Buchpräsentation: Bahnbrechende Erkenntnisse durch interdisziplinäre Forschung

Heimatgeschichte ganz menschennah

Auch einen Kurzvortrag des Autors Herbert Bock (links) zu seiner Dissertation über die Geschichte des mittleren Hunteraums genossen die Zuhörer während der Buchpräsentation im Harpstedter Hotel „Zur Wasserburg“. - Foto: Nosthoff

Harpstedt - „Ein brillantes Werk“ nannte Verleger Dr. Stephan Eick vom Solivagus-Verlag am Freitagabend im Hotel „Zur Wasserburg“ in Harpstedt die Dissertation des Diepholzers Herbert Bock, die nun unter dem Titel „Begehrt und umstritten. Der mittlere Hunteraum vom 13. bis zum 17. Jahrhundert“ veröffentlicht wurde.

Die Buchpräsentation besuchten unter anderem auch Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse, die Colnrader Bürgermeisterin und bisherige stellvertretende Samtgemeindebürgermeisterin Anne Wilkens-Lindemann, der frühere Verwaltungschef und jetzige Geschichtsvereinsvorsitzende Uwe Cordes sowie die Initiatoren des Forschungsprojekts, Prof. Karin Holm (Düsseldorf) und Prof. Dr. Dr. Bernd Ulrich Hucker (Vechta).

„Brillant“ sei das Werk in mehrfacher Hinsicht: Bock beweise sich darin als hochqualifizierter Fachwissenschaftler ebenso wie als talentierter Erzähler. Da der Autor als Zielgruppe nicht das Fachpublikum, sondern vor allem die Menschen genannt habe, die in der Region leben und etwas über ihre Vorfahren erfahren möchten, sei zusätzlich im Lektorat – stets im Dialog mit dem Verfasser – an einer allgemeinverständlichen Sprache gearbeitet worden, die keinerlei wissenschaftliche Vorkenntnisse verlange, so Eick.

Besonders „fortschrittlich“ und „sensationell“ umgesetzt habe Bock die interdisziplinäre Herangehensweise an die Geschichte seines Zielgebiets. So verknüpft er beispielsweise die Klimageschichte und Missernten mit einer damit einhergehenden Inflation, woraus sich wiederum ein verstärkter Verteilungskampf und erhöhte Kriminalität ergeben.

Die Regionalgeschichte erzählt Bock ausgesprochen menschennah. Vor dem geistigen Auge des Lesers wird vorstellbar, wie die Menschen damals tatsächlich gelebt haben und mit welchen Problemen sie zu kämpfen hatten. Einen Großteil des Buches nehmen die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) ein. „Trotz der Neutralitätspolitik des Oldenburger Grafen Anton Günther hatten die Kriegswirren auch für die hiesige Bevölkerung einigermaßen fatale Folgen“, so Bock.

Der inzwischen 70-jährige Wissenschaftler, der nach seiner Laufbahn als Berufssoldat ein Studium der Geschichte, Geographie und Politik in Vechta begonnen hatte, stieß auch hinsichtlich des Alters von Ortschaften im Bereich der heutigen Samtgemeinde Harpstedt auf bahnbrechende Erkenntnisse: Viele sind deutlich älter als bisher bekannt.

„Die Geschichte Harpstedts ist in erster Linie die Geschichte der Menschen, die hier lebten – und das waren und sind bis heute zum Großteil die Bauern“, äußerte sich Projektinitiatorin Karin Holm zur Buchpräsentation. Gleich mehrere Bücher sind aus dem Forschungsprojekt „Bäuerliche Siedlungsgeschichte im Bereich der heutigen Samtgemeinde Harpstedt“ entstanden. Die nächsten werden in Kürze veröffentlicht und vorgestellt. Noch vor Weihnachten präsentiert Prof. Dr. Dr. Bernd Ulrich Hucker sein Werk über Sagen und Mythen im Raum Harpstedt.

Nur wer auch die Geschichte kennt, sei für die Veränderungen gerüstet, welche die Zukunft bringe, meinte Holm. „Wir spüren alle, dass große strukturelle Veränderungen bevorstehen“, sagte sie. Unter anderem gehe es dabei um den Klimawandel. Es müsse sich etwas verändern, um daraus resultierende Probleme zu beheben. Auch in diesem Sinne sei Regionalgeschichte bedeutsam.

Für das gesamte Forschungsprojekt hatten sich EWE und Avacon als wichtige Sponsoren erwiesen. - an

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