„Das Heim gibt Sicherheit“

Als Dialysepatient erlebt Hermann Bokelmann aus Harpstedt selbst fürsorgliche Pflege. Foto: Bohlken

Der heutige Tag der Pflegenden sollte nach Ansicht des bestellten Heimfürsprechers und früheren Fleckenbürgermeisters Hermann Bokelmann ein Tag der Wertschätzung sein. Dass die Pflegearbeit Anerkennung verdient, bekräftigt der Harpstedter in einem Gastbeitrag für unsere Zeitung, der politisch Stellung bezieht.

VON HERMANN BOKELMANN

Harpstedt/Landkreis – Der Internationale Tag der Pflegenden sollte in diesem Jahr ein ganz besonderer sein, denn die Weltgesundheitsorganisation hat 2020 zum weltweiten Jahr der Pflegenden erklärt; zudem ist es der 200. Jahrestag der Geburt von Florence Nightingale. Sie gilt als Begründerin professioneller Krankenpflege.

Viele geplante Aktivitäten können wegen der Coronapandemie nicht in die Tat umgesetzt werden. Umso mehr macht die Krise deutlich, welch große Bedeutung Pflegefachpersonal für die gesundheitlichen Herausforderungen hat.

Die Medien berichten viel und lang über das Coronavirus und dessen Auswirkungen, aber selten über die Belastungen der Pflegekräfte. Manchmal bekommt man den Eindruck, dass Fußballmillionäre und Autoindustrie wichtiger sind als die Arbeit der Pflegenden. Für Käufer von Neuwagen wird ein Bonus gefordert, um die Autoindustrie mit 800 000 Arbeitsplätzen wieder in Schwung zu bringen; für die 1,7 Millionen Beschäftigten in der Pflege ist man weniger spendabel. Mit den SPD-Senioren von „60plus“ habe ich in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder auf die Probleme der Pflegeeinrichtungen im Landkreis hingewiesen und eine bessere Bezahlung gefordert. Einheitliche Tarife, um den Wettbewerb über Dumpinglöhne zu unterbinden, gibt es aber immer noch nicht. Hoffentlich gelingt es dem Sozialminister in diesem Jahr.

Um die Bedeutung der Pflege deutlich zu machen, haben wir in den vergangenen Jahren an wechselnden Orten im Landkreis Seniorenzentren besucht und dort den beschäftigten Kräften Dank und Anerkennung für ihre aufopferungsvolle Arbeit ausgesprochen. In Wardenburg machte ein Heimbewohner, der ehemals Lokalredakteur war, die Bedeutung der Pflegeheime mit dem Satz „Das Heim gibt uns Sicherheit“ deutlich – und machte uns Mut für weiteren Einsatz für den Pflegebereich.

Unser Dank galt damals ebenso allen anderen Einrichtungen im Kreis sowie der ambulanten Pflege und den zu Hause pflegenden Angehörigen. Die Besuche jetzt zu wiederholen, ist wegen der Coronapandemie nicht möglich. Auch mir nicht – wegen meines Alters von 90plus. Deshalb habe ich als vom Landkreis bestellter Heimfürsprecher in diesem schweren Jahr den im DRK-Seniorenzentrum Harpstedt Beschäftigten über Heimleiterin Hellen Müller telefonisch Dank und Anerkennung ausgesprochen. Ich möchte das über die Lokalpresse auch auf alle anderen in der Pflege Beschäftigten im Landkreis ausdehnen.

Wie eine freundliche und fürsorgliche Pflege beruhigt, verspüre ich selbst, wenn ich an vier Tagen in der Woche in der Dialyse Wildeshausen jeweils vier Stunden die Tätigkeit meiner nicht mehr voll funktionsfähigen Nieren ergänzen lasse.

Dank und Anerkennung gilt auch den Krankenhäusern und Arztpraxen, die trotz der Coronakrise die Kranken betreuen. Ein gutes Beispiel gab eine HNO-Praxis im Landkreis, die mir mein Gehör verbesserte: Der durch eine Scheibe geschützte Empfang war ergänzt durch den Schriftzug „Lächeln“. Das freundliche Personal hatte erkannt, dass ein Lächeln keinen Strom kostet, aber viel Licht bringt.

Sprechen wir doch unsere Anerkennung auch allen Beschäftigten aus, die für unsere Versorgung unermüdlich in vielen Bereichen sorgen! Ebenso unseren Handwerkern, die trotz Corona Reparaturen und Instandsetzungen ausführen.

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