Klimaschutz wird für Kinder greifbar

„freiraum“-Projekt: Was heißt eigentlich „nachhaltig“?

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Mit dem Rakel presst Frauke Schußmann die Farbe durchs Sieb auf den zu bedruckenden Stoff.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Was nachhaltiges Handeln zum Schutze des Klimas ganz konkret im Alltag bedeutet, bereitet selbst vielen Erwachsenen durchaus einiges Kopfzerbrechen. Wollen und können sich schon Kinder einem solch komplexen Thema nähern? Das „freiraum“-Projekt des Vereins für ganzheitliches Lernen macht die Probe aufs Exempel – während eines einwöchigen „Klima-Kultur-Camps“ in der Harpstedter Delmeschule. 14 Anmeldungen liegen dafür vor.

Mit greifbaren Beispielen aus der Welt des Kunsthandwerks sensibilisieren aktuell Dozenten begeisterungsfähige Mädchen und Jungen im Alter von sechs bis 13 Jahren für den Klimaschutz. Welche Verbindung es zwischen klimaschädlichen Gasen, Siebdruck und „LandArt“ gibt, erschließt sich allerdings nicht unmittelbar. Dazu ist es erforderlich, ein wenig „um die Ecke“ zu denken.

Upcycling: Aus Alt mach Neu

Die Siebdrucktechnik eignet sich etwa dazu, alte, unansehnlich gewordene Textilien so aufzuwerten, dass sie weiter tragbar bleiben. Wer solches „Upcycling“ praktiziert, kann auf den Kauf einer neuen „Klamotte“ verzichten und so dem Klima schädliche Gase als Folge des Produktionsprozesses und der langen Transportwege ersparen.

Bei der „LandArt“ ist der Ansatz ein anderer: Hier geht es darum, das Bewusstsein für Kreisläufe in der Natur zu schärfen. Auch für Stoffe, die eine halbe Ewigkeit lang die Umwelt belasten, und solche, die ohne negative Folgen wider „vergehen“. Dass Ton bei der Herstellung von Gebrauchsgegenständen ein vergleichsweise „nachhaltiger“, weil vergänglicher Rohstoff ist, machen der freie Künstler Felix Dreesen aus Bremen sowie der gelernte Sozialassistent und angehende Erzieher Matthias Rasquin aus Vechta den „LandArt“-Kindern deutlich. Dieser Kurs läuft nicht ausschließlich in der Delmeschule. Das Brennen verschiedener gefertigter Tonplatten mit Abdrücken von Zweigen, Beeren und dergleichen geschieht beim „Zentrum PrinzHöfte“. Dafür ist dort eine Art „Erdofen“ eigens gebaut worden.

Geradezu Feuer und Flamme sind die Kinder, mit denen die Kunstpädagogin Frauke Schußmann Textilien im Siebdruckverfahren aufwertet, wobei ihr die Klima-Camp-Organisatorin Ruth Große-Wilde und Praktikant Tarik Blocksdorff unterstützend zur Seite stehen. Die zum „Aufhübschen“ auserkorenen Druckmotive entspringen der Phantasie der Kiddies. „Das Pferd, das ich gemalt habe, soll auf eine Hose kommen, die ich mitgebracht habe. Und das Herz auf ein Unterhemd, das Mama mir mitgegeben hat“, erzählt Paul (7).

„Kinder haben das total verinnerlicht“

Nicht minder stolz zeigen Dhara (6), Anila (11), Annabell (10), Elisa (11) und Oskar (8) ihre Arbeitsergebnisse – vom Schwertkämpfer-Motiv über den Drachenkopf bis hin zum Kleeblatt mit herzförmigen Blättern. Zusätzlich zu den „Aus alt mach Neu“-Klamotten aus dem eigenen Fundus entstehen aus zusammengenähten und bedruckten Stoffresten optisch ansprechende Taschen.

„Im Workshop initiiere ich das Gespräch darüber, was Siebdruck mit Nachhaltigkeit zu tun hat. Die Kinder haben es schon total verinnerlicht, dass sie beispielsweise etwas verblichene T-Shirts nicht wegwerfen müssen, sondern sie mit einem neuen Wert belegen können. Sie begreifen, dass sich der Klimaschutzgedanke nicht in der Motivwahl, sondern in der Handlung an sich, im Bearbeiten der Textilie, widerspiegelt“, sagt Frauke Schußmann. Das erforderliche Belichten der Druckvorlagen erledigt sie in ihrer eigenen Werkstatt.

Öffentliche Präsentation

Jeweils in einer gemeinschaftlichen Morgen- und einer Nachmittagsrunde werde das Thema vertieft, verrät Ruth Große-Wilde. Hinzu kämen Aufmerksamkeitsspiele und Wahrnehmungsübungen – stets mit Bezug zum Thema.

• Arbeitsergebnisse aus den beiden Workshops werden am Sonntag, 15. Oktober, von 12 bis 16 Uhr anlässlich der Eröffnung des „freiraum“-Ladens an der unteren Freistraße in Harpstedt gezeigt.

Ursprünglich war zusätzlich ein Theaterkurs geplant, der aber wegen einer zu geringen Zahl von Anmeldungen nicht zustande kam.

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