katastrophengebiet

1. 193,20 Euro wandern in den Spendenhut

Ukulele und Stimme: Das reichte für ein Konzert, in dem die Musik ausnahmsweise mal das Unwichtigste war.
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Ukulele und Stimme: Das reichte für ein Konzert, in dem die Musik ausnahmsweise mal das Unwichtigste war.

Harpstedt – „Ich bin gerade sehr glücklich“, gab Ralph Altendorf aus Dünsen am Sonntagabend nach seinem Benefizkonzert beim „kleinen Weinladen“ in Harpstedt offen zu. Zuvor hatte Aylin Yavuz bekannt gegeben, wie viel Geld die etwa 40 Zuhörer vor dem „Liberty"s“ und dem „Eiscafé Venezia“ sowie einige Passanten zugunsten der Hochwasseropferhilfe von Harpstedtern und Dünsenern in den Spendenhut geworfen hatten.

1 .193,20 Euro zeugten von großer Solidarität mit denjenigen, die in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen binnen kürzester Zeit alles verloren hatten, was in Jahrzehnten aufgebaut worden war.

Die stattliche Summe wird die private Kooperative von Aylin und Ahmet Yavuz, Marcel Melloh und Stefan Müller einsetzen, um Betroffene und Hilfskräfte, die immer noch unermüdlich mit Aufräumarbeiten beschäftigt sind, direkt vor Ort kostenlos mit Essen und Getränken zu unterstützen.

In der Nacht zum kommenden Sonnabend startet erneut ein Sprinter aus Harpstedt in Richtung Bad Neuenahr-Ahrweiler. Einmal mehr wird dort dann Stefan Müller am Grill stehen, weshalb sein Harpstedter Imbiss „Pappsatt“ geschlossen bleibt. Und einmal mehr steht ihm Aylin Yavuz zur Seite, um Kaffee zu kochen und Essen zu reichen.

Während der ersten Grillaktion dieser Art vor gut einer Woche hatten mehr als 1 .200 gebrutzelte Würste (mitsamt Beilagen) dankbare Abnehmer in Ahrweiler gefunden. „600 Stück spendete allein Roland Küchentechnik. Dem Harpstedter Turnerbund und dem SC Dünsen sind wir ebenfalls sehr dankbar – für das Sponsoring der Sprinter“, betonte Stefan Müller gegenüber unserer Zeitung.

Ich muss nicht wie Caruso singen können, um die Herzen der Menschen zu erreichen.“ 

Ralph Altendorf

Dass die Kooperative ihre Hilfe nun fortsetzen kann, verdankt sie vor allem Ralph Altendorf. Der hatte von der Initiative aus Harpstedt und Dünsen zugunsten der Hochwasseropfer und zur Unterstützung der vor Ort tätigen Hilfskräfte in der Zeitung gelesen und sich überlegt, welchen Beitrag er ganz persönlich leisten könnte. „Ich kann Musik machen“, fiel dem Dünsener ein.

Von Hans Albers bis Westernhagen

Für sein spontanes Hutkonzert strickte er ein gut anderthalbstündiges Programm aus Titeln zusammen, das ausgesprochen vielfältig daherkam. Von Hans Albers bis zu den Ärzten und von Howard Carpendale über Udo Jürgens bis zu Marius Müller-Westernhagen reichte das Spektrum. Auch selten Gehörtes, etwa Udo Lindenbergs großartige Übersetzung des Stones-Songs „Sympathy for the Devil“ und eine deutsche Fassung von Bob Dylans „Forever young“, sang der 74-Jährige zu eigener Begleitung auf der Ukulele. In einer Liebeserklärung an seine Heimatgemeinde mutierte „Georgia“ kurzerhand zu „Dünsen, mein Dünsen“.

Mit seinem Hutkonzert unterstützte Ralph Altendorf (Mitte) eine Kooperative um Marcel Melloh (links) und Aylin Yavuz (rechts), die Direkthilfe in schwer von Hochwasserschäden betroffenen Städten wie Bad Neuenahr-Ahrweiler leistet.

Grönemeyers „Der Weg“ zur Erinnerung an die Toten

Herbert Grönemeyers „Der Weg“ in Gedenken all derer, die im Verlauf der Hochwasserkatastrophe eigene Angehörige verloren hatten, zählte zu den Höhepunkten des Konzerts, in dem die Musik eigentlich das Unwichtigste war. Altendorf hatte sich selbst gesagt: „Ich muss nicht wie Caruso singen können, um die Herzen der Menschen zu erreichen.“ Mit dieser Einschätzung lag er goldrichtig.

Obgleich zwischen Sänger und Zuhörern die Freistraße lag, sprang der Funke über. Das Publikum forderte sogar Zugaben ein. Altendorf ließ die Kür der Pflicht folgen. Im Zugabeteil überraschte er mit „Souvenirs, Souvenirs“, einem Hit des kürzlich verstorbenen Schlager- und Jazzsängers Bill Ramsey, sowie mit „Tage wie diese“ von den Toten Hosen und einer deutschsprachigen Version von Michael Jacksons „Earth Song“.

Publikum belohnt auch die Courage

„Richtig mutig“ fanden Zuhörer Altendorfs Benefizkonzert. Die hohe Spendenbereitschaft unterstrich nicht zuletzt auch ihren Willen, diese Courage zu belohnen.

Eine Frage beschäftigte das Publikum am Ende des Abends zwar brennend, blieb aber gleichwohl ungeklärt: „Wer hat bloß die 20 Cent in den Hut geworfen?“

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