Eine Katastrophe hat die Weichen gestellt

Harpstedts Revierförster über den Zustand und die Zukunft des Waldes

Harpstedts Revierförster Eberhardt Guba betreut ein Waldgebiet mit relativ gesundem Baumbestand.
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Harpstedts Revierförster Eberhardt Guba betreut ein Waldgebiet mit relativ gesundem Baumbestand.

Dem Wald der Revierförsterei Harpstedt geht es vergleichsweise gut. Dennoch haben die Bäume darin mit dem Klimawandel zu kämpfen.

Harpstedt – Im Vergleich zu den riesigen Flächen voller toter Bäume im Harz geht es dem Wald in der Revierförsterei Harpstedt richtig gut. Der Grund: „Wir haben einen gut durchmischten Bestand an relativ jungen Bäumen“, erklärt Harpstedts Revierförster Eberhardt Guba. „So, wie man sich den Wald der Zukunft vorstellt.“

Ursächlich für den vergleichsweise guten Waldzustand ist ausgerechnet eine Katastrophe. Am 13. November 1972 tobte sich der Jahrhundertorkan Quimburga über Niedersachsen aus und zerstörte auch in Harpstedt große Waldflächen. „Damals haben wir begonnen, die riesigen Nadelholzflächen durch Mischwälder zu ersetzen“, berichtet der erfahrene Förster. Seit 40 Jahren leitet Guba die Revierförsterei Harpstedt.

Der gesamte Fichtenbestand ist geschädigt

Trotz der Aufforstung gebe es auch in seinem Zuständigkeitsbereich noch große Nadelholzflächen. Allein ein Sechstel – rund 400 Hektar – sind von Fichtenmonokulturen bedeckt. Genau diese Bäume hätten unter den zurückliegenden Dürresommern und dem Borkenkäfer besonders gelitten. „Seit zwei Jahren rennen wir hinter dem Käfer her und ein Ende ist nicht absehbar“, ist der Förster überzeugt. „Sämtliche Fichten sind geschädigt. Wir werden diese Baumart ersetzen müssen. Sie wird bei uns verschwinden.“ Da Fichten Flachwurzeler sind, hätte ihnen die Trockenheit in den Jahren 2019 und 2020 besonders zugesetzt. Sie kommen an das in den tieferen Bodenschichten gespeicherte Wasser nicht heran.

Das wird allerdings ebenfalls knapp: Trotz des vielen Regens in diesem Sommer seien die Defizite aus den vorangegangenen beiden Jahren noch längst nicht wieder aufgeholt worden. „Schon in 40 Zentimetern Tiefe ist die Erde trocken“, mahnt Guba. Grundwasser sei selbst in diesem Jahr noch nicht neu gebildet worden. „Den vielen Regen in den Sommermonaten zockt die Vegetation komplett weg“, beschreibt der Förster. Grundwasserbildung geschehe nur zwischen September und März. Und dieser Herbst sei bislang ziemlich niederschlagsarm gewesen. „Erst im Dezember hat es häufiger geregnet“, erläutert er.

Rußrindenkrankeit ist für Bäume und Menschen gefährlich

Neben der Fichte ist auch die Kiefer vom Klimawandel betroffen. Die Esche sei bereits nahezu komplett aus den Wäldern verschwunden. Das Eschentriebsterben, ein aus Ostasien eingeschleppter Pilz, hat ihr in den vergangenen zehn Jahren schwer zugesetzt.

Eine weitere Gefahr, insbesondere für den Bergahorn in der Harpstedter Revierförsterei, nähere sich aus dem Nachbarkreis Diepholz, warnt Guba. Im Raum Sulingen seien bereits Bäume von der Rußrindenkrankheit betroffen. Das Heimtückische an diesem pilzartigen Parasiten: Im letzten Stadium der Pilzinfektion ist sogar für den Menschen Vorsicht geboten. Die Sporen verteilen sich in der Luft und verursachen schwere Atemwegsprobleme. Deshalb dürfen nur Fachleute in entsprechender Schutzausrüstung an infizierten Ahorn-Bäumen arbeiten.

Viele Pflanzen sind über Jahrhunderte importiert worden

Weil der Boden aufgrund der Klimaveränderung zu trocken werde, müssten Alternativen unter anderem zu Fichten und Kiefern gefunden werden, erläutert der Förster. Besonders geeignet seien zum Beispiel die Roteiche, Tannenarten oder die Robinie. Dass diese Bäume keine heimischen Gattungen sind, dürfe kein Argument gegen diese Arten sein. „Diesen Luxus können wir uns einfach nicht leisten“, so Guba. Viele Pflanzen, wie zum Beispiel die Ackerrandflora, die über den Getreideanbau nach Europa gekommen ist, seien über Jahrhunderte importiert worden. „Nach der Eiszeit gab es bei uns nur ganz wenige Baumarten“, erklärt er. Ein Hinweis darauf, welche Sorten für deutsche Wälder geeignet sind, könnten auch alte Parks geben. „Adelige haben früher Bäume aus der ganzen Welt gesammelt und in ihre Gärten gepflanzt. Sorten, die dort heute noch wachsen und gesund sind, könnten ebenfalls geeignet sein“, erläutert Guba. „Wir müssen viele Baumarten ausprobieren, damit einige übrig bleiben.“

Diese Aufgaben werden in der Revierförsterei Harpstedt dann andere übernehmen müssen. Guba verabschiedet sich übernächstes Jahr in den Ruhestand. „Ich habe mit einer großen Katastrophe begonnen und verabschiede mich mit einer großen. Dazwischen waren viele kleinere“, fasst er sein Berufsleben in der Forstwirtschaft zusammen. Begonnen hat es mit dem Jahrhundertorkan 1972, zu Ende gehen wird es mit den Herausforderungen des Klimawandels und der Umgestaltung des Waldes.

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