Mehr als Befeuern des Kessels

Der Heizer ist das „linke Auge“ des Dampflokführers

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An jedem Sonnabend treffen sich aktive Eisenbahnfreunde zum Schrauben und Werkeln, Putzen und Streichen – hier Torben Kluwe, Hermann Bächler, Thorsten Bächler, Jannis Riese, Marvin Schöler und Hans-Joachim Meisolle (von links).

Harpstedt - Von Anja Nosthoff. Insgesamt rund 20 aktive Eisenbahnfreunde sorgen Wochenende für Wochenende dafür, dass der Museumszug während der Saison- und Sonderfahrten viele Fahrgäste in nostalgische Gefühle versetzt. Mit Dampflok oder Triebwagen verkehrt die Kleinbahn „Jan Harpstedt“ zwischen dem Bahnhof Harpstedt, wo sich die Fahrzeughalle befindet, und Delmenhorst-Süd/Grüne Straße.

„Viele Passagiere fahren auch einen der acht Zwischenhalte an und nehmen den Rückweg dann zu Fuß oder per Fahrrad in Angriff“, erzählt Torben Kluwe, der stellvertretende Vorsitzende der Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahnfreunde (DHEF). An guten Tagen befördert der Dampfzug 500 bis 600 Personen. „An einem Fahrtag müssen dann etwa zehn von uns Ehrenamtlichen im Einsatz sein“, verrät Kluwe.

Nur ein Heizer kann auch Dampflokführer werden

Die DHEF können zurzeit auf vier Dampflokführer unter ihren Mitgliedern zurückgreifen. „Wenn Not am Mann wäre, könnten auch zwei vom Verein aus Bruchhausen-Vilsen mal einspringen“, sagt Kluwe. Dampflokführer wird man nicht einfach so. „Wer das machen will, muss erst einmal als Heizer gearbeitet haben – und das nicht zu knapp“, so Kluwe.

Mindestens 45 Fahrtage als Heizer müsse ein Eisenbahnfreund vorweisen, um den Dampflokführerschein machen zu können. „Wenn man bedenkt, dass unsere Bahn zehn bis 15 Wochenenden im Jahr in Betrieb ist, dann dauert es schon vier bis fünf Jahre, bis man auf diese Zahl kommt“, weiß Kluwe.

„Das wird oft verwechselt“

Die Aufgaben des Heizers umfassen bei Weitem nicht nur das Befeuern des Kessels. „Er ist das linke Auge des Lokführers. Das ist seine allerwichtigste Aufgabe“, betont Kluwe. Gleichzeitig muss der Heizer auf den Wasserdruck im Kessel achten und das Befeuern stets dem benötigten Dampf anpassen, damit keine Energie verloren geht.

Der Dampflokführer trägt dennoch die größte Verantwortung, sobald der Zug in Bewegung ist. „Chef“ des Zuges ist er allerdings nicht. „Das ist der Zugführer“, betont Kluwe und ergänzt: „Viele Laien verwechseln das häufig oder unterscheiden da gar nicht. Dabei haben Zug- und Lokführer völlig verschiedene Laufbahnen und Aufgaben.“ Der Zugführer stellt sicher, dass der Zug fahrbereit ist. Er nimmt die Meldungen vom Personal entgegen und gibt an jedem Bahnhof per Trillerpfeife das Zeichen zur Abfahrt. Daneben verkauft er – genau wie der Schaffner – Fahrkarten im Zug.

Jede Menge Arbeit steckt für die Eisenbahnfreunde zudem im Service, etwa in der Bewirtung im Buffetwagen mit Kaffee und Kuchen sowie in der Gepäckannahme und -ausgabe. Viele Passagiere nutzen das Angebot, ihre Fahrräder gleich mittransportieren zu lassen.

„Wir tüfteln selbst“

Wie umfangreich die Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten an der Museumseisenbahn sind, können Interessierte jeden Sonnabend ab 9.30 Uhr in der Fahrzeughalle erfahren. Dort treffen sich die Eisenbahnfreunde dann stets, um Reparaturen, Sanierungs- und Reinigungsarbeiten zu erledigen.

Während des jüngsten Dienstes machten einige Vereinsmitglieder, von denen die meisten aus dem Großraum zwischen Bremen und Oldenburg kommen, Dampflok, Triebwagen und Waggons schick für die Sonntagsfahrt. „An unserem Reservewagen musste außerdem die Elektrik saniert werden“, berichtet Kluwe. Fast alles schaffen die Eisenbahnfreunde in Eigenleistung. „Wir tüfteln selbst. Das Geld sparen wir uns lieber für die teuren Ersatzteile, die für eine historische Bahn mitunter einfach nötig sind.“ Schließlich müssen auch Schienenfahrzeuge regelmäßig bei Hauptuntersuchungen vorgestellt werden. Die Dampflok der DHEF hat das gerade hinter sich.

Die nächsten Fahrtage von „Jan Harpstedt“ sind der 16. und 30. Juli, der 13. August sowie der 3. und 17. September. Fahrkarten gibt es vor Ort im Zug. „Wir haben genügend Platz“, verspricht Kluwe. Neben den offiziellen Fahrtagen kann die historische Kleinbahn für Sonderfahrten gebucht werden.

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