Heinz Nienaber ist fasziniert von bis zu 100 Jahre alten Ansichtskarten aus dem großmütterlichen Nachlass

Bebilderte Post aus dem Lazarett

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Könnte der Vierbeiner unten rechts ein Meldehund gewesen sein? Heinz Nienaber vermutet das.

Gross Köhren - Von Jürgen Bohlken. Bis zu 100 Jahre alt sind Ansichtskarten, die Heinz Nienaber aus Groß Köhren staunen lassen: Eine zeigt den Birkenweg in Groß Ippener – noch gänzlich unbebaut. Auf einem anderen Exemplar überrascht die seinerzeit noch gepflasterte Lange Straße in Harpstedt mit Alleecharakter. Seltenheitswert dürften Karten mit Fotografien von Dresden haben, die lange vor der Zerbombung des „Elbflorenz“ aus der Luft vom Herbst 1944 entstanden. Dort lag Heinrich Nienaber im Ersten Weltkrieg verwundet im Lazarett; er verstarb 1924. „Vielleicht an den Spätfolgen einer Kriegsverletzung“, vermutet sein Enkel Heinz Nienaber (75). Die genaue Todesursache kennt er aber nicht.

Die Ansichtskarten stammen allesamt aus dem Nachlass seiner Großmutter Marie – der Oma väterlicherseits. Als das Telefon noch nicht die zwischenmenschliche Kommunikation revolutioniert hatte, war es üblich, den lieben Verwandten in der Ferne Briefe oder Karten zu schicken, gern auch Ansichtskarten mit Aufnahmen aus der eigenen Heimat, der Wahlheimat oder mit sehr persönlichen Motiven. Von dieser Möglichkeit machte Heinrich Nienaber im Ersten Weltkrieg reichlich Gebrauch. Feldpost oder auch Karten aus dem Lazarett erreichten die Angehörigen vielfach bebildert, etwa versehen mit Gruppenaufnahmen. „Die hier könnte von historischem Interesse sein“, deutet Heinz Nienaber auf das Sepia eines gestellten Bildes aus dem Sommer 2016. Unter den Soldaten mit Uniformmützen kann er seinen Großvater zwar nicht ausmachen, wohl aber – unten rechts in der Ecke – einen Hund. Der Groß Köhrener vermutet dahinter einen vierbeinigen Verbündeten der deutschen Truppen: Durchaus üblich war auch im Kaiserreich der Einsatz von Meldehunden, die Botschaften in Satteltaschen an die Front trugen. Manche Vierbeiner bekamen ein spezielles Geschirr angelegt und konnten damit sogar Telefonkabel verlegen; andere suchten nach Verwundeten. Franz Mueller-Darß (1890–1976), ein deutscher Förster, galt als Koryphäe auf diesem Gebiet. Er beschäftigte sich mit dem Einsatz von Hunden in Armee und Forstwirtschaft. Der „Hundemüller“, so sein Spitzname, machte später in Nazi-Deutschland Karriere und stieg bis zum SS-Standartenführer im Stab Himmlers auf. Als Leutnant hatte er schon 1916 in Lothringen die erste Kriegshundeführer-Schule begründet und bis zum Kriegsende (1918) die Zentralstelle des Kriegshundewesens geleitet. An der Front setzte er statt Meldegängern gern Meldehunde ein, die schneller vorankamen, anfangs allerdings im Geschützdonner oft die Orientierung verloren. Im Stellungskrieg galten diese Tiere als unentbehrlich.

Einige Feldpostkarten, die Heinrich Nienaber verschickte, spiegeln den Zeitgeist des Kaiserreichs wider – in Form nationalistischer Parolen, aus denen Siegessicherheit spricht, gern kombiniert mit Abbildungen von Orden oder idealisierenden Schlachten-Zeichnungen. Der Vergleich des Soldaten mit der „deutschen Eiche“ war ebenso Usus wie das Verunglimpfen der Kriegsfeinde mit kaum zitierfähigen Schmähliedern, deren Texte sich ebenfalls auf Ansichtskarten wiederfanden.

Einige Motive aus Heinz Nienabers Fundus, die ortsgeschichtliche Veränderungen im Bereich der heutigen Samtgemeinde Harpstedt deutlich machen, wird unsere Zeitung in loser Folge abdrucken.

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