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Harpstedter Gemeinderat stimmt für neues Baugebiet

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Von: Leif Rullhusen

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Zwischen dem Moorlandsweg und der Landesstraße soll das neue Wohngebiet entstehen.
Zwischen dem Moorlandsweg und der Landesstraße soll das neue Wohngebiet entstehen. © rullhusen

Am südwestlichen Ortsausgang von Harpstedt können demnächst Eigenheimträume in Erfüllung gehen. Der Gemeinderat hat „grünes Licht“ für ein neues Baugebiet gegeben.

Harpstedt – Die Immobilienpreise klettern unaufhaltsam und Baugrundstücke werden zunehmend knapper. Der vor wenigen Wochen vorgelegte Bericht des Gutachterausschusses für Grundstückswerte Oldenburg-Cloppenburg zeigt ausführlich, dass die Kosten für Bauland in der Region weiter steigen. Der mittlere Preis für einen Bauplatz ist landkreisweit um 25 Prozent gestiegen.In Harpstedt soll nun ein neues Baugebiet für etwas Entspannung auf dem Immobilienmarkt der Gemeinde sorgen. Am Montagabend schuf der Rat des Fleckens die planungsrechtlichen Voraussetzungen für das neue „Wohngebiet Am Schützenplatz“. Einstimmig votierte das Gremium für die Aufstellung des entsprechenden Bebauungplanes. Ein schon vor längerer Zeit aufgestellter Flächennutzungsplan weist das Areal bereits als Wohnbaugebiet aus.

Entstehen soll es am südwestlichen Ortsausgang zwischen der Landessstraße 341 „Am großen Wege“ und der Straße „Schützenweg“. Bebaut werden soll aber zunächst nur die Hälfte zwischen der Landesstraße und dem „Moorlandsweg“. Dort soll es direkt an das bestehende Wohngebiet anschließen. „Wenn es erforderlich ist, geht es jenseits des Moorlandweges weiter. Wir werden sehen, wie der Wohnbaubedarf fortschreitet“, erklärte Franziska Lüders, Geschäftsführerin des beauftragten Planungsbüros „PK – Plankontor Städtebau“, den Ratsmitgliedern.

Die etwa vier Hektar großen Fläche ist in zwei Bereiche – WA I und WA II – unterteilt. Im ersten sind ausschließlich Einzelhäuser mit maximal zwei Wohnungen und einem Vollgeschoss zulässig. Im zweiten sind dagegen mehrere Wohneinheiten pro Haus sowie zwei Vollgeschosse erlaubt. Für das gesamte Gebiet ist die Firsthöhe dagegen auf 9,5 Meter begrenzt. Den Unterschied zwischen Geschoss und Vollgeschoss erläuterte Lüders dem Gremium anschaulich. So seien auch im Bereich WA I zwei Geschosse möglich, nur müsse das obere eingerückt sein. Es dürfe höchstens zwei Drittel der Fläche des darunterliegenden haben. Im zweiten dürften die Flächen beider Geschosse dagegen identisch sein. Ein eingerücktes drittes Geschoss sei hier allerdings aufgrund der reglementierten Firsthöhe ausgeschlossen. Das es sich um ein Wohngebiet handelt, sei zudem der Bau von Anlagen für soziale Zwecke zulässig, erläuterte die Ingenieurin. Statt eines Wohnhauses dürfte in dem Areal zum Beispiel auch eine Kita gebaut werden. „Das hat Harpstedt aber in der Hand. Schließlich vermarktet der Flecken seine Flächen selbst“, so Lüders.

Über die Größe und Art der Bebauung hinaus hat der Flecken bei der Entwicklung des Gebietes großen Wert auf Klima- und Hochwasserschutz gelegt. So soll das Niederschlagswasser dezentral sowohl auf den Baugrundstücken als auch den Straßen flächenhaft versickern, erklärte Jens Hüfner, Leiter des Fachbereichs Bau und Planung, in der Ratssitzung. Ein Regenwasserkanal werde nicht verlegt. Dementsprechend großzügig werde der öffentliche Bereich einschließlich eines Sickerbeckens gestaltet.

Für eine nachhaltige sowie ökologische Gestaltung des Baugebietes schreibt der Bebauungsplan die Begrünung sämtlicher Flachdächer vor. Zudem muss die Hälfte der nutzbaren Dachfläche der neuen Gebäude mit Fotovoltaikanlagen oder Solarthermie belegt werden. Die Nutzung fossiler Brennstoffe ist nicht erlaubt. Zur Landesstraße und zur südwestlich angrenzenden Straße „Am Schützenplatz“ soll ein 2,5 Meter hoher Lärmschutzwall errichtet werden. Über letztere wird das Gebiet an das öffentliche Straßennetz angeschlossen. Eine Anbindung über den Moorlandweg sei nur für Fußgänger und Radfahrer geplant, erklärte Hüfner. Die Straße sei verkehrsberuhigt und für einen Anschluss an den Kraftfahrzeugverkehr nicht geeignet.

Zwei Änderungsanträge zu dem vorgestellten Bebauungsplan lehnten die Ratsmitglieder mehrheitlich ab. Arne Siemers (HBL) wollte die verpflichtende Dachbegrünung und Fotovoltaik beziehungsweise Solarthermie streichen. Irene Kolb (Grüne) beantragte, im gesamten Baugebiet zwei Vollgeschosse zu erlauben. So würde bei gleichem Wohnraum weniger Boden versiegelt, argumentierte sie. Zudem sei es sonst nicht möglich, zwei vollständige Wohnungen in einem Haus unterzubringen.

Kolb kritisierte darüber hinaus den Bebauungsplan im beschleunigten Verfahren. „Weil damit kein Ausgleich geschaffen werden muss, versiegeln wir mehr Flächen“, erklärte sie. Sie hoffe, dass die Gemeinde freiwillig einen Ausgleich schaffe. Sie griff auch das im Bebauungsplan festgelegte Verbot von Schottergärten auf. Die Ratsfrau nutzte diesen Punkt zu einem eindringlichen Hinweis, dass Schottergärten nach der Niedersächsischen Bauordnung schon jetzt nicht zulässig seien. Sie forderte die Gemeinde auf, dieses gegenüber den Bürgern entsprechend zu kommunizieren.

Mit der Ablehnung ihres Antrags konnte Kolb schließlich gut leben, nachdem Lüders ihr vorgerechnet hatte, dass auch in einem Haus mit einem Vollgeschoss zwei große Wohnungen Platz finden.

Von Leif Rullhusen

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