Bewohner kommen im Wohnwagen unter

Sturmtief „Xavier“ zerstört Haus in Hölingen

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Regelrecht „zerschlagen“ hat ein umgestürzter Baum ein Wohnhaus nahe der Katenbäker Straße in Hölingen.

Hölingen/Dünsen/Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Fassungslos stehen zwei Lehrer in Hölingen vor den Trümmern: Ein Baum, den der Orkan „Xavier“ zu Fall brachte, zerschlug regelrecht ihr Zuhause in der Nähe der Katenbäker Straße. „Zum Glück waren wir nicht da, als das passierte“, sagen die Bewohner. Der Schock steht ihnen noch am Tag nach dem schweren Sturm ins Gesicht geschrieben.

Im Moment leben beide im Wohnwagen, haben aber optional auch die Möglichkeit, bei Freunden unterzukommen. Die traurige Gewissheit: Ihr Zuhause werden sie nicht zurückbekommen. Das ist reif für die Abrissbirne.

Tag eins nach „Xavier“: Viele Bürger aus der Samtgemeinde Harpstedt können sich nicht entsinnen, seit dem Orkan vom 13. November 1972 derartig verheerende Sturmschäden wie momentan „vor der eigenen Haustür“ gesehen zu haben. An der K5 zwischen Harpstedt und Colnrade liegen zig entwurzelte Birken, die auf angrenzende Äcker gekippt sind. An anderen Straßen sieht es kaum besser aus. Gebäudeschäden offenbaren sich vielerorts: In Hölingen etwa ist ein Baum auf eine Scheune gefallen. 

Am Querweg in Dünsen stürzten gleich fünf Eichen auf das Wohnhaus von Ralf Corßen. Bei ersten Aufräumarbeiten kämpft sich der Eigentümer durch seinen mit Totholz übersäten Vorgarten. Die Firma Hüffermann sei noch am Donnerstag mit einem Kran angerückt, um die Bäume auf das gegenüberliegende Feld zu hieven. „Die Feuerwehr Harpstedt hat sie zersägt. Nachbarn hatten zuvor damit begonnen, den Weg für die Einsatzkräfte freizuschneiden. Sie haben mich und die Feuerwehr tatkräftig unterstützt – auch mit einem Radlader. Ich bin froh darüber, dass ich solche Nachbarn habe“, gibt Corßen offen zu.

Viel Aufräumarbeit liegt vor Ralf Corßen aus Dünsen. 

Der 50-Jährige zeigt sich zuversichtlich, dass er das Hausdach nicht erneuern muss. „Es dürfte reparabel sein. Wir waren mit der Feuerwehr auf dem Dachboden. Die Balken sind alle in Ordnung. Im Moment sieht es so aus, als seien nur Sparren und Pfannen kaputt“, erzählt der Dünser. „Die Dachdecker kommen im Laufe des Vormittags. Sie dichten zunächst notdürftig ab, bis die Schadensregulierung mit der Versicherung geklärt und ein Termin für die Reparaturarbeiten gefunden ist. Die neuen Pfannen müssen ja auch erst einmal bestellt werden.“

Entwurzelte Birke reiht sich entlang der K5 an entwurzelte Birke – wie hier in Reckum.

Er habe großes Glück im Unglück gehabt, beurteilt Corßen seine Lage. „Zum Glück hat sich niemand im Haus aufgehalten, als die Bäume aufs Dach gestürzt sind. Meine Freundin und ich weilten auf einem 80. Geburtstag in Wildeshausen. Meine Tochter hat zu der Zeit gearbeitet. Ihr Sohn ebenfalls. Er leistete gerade ehrenamtlich Dienst bei der Tafel“, erzählt Corßen. Von seinen Eltern, die gleich nebenan wohnen, habe er von dem Sturmschaden an seinem Haus erfahren. Eine große Aufräumaktion mit Freunden und Bekannten sei für kommenden Sonnabend anberaumt. Für die Helfer werde es eine kräftige Hühnersuppe geben. „Wir unterstützen uns hier alle gegenseitig auf dem Land. Diese Nachbarschaft und die Kollegialität untereinander könnte man mit Geld gar nicht aufwiegen.“

Das schmucke „Häuschen“ mit Werbung für „Hackfeld’s Dorfkrug“ ist Geschichte.

Die Delmenhorster Landstraße bleibt am Tag nach dem Sturm zwischen Harpstedt und Klein Ippener aus Sicherheitsgründen vorerst gesperrt – nicht zuletzt wegen der vom Totholz in Bäumen ausgehenden Gefahr, die zunächst beseitigt werden muss. Das von einer umgestürzten Eiche verursachte Loch im Dach der Harpstedter Begegnungsstätte ist abgedichtet. 

In welcher Größenordnung sich der Schaden an dem denkmalgeschützten Haus bewegt, vermag Bauamtsleiter Jens Hüfner noch nicht zu beurteilen. „Da können schnell einige 10.000 Euro zusammenkommen“, fürchtet er, zumal zusätzlich der benachbarte Fahrradunterstand wohl komplett erneuert werden müsse. Bei der auf die beiden Gebäude gestürzten Eiche habe es sich um ein Naturdenkmal gehandelt. „Die Standsicherheit ist gutachterlich festgestellt worden. Daher hätten wir den Baum nicht fällen dürfen“, betont Hüfner.

Sehr viel Arbeit liege nun vor dem Bauhof, der für die Gemeinde- und die Samtgemeindestraßen zuständig ist. Ungezählte Bäume, die als Folge des Orkans nicht mehr hinreichend standfest seien, müssten gefällt werden. „In den Kronen hängt noch reichlich Totholz. Das muss raus“, weiß Jens Hüfner. Auch um das auf dem Harpstedter Feuerwehrhaus liegende Geäst werde sich der Bauhof kümmern. Den für viele Arbeiten benötigten Hubsteiger „müssen wir uns leihen“.

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