Harpstedter Wochenmarkt könnte nach wie vor eine Belebung vertragen

„Mehr Kunden zögen sicher mehr Anbieter nach sich“

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Immer ein freundliches Wort auf den Lippen – so kennt die Kundschaft „Blumen-Helmut“ alias Helmut Assing (links).

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Strahlend blauer Himmel, ein sonniger Donnerstag – die äußeren Bedingungen für gute Geschäfte auf dem Harpstedter Wochenmarkt könnten besser kaum sein. Doch wirklich belebt wirkt der Marktplatz nicht.Acht Händler haben den Weg in den Flecken gefunden. Es waren schon mal mehr. Mario Kampe, der Obst und Gemüse aus biologischem Anbau anpreist, und „Blumen-Helmut“ verkaufen augenscheinlich gut. Andere müssen indes lange warten, bis mal ein Kunde ihren Waren Aufmerksamkeit schenkt. Garry Sandhu steht sich die Beine in den Bauch. Er offeriert erstmals in Harpstedt Schuhe – und womöglich auch zum letzten Mal. Seine ernüchternde Einschätzung: „Das lohnt sich hier nicht.“

Zwei Stände hat der Wochenmarkt in jüngster Zeit eingebüßt. Eine Geflügelhändlerin kommt nicht mehr, und eine Anbieterin von Trödel ist verstorben. Marktmeister Helmut Assing weiß um die Schwierigkeit, neue Händler zu gewinnen. „Ein Schlachter hat sich hier nie halten können“, bedauert er – wohl auch wegen der unmittelbaren Nähe zur Fleischerei Christians an der II. Kirchstraße. Der Bäcker, der zeitweise Brot direkt auf dem Marktplatz backte, ist längst Geschichte.

Kundin Margret Bädeker sorgt sich nach wie vor um den Wochenmarkt und hat sich schon an die Gemeinde gewandt mit dem Anliegen, von dort – in welcher Form auch immer – Unterstützung im Interesse einer Belebung zu erwirken. Seit 13 Jahren, seit dem Eintritt in den Ruhestand, führt sie ihr Weg donnerstags auf den Marktplatz – und hinterher in die Eisdiele, wo sie sich mit einer Gruppe trifft. „Früher“, so erinnert sich die 73-Jährige, „kamen die Leute sogar aus Wildeshausen her, um hier einzukaufen.“ Doch das ist vorbei. Auch weil sich der Wochenmarkt in der Kreisstadt sehr gut entwickelt hat. „Das Problem hier in Harpstedt ist, dass einfach nicht genug Kunden kommen“, sagt Margret Bädeker. Fischhändler Holger Gette pflichtet bei: Mehr Klientel zöge nach seiner Einschätzung sicherlich mehr Anbieter nach sich. Gette denkt allerdings aktuell nicht daran, Harpstedt den Rücken zu kehren. Er sei „noch zufrieden“, meint er, gesteht aber offen ein: „Es könnte natürlich immer besser laufen.“ Es gebe durchaus Stammkunden, die sich schon so ihre Gedanken über die Zukunft des Wochenmarktes machten, verhehlt der Fischhändler nicht.

Jutta Martin fällt es mit ihrem Socken-Sortiment naturgemäß schwer, ihre Waren in dieser Jahreszeit an den Mann und die Frau zu bringen. Sie habe viele Stammkunden. Ein großer Teil sei aber schon älter; zu wenig junge Leute kämen nach. Auch die Konkurrenz durch den Online-Handel sei spürbar. Die 60-Jährige versucht, mit Qualität zu punkten – schon seit über 30 Jahren. Mittlerweile habe sie den Ruhestand zumindest „im Hinterkopf“. Aber von heute auf morgen aufzuhören, käme ihr nicht in den Sinn. Vorerst bleibe sie dem Harpstedter Wochenmarkt erhalten – wie gehabt immer am zweiten Donnerstag eines Monats.

„Es ist hier sehr ruhig geworden. Kaum Händler, kaum Leute“, fällt Amandeep Gill auf. Froh stimmt ihn diese Erkenntnis natürlich nicht, aber er will erst einmal weiter mit seinem Stand für Damen- und Herren-Bekleidung in den Flecken kommen. Zusätzliche Beschicker täten dem Markt nach seiner Überzeugung gut. Händler, die dazustoßen wollen, können sich an Marktmeister Helmut Assing (Tel.: 0173/9220769) wenden und alles Nähere erfragen.

Assing zeigt sich nach wie vor zufrieden mit seinem Umsätzen. Auch Mario Kampe liegt es fern, den Wochenmarkt schlecht zu reden. „Wir als Bioland-Stand Kampe können nicht klagen. Das rechnet sich hier für uns.“ Der Harpstedter Markt sei weniger von Lauf- als vielmehr von Stammkundschaft geprägt. Die Ansiedlung von Discountern wie Lidl vor Jahren sei gleichwohl nicht folgenlos geblieben. „Das hat das Einkaufsverhalten verändert“, konstatiert Kampe. „Supermärkte wollen immer alle Kunden haben und locken natürlich“, weiß er. „Wir dagegen haben ausschließlich zertifizierte Bio- und viel regionale Ware sowie Produkte aus Eigenanbau. Wir sind auf Frische spezialisiert. Das wissen unsere Kunden. Harpstedt liegt im ländlichen Bereich. Viele Menschen haben hier noch Privatgärten – und schätzen daher Frische.“

Mario Kampe freut sich nach eigenem Bekunden stets, wenn er donnerstags nach Harpstedt fahren kann. „Der Markt hier ist zwar beschaulich, aber das hat auch eine Qualität“, findet er. Er kennt andere – belebtere – Märkte. Mehr Publikumsverkehr und mehr Hektik bedeuteten aber nicht zwingend, „am Ende auch mehr in der Kasse zu haben“.

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