Sogar spontane Spritgeld-Spenden für die Fahrer

Hilfe aus Harpstedt kommt ins Rollen

Alles muss möglichst rasch wieder raus. Aber erst einmal füllt es sich zusehends im „Liberty's“. An diesem Sonnabend macht sich auch Aylin Yavuz auf den Weg ins Katastrophengebiet – bepackt mit Sachspenden für die Hochwasseropfer.
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Alles muss möglichst rasch wieder raus. Aber erst einmal füllt es sich zusehends im „Liberty"s“. An diesem Sonnabend macht sich auch Aylin Yavuz auf den Weg ins Katastrophengebiet – bepackt mit Sachspenden für die Hochwasseropfer.

Harpstedt/Dünsen – Schnell füllt sich am Freitagmorgen auf Harpstedts Marktplatz der Sprinter von Marcel Melloh aus Dünsen mit Hilfsgütern. Heidi Seydel (54) und ihr Mann Uwe (67) aus Drakenburg sind durch die Kreiszeitung auf die Sachspendensammlung aufmerksam geworden. Sie haben selbst im Kreis Nienburg für die Hochwasseropfer in NRW und Rheinland-Pfalz gesammelt.

Mit Klopapier, Windeln, Katzenfutter und allerhand weiteren hilfreichen Dingen machen sie sich frühzeitig auf den Weg, um die Sachen in eine ihnen gar nicht so vertraute Gemeinde zu bringen. „Wir haben zwar schon von Harpstedt gehört, aber wo genau das liegt, wussten wir nicht“, gesteht das Paar schmunzelnd.

Um 9.35 Uhr erreicht der vollgepackte Transporter, den sich die Eheleute geliehen haben, sein Ziel. Die Fracht wechselt im Nu in Marcel Mellohs Sprinter. Was übrig bleibt, wandert ins „Zwischendepot“: Metin Kalabaliks Burger-Imbiss „Liberty"s“ verwandelt sich in einen Lagerraum. Die schon oft für Live-Auftritte genutzte Ecke ist „vollgestellt“. Jeder freie Platz wird gebraucht.

Telefon steht nicht mehr still

Aylin Yavuz, Tochter von Gastronom Kalabalik, hilft Marcel Melloh beim Bepacken des Sprinters, der sich um kurz nach 10 Uhr in Richtung Rheinland in Bewegung setzt. Mit ihrem Mann Ahmet hat sie obendrein eine eigene Hilfsgütersammlung organisiert, die ein gewaltiges Echo erfährt: Nach Bitten um Sachspenden via Facebook und Kreiszeitung steht das Telefon vom Morgen bis zum späten Abend nicht mehr still. Rund 50 Spender liefern und liefern. Sven Tolksdorf, Schwager von Ahmet Yavuz, in Harpstedt sagt zu, Sachspenden aus dem „Liberty’s“ im 40-Tonner mitzunehmen. Einen Teil der Ladefläche nehmen allerdings schon andere Hilfsgüter in Anspruch.

„Hier bleibt noch was liegen, was auch irgendwie in die Krisenregion muss“, ahnt Metin Kalabalik. Seine Tochter und sein Schwiegersohn haben längst alles klargemacht: An diesem Sonnabend starten sie zusammen mit einem guten Freund namens Matthias aus Syke in die Katastrophenregion. In zwei Sprintern und einem Personenwagen soll so viel verstaut werden, wie eben reinpasst.

Rund 50 Spender und Unterstützer

Hunderte Bratwürste gehen ebenfalls mit auf die Reise, denn geplant ist, vor Ort für Hochwasseropfer zu grillen, sofern sich eine Gelegenheit dazu ergibt. In diese Aktion klinkt sich auch Stefan Müller vom Harpstedter Imbiss „Pappsatt“ ein.

Tatkräftig hilft Aylin Yavuz dem Dünsener Marcel Melloh beim Bepacken des Sprinters. Die Ziele seiner Hilfsgüterlieferung: Ahrweiler und Hagen.

Aylin Yavuz schätzt, dass im Verlauf der zurückliegenden Tage annähernd 50 Mitbürger auf ihren Spendenaufruf reagiert und Dinge gebracht haben. „Ganz viel Wasser, Babysachen, Babybetten, Decken, Hygieneartikel, Reinigungsmittel, Lappen, Schwämme, Konserven, Batterien und Taschenlampen“, zählt die 31-Jährige nur das auf, was ihr auf Anhieb einfällt. Die Lidl-Angestellten hätten drei Paletten mit Getränken und Tiernahrung gestiftet.

Haus einer Freundin ist unbewohnbar

Von Marcel Melloh haben Aylin Yavuz und ihr Mann Ahmet wertvolle Tipps bekommen, was im Katastrophengebiet in diesen Tagen besonders dringend benötigt wird. Der Dünsener weilt gefühlt ununterbrochen seit einer Woche in Rheinland-Pfalz und NRW. Eine gute Freundin, die er aus seiner Tuning-Gruppe kennt, und deren Eltern gehören selbst zu den Hochwasseropfern. „Ihr Haus in Bad Neuenahr-Ahrweiler ist unbewohnbar geworden. Momentan sind sie in einer THW-Notunterkunft untergebracht“, sagt der Dünsener. Dreimal, teils zusammen mit anderen, hat der 22-Jährige bis dato Sachspenden in die Krisenregion gekarrt. Nox Nachtexpress, sein Arbeitgeber, hat ihm für seinen humanitären Einsatz bezahlten Sonderurlaub für die zurückliegende und die kommende Woche gewährt.

„In Ahrweiler besteht ein großer Bedarf an Arbeitsgeräten wie Schaufeln und Besen, aber auch an Handschuhen“, weiß der 22-Jährige. Dort ist ein Lohnunternehmen seine Anlaufstelle. Der Rest der Sachspenden geht nach Hagen in eine Kirchengemeinde. „Der Pfarrer ist rund um die Uhr im Einsatz“, sagt Marcel Melloh. Der Harpstedter Friseur Johann („Schnietze“) Lakewand und Metin Kalabalik drücken ihm spontan Spritgeld in die Hand. Mit den insgesamt 200 Euro kann der 22-Jährige schon ordentlich Strecke machen.

Chef will Bagger in die Region schicken

„Auch wir haben 200 Euro Benzingeld bekommen“, erzählt Aylin Yavuz. „Von Udo Rösner und dem Ehepaar Hans und Hannelore Hibbe“, verschweigt sie die freundlichen Spender nicht.

Ihr eigener Chef von Atlas in Ganderkesee wolle jetzt sogar Bagger in die Krisenregion schicken. „Eine bessere Idee hätte er gar nicht haben können“, findet Aylin Yavuz. Dank gebühre auch im Namen ihres Mannes und von Marcel Melloh allen Spendern und Unterstützern, bekräftigt die 31-Jährige.

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