Transponder als Schlüssel zum Futtertrog – aber auch als Fressbremse

Hightech hält Einzug in die Pensionspferdehaltung

Julie und Heinz-Gerd Brüning vor einer der Kraftfutterstationen. Die Flügeltür (links im Bild) müssen die Pferde nach der Mahlzeit jeweils eigenständig durchschreiten. - Foto: Bohlken

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Die Fußbänder um die Knöchel der Pensionspferde erinnern ein wenig an die aus All-inclusive-Hotels bekannten Bändchen. Sie wirken als Schlüssel zu den zuvor individuell festgelegten Kraftfutterrationen, die jedes Tier bekommen soll, aber auch als Fressbremse. Moderne EDV macht’s möglich. Auf dem Hof Brüning in Mahlstedt können Einsteller als zusätzliche Alternative zu den herkömmlichen Boxen Pferde in Aktivställen halten lassen. Und dort wiederum hat Hightech mit Transpondern Einzug gehalten.

Julie und Heinz-Gerd Brüning haben mehrere 100 000 Euro in die Ställe gesteckt. Eine Investition in die Zukunft. Ein großer Teil der Summe floss in die Technik.

Heustationen öffnen sich in etwa zehn täglichen Intervallen für jeweils eine bis zwei Stunden und schließen sich auch automatisch wieder. Fährt eine Metallwand herunter, kommen die Pferde an das Heu heran.

Fast wie im All-inclusive-Hotel: Die Pferde tragen an den Knöcheln jeweils ein Band mit Transponder. - Foto: boh

Der eigentliche Clou der Aktivställe, die 2015 und 2016/2017 in zwei Bauabschnitten entstanden, aber sind die Kraftfutterstationen. Die Pferde laufen hinein – über eine Bodenantenne hinweg; mithilfe der Transponder in den Knöchelbänden erkennt die EDV jedes Tier und arbeitet dessen individuellen „Speiseplan“ präzise ab. Eine 40-Gramm-Portion fällt in einen Futtertrog, den ein Luftdruckzylinder herausschiebt und nach der Entleerung wieder einzieht. Das wiederholt sich etliche Male. Ist die „voreingestellte“ Futtermenge vertilgt, füllt sich der Trog nicht mehr. Das Pferd verlässt die Station. Dazu muss es eigenständig durch eine Flügeltür aus Metall schreiten. Das erweist sich als der für das Tier schwierigste Teil bei der Gewöhnung an die Futterstation. „Manche Pferde lernen’s in anderthalb Tagen. Andere brauchen dafür vier Wochen“, spricht Julie Brüning aus Erfahrung.

Warum überhaupt eine solch ausgeklügelte Dosierung? „Pferde sind Dauerfresser. Das hängt nicht zuletzt mit ihrem sehr langen Verdauungstrakt zusammen“, erläutert die 40-Jährige.

„Das wird Betriebe vor Probleme stellen“

Für ihren Stoffwechsel aber sei es von Vorteil, wenn sie kleine Portionen zu sich nähmen. Tatsächlich kämen die Tiere wegen der konsequent gesteuerten Rationierung mit deutlich weniger Kraftfutter aus. „Weil sie besser verdauen, brauchen sie nur noch etwa die Hälfte der bei der Boxenhaltung üblichen Menge“, verrät Julie Brüning.

Die Investition in die beiden Aktivställe resultierte nicht zuletzt auch aus einer Novellierung des Tierschutzgesetzes, wonach jedem Pferd nun in einer Box mindestens die Widerristhöhe (vom Boden bis zum Halsansatz) mal zwei zum Quadrat (in Quadratmetern) an Raum zusteht. „Das wird viele Betriebe noch vor Probleme stellen“, glaubt Heinz-Gerd Brüning. Die Aktivstallhaltung bietet den Pferden ein Vielfaches an Platz. Außerdem kommt sie den natürlichen Bedürfnissen der Lauf- und Herdentiere entgegen – selbst solchen, die lange Zeit solitär gelebt haben, also nicht an der Seite von Artgenossen. „Manche werden dadurch ruhiger und zugleich aufmerksamer“, erzählt Julie Brüning. Ihr Eindruck: „Die Pferde in unseren Aktivställen sind regelrecht tiefenentspannt.“

Gleichwohl seien die herkömmlichen Boxen nach wie vor zulässig und im Einzelfall mitunter sogar die bessere Option, betont ihr Mann.

In den 1990er-Jahren begann der Hof in Mahlstedt die Pensionspferdehaltung mit gerade mal drei Pferden. Die Zahl der Boxen wuchs mit der Zeit bis auf 45 an. Heute sind es noch 40. Trotzdem hat der Betrieb erheblich expandiert. Die beiden Aktivställe bieten nun zusätzlich Platz für 35 Pferde; seit der Fertigstellung des zweiten Stalls können die Brünings die Wallache und Stuten in getrennten Herden halten. Das sei „verträglicher für die Tiere“.

Die den Einstellern abverlangte Miete unterscheidet sich nicht – egal, welche Haltungsvariante sie wählen. Bei den Boxen ist das Futter aber inklusive; bei der Aktiv-Option wird es extra berechnet.

Kapazitäten sind ausgereizt

Werbung in eigener Sache für die Pensionspferdehaltung erübrigt sich für die Brünings. Alle zur Verfügung stehenden Kapazitäten sind nämlich ausgereizt.

Das Haltungskonzept hat jüngst eine Fachjury überzeugt. Im bundesweiten Wettbewerb „Unser Stall soll besser werden“ konnte der Hof in Mahlstedt mit den neuen Aktivställen punkten und – wie berichtet – den Sieg einfahren. Zusätzlich zum Preisgeld von 1 000 Euro erhielten die Brünings einen Sachpreis in Form eines Turniersattelschranks.

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