Heiße Tage werden zur Achillesferse

Angenehme Wassertemperaturen herrschen in den Becken.
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Angenehme Wassertemperaturen herrschen in den Becken.

Duschen, Umkleiden, Planschbecken, Rutschen und Sprungturm sind dicht. Wie kommen die Besucher des Rosenfreibades mit all den Einschränkungen klar? „Sehr gut“, sagt Schwimmmeister Uwe Lampe. „Die Leute haben die Regeln verstanden – und halten sie ein.“

Harpstedt – Verkehrsschilder vom Bauhof wie „Einbahnstraße“ oder „Verbot der Einfahrt“ erklären die vorgeschriebenen Laufwege. „Überhaupt ist hier so ziemlich alles ausgeschildert. Der Besucher kann nicht wirklich viel falsch machen“, findet Uwe Lampe. Ihm imponiert, dass sich die Schwimmer sogar untereinander auf die Einhaltung der geltenden Beschränkungen hinweisen. Sie wüssten, dass es zu einem guten Teil von ihrem eigenen Verhalten abhängt, ob der Freibadbetrieb trotz Corona aufrechterhalten werden kann.

Einverständniserklärungen liegen schon vor dem Eingang als Vordrucke auf Stehtischen bereit. Artig tragen die Leute ihre Kontaktdaten ein, ehe sie zur Kasse gehen. Die Zettel werden nach vier Wochen vernichtet. Die Daten braucht das Gesundheitsamt nur im Eventualfall, um etwaige Ansteckungsketten nachvollziehen zu können – nämlich dann, wenn sich herausstellt, dass ein Sars-CoV-2-Infizierter das Freibad besucht hat.

Als sporadische Umkleide dient ein „Pavillon“, der aus Bauzäunen mit blickdichten Planen und großen Sonnenschirmen besteht. „Da ist nichts drin. Weder Stuhl noch Tisch“, erzählt Uwe Lampe. Komfortabel geht zwar anders, aber das Provisorium erfüllt seinen Zweck. Und es findet Akzeptanz. Wer bei Regen ins Freibad kommt, legt seine Klamotten gern auf Bänken unterm Vordach ab. Bekleidung mit auf die Liegewiese zu nehmen, ist ebenfalls gestattet.

Bislang eher wenig junges Publikum

Trennleinen teilen die Becken in Sektoren. „Die reinen Schwimmer genießen das hier“, weiß Lampe. Ungestört ziehen sie ihre Bahnen. Pardon: ihre Kreise. Sogar die Schwimmrichtungsentscheidung unterliegt nicht dem freien Willen. Es geht immer im Kreis. Zwingend.

„Auch Familien sind hier“, fällt Lampe auf. Von den noch nutzbaren Attraktionen mit Spaßfaktor ist nur das Spiel- und Klettergerät übrig geblieben. Das Rosenfreibad entfaltet eher wenig Magnetwirkung auf das junge Publikum. Zumindest aktuell, bei durchwachsenem Wetter und einem Besucheraufkommen von gerade mal um die 120 Gäste am Tag.

Doch das kann sich ändern, wenn die heißen Tage kommen. „Die sind unsere Achillesferse“, ahnt Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse. Lange Schlangen vor der Kasse lösen nach seiner Überzeugung Enttäuschung und Verärgerung bei Leuten aus, die nicht eingelassen werden können, weil nur maximal 100 Personen zeitgleich erlaubt sind. Frust dürfte sich vor allem unter denen breitmachen, die längere Fahrwege in Kauf nehmen – und wieder gehen müssen. Weil die Samtgemeinde ein zu großes Stresspotenzial vorbeugend verhindern will, schließt sie das Bad an Sonnabenden und Sonntagen um 12 Uhr. „Es ist eine verkehrte Welt, aber was diese Saison angeht, so könnte man sagen: Je besser das Wetter, desto mehr lohnt es sich, zu Hause zu bleiben“, sagt der Amtshof-Chef schmunzelnd. Damit möglichst viele die Chance zum Schwimmen haben, gelten Blockzeiten. Jeweils mit Ablauf dieser Zeitfenster ist das Bad zwingend zu verlassen. In den nachfolgenden Pausen bleibt es dicht. Die Phasen bis zum Beginn der nächsten Blockzeit benötigt das Aufsichtspersonal, um Handläufe, Geländer, Bänke sowie weitere Kontaktflächen zu reinigen.

Uwe Lampe und seine Kollegen müssen alles im Blick haben – die Wasserflächen, die Liegewiesen, das ganze Gelände. Auf die Einhaltung der Coronaregeln zu achten, bedeutet zusätzlichen Aufwand. Schon deshalb wären mehr als 100 Besucher zeitgleich nicht zu verantworten, obgleich trotz Abstandsgebot Platz für mehr Leute vorhanden wäre. Was aber, wenn doch mal jemand gegen Verhaltensgebote aufbegehrt? „Mit Muttergefühlen kommt man da nicht weiter“, weiß Lampe. „Da hilft nur eine klare Sprache, um deutlich zu machen: Wer sich nicht an die Regeln hält, der geht.“

Von Jürgen Bohlken

Sinnvoll zweckentfremdet: das Einbahnstraßenschild vom Bauhof.
Erfüllt seinen Zweck: das „Umkleideprovisorium“.
Ausgesprochen zufrieden mit dem Start der Freibadsaison in Zeiten der Coronapandemie sind Uwe Lampe (links) und Herwig Wöbse. Fotos: Bohlken

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