Hartes Stück Arbeit mit Happy End

Eisenbahnfreunde stellen die Lok 222 offiziell wieder in Dienst

28. Oktober 2018: Die Abnahmefahrt verläuft erfolgreich. Foto: Axel Ebbecke
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28. Oktober 2018: Die Abnahmefahrt verläuft erfolgreich.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Das wichtigste „Pferd“ im „Stall“ der Eisenbahnfreunde bleibt die Dampflok „Anna“. Erst ihr Stampfen und Schnaufen verleiht dem nostalgischen Ausflugsverkehr auf den Gleisen der Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahn (DHE) GmbH den Charme und das „Feeling“, wie in längst vergangenen Tagen zu reisen. Für das Rangieren benötigen die Museumsbahner allerdings weitere „Stahlrösser“.

Dank der gelungenen Aufarbeitung der Diesellok 222 können die Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahnfreunde (DHEF) nun bei Bedarf auf eine „Reserve“ zurückgreifen. Das trifft sich gut, zumal der Motor der Rangierlok Nummer 7 seit längerer Zeit Probleme macht, Ersatzteile dafür aber kaum noch zu bekommen sind.

Die Wiederindienststellung der historischen Diesellok 222 wollen die Museumsbahner am Sonntag, 28. April, im Beisein geladener Gäste auf dem Harpstedter Bahnhofsgelände offiziell mit einer Feierstunde würdigen.

Seit 1979 nicht mehr im Dienst

Ein Blick zurück: Ein Getriebeschaden hatte schon 1979 bewirkt, dass sich die Lok 222 nicht mehr aus eigener Kraft fortbewegen konnte. 39 Jahre und ungezählte Arbeitsstunden später, am 28. Oktober 2018, konnten die DHEF vermelden: „Die zur Inbetriebnahme vorgeschriebene Abnahmefahrt zwischen Harpstedt und Groß Mackenstedt war erfolgreich.“ Damit durfte die Rangierlok vom Typ Kö II endlich wieder auf die Strecke. Eine äußerliche Aufarbeitung der „222“ hatte bereits 2007 mithilfe der Neuen Arbeit gGmbH (Delmenhorst) begonnen: Ein-Euro-Kräfte erreichten, dass die Lok äußerlich wieder gut aussah und zudem über Druckluftanlage und Beleuchtung verfügte. Einen Nutzwert erfüllte sie allerdings vorerst weiterhin nicht. Der Motor erwies sich als irreparabel. Und der Versuch, das Getriebe in der Ausbildungswerkstatt einer Maschinenfabrik überholen zu lassen, führte nicht zum Erfolg.

1994 hatten die DHEF das „Stahlross“, das seit 1988 als Denkmal- und Spielplatzlok ein tristes Dasein fristete, durch Zufall beim Fußballklub Hamburg-Wilhelmsburg entdeckt – in einem „desolaten Zustand“. Im Tausch gegen eine Gedenktafel aus Bronze und einen Speichenradsatz holten sie den 20-Tonnen-Koloss zurück in die Heimat. In Harpstedt und Umgebung war die vom Hersteller Deutz erbaute Lok mit der Fabriknummer 13674 Jahrzehnte zuvor im Einsatz gewesen: Im Dienste der Munitionsanstalt (Muna) nutzte die Wehrmacht sie als Zugfahrzeug für Munitionstransporte. Eine Sprengung kurz vor Kriegende überstand sie schwer beschädigt.

Sommer 2007: Das Logistik-Bataillon der Lilienthal-Kaserne in Delmenhorst-Adelheide transportiert die Lok 222 zur Neuen Arbeit gGmbH.

Nach erfolgreicher Reparatur fand sie von 1954 bis 1964 bei der Ankum-Bersenbrücker Eisenbahn Verwendung als Strecken- und Rangierlok – und im Anschluss bei der Firma „Rethe-Speicher“ in Hamburg, ehe die Fahrtauglichkeit wegen des schon erwähnten Getriebeschadens verloren ging.

Die technische Wiederherstellung in den Jahren von 2013 bis 2018 verlangte den Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahnfreunden einiges ab, zumal es auch eines neuen Motors bedurfte. Der fand sich in Recke bei Rheine. Dort stand gerade die Remotorisierung einer Lok an. Will heißen: Ein neuer Motor sollte rein; der alte war „über“. Die DHEF erwarben die gebrauchte Maschine in einem abenteuerlichen Ringtauschhandel, der Lokführer Torben Kluwe lange in Erinnerung blieb: „Das war, als hätte jemand am Anfang einen Apfel und nach etlichen Tauschgeschäften ein Auto vor der Tür. Bei uns ging’s eigentlich mit 20 Tonnen Schrott los. Am Ende kam eine automatische Kupplung heraus, die wir dann gegen den Motor eingetauscht haben.“

Eine von Zwangspausen geprägte „Dauerbaustelle“

Da sich die DHEF auf die Aufarbeitung des Personenwagens eins konzentrieren mussten und auch die Reparatur der Dampflok sie zwischenzeitlich forderte, blieb die Lok 222 eine von Zwangspausen geprägte „Dauerbaustelle“. Doch was lange gewährt hat, ist letztendlich gut geworden: Elektro- und Druckluft-Bremsanlage, Getriebe, Motor und Kühler sind eingebaut und das Fahrwerk sowie die Zug- und Stoßeinrichtungen aufgearbeitet. Extern vergeben hatten die DHEF die Neubereifung der Radsätze und den Einbau neuer Radsatzlager.

„Immer wieder traten unerwartete Probleme bei der Reaktivierung des alten Fahrzeugs auf“, verschweigt Torben Kluwe nicht. Probleme, die aber zum Glück ja gelöst worden seien.

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