Ahmet und Aylin Yavuz kümmern sich um Mitmenschen

Harpstedter mit Herz für Hilfsbedürftige

Helfen gern denen, die Hilfe brauchen: Aylin und Ahmet Yavuz aus Harpstedt.
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Helfen gern denen, die Hilfe brauchen: Aylin und Ahmet Yavuz aus Harpstedt.

Harpstedt – Menschen, die sich fürs Gemeinwohl einsetzen, gehören oft etwa der Feuerwehr, dem Roten Kreuz oder dem Technischen Hilfswerk an. Andere haben sie, ohne in Institutionen organisiert zu sein: die „soziale Ader“. Zu diesem uneigennützigen Menschenschlag gehören Ahmet Yavuz und seine Frau Aylin aus Harpstedt.

Das zeigt sich jetzt wieder – im „Flockdown“. Ahmet Yavuz hat via Facebook angeboten, vor den Haustüren hilfsbedürftiger Senioren unentgeltlich Schnee zu schippen. Die Nachfrage habe sich in Grenzen gehalten, sagt der 42-Jährige. Ein paar Räumeinsätze habe er gleichwohl bewältigt – zwei schon am Sonntagabend. Am Montagmorgen folgte ein weiterer Anruf, und im Tagesverlauf meldete sich zusätzlich eine alleinstehende Frau aus Kirchseelte, um die Dienste des türkischstämmigen Harpstedters in Anspruch zu nehmen.

„Ich mach das gern. Das dauert ja auch nicht lange. Höchstens eine halbe Stunde“, sagt der Schwiegersohn des Gastronomen Metin Kalabalik. Schon nach extrem starken Regenfällen im vergangenen Jahr hatte der 42-Jährige via Facebook seine Hilfe angeboten. Er ging davon aus, dass mehrere Tauchpumpen, die er besitzt, nutzbringend eingesetzt werden könnten. Damit lag er goldrichtig. Eine Pumpe verlieh er. An anderer Stelle half er selbst lange mit, eine Garage „trockenzulegen“ und wieder sauber zu bekommen.

Schneeschippen für Senioren

Dass Ahmet Yavuz ältere Menschen unterstützt, erklärt sich aus seinem eigenen Umfeld und seiner Sozialisation. „Meine Mama hat nämlich ebenfalls eine soziale Ader. Sie ist aber zugleich krank und daher selbst auf Hilfe angewiesen. In Bremen wohnte ich lange an der Stader Straße, wo ich aufgewachsen bin. Schon dort habe ich oft auf Anruf kistenweise Mineralwasser für Senioren eingekauft, die selbst nicht mehr die Kraft hatten, schwer zu schleppen, und deshalb zumeist einzelne Flaschen aus dem Markt nach Hause trugen. Im Gegenzug brachten mir die älteren Herrschaften Deutsch oder Mathe bei“, erinnert er sich.

Sein Vater, „ein sehr schlauer Mann“, sei 1968 in die Bundesrepublik gekommen; vor zwei Jahren sei er verstorben – und zuvor pflegebedürftig gewesen.

Die Tüte mit den Einkäufen stellten wir jeweils vor die Tür. Die Tragegriffe haben wir desinfiziert.“

Ahmet Yavuz

Im ersten Lockdown als Folge der Coronapandemie offenbarte sich, dass Aylin, die Frau von Ahmet Yavuz, aus dem gleichen Holz geschnitzt ist wie ihr Mann. Beide kauften abwechselnd für ältere Menschen ein. „Die konnten uns anrufen und jeweils die Einkaufsliste am Telefon durchgeben. Gerade am Anfang der Coronazeit haben wir für sehr viele Leute Besorgungen erledigt. Die Tüte mit den Einkäufen stellten wir jeweils vor die Tür. Die Tragegriffe haben wir desinfiziert“, entsinnt sich der 42-Jährige. Das Bezahlen der Waren einschließlich Erstattung des Rückgeldes ohne Abzug sei komplett kontaktlos über die Bühne gegangen. Anerkennung für den freundlichen Service gab"s auch. Ahmet Yavuz fallen dazu spontan „schöne Blumen“ ein, die seine Frau für ihre Bemühungen bekommen habe. „Die standen übrigens sogar auf der Einkaufsliste. Als wir sie zusammen mit den anderen Waren ablieferten, kam – durchs Fenster gerufen – der Hinweis, die Blumen seien für meine Frau“, erzählt der Harpstedter.

Mischmeister im Syker Betonwerk

Seinen Lebensunterhalt bestreitet er übrigens bei der Stripling Beton GmbH. Als das Unternehmen in Syke ein neues Betonwerk eröffnete, habe er großes Glück gehabt und dort als Betonmischmeister anfangen können. „Ein wirklich sehr interessanter Beruf“, urteilt er.

Von Jürgen Bohlken

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