Eiserne Hochzeit im Hause Willms

Eine Belehrung ging dem Segen voraus

65 Jahre verheiratet: Ursula und Heinz Willms.
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65 Jahre verheiratet: Ursula und Heinz Willms.

Harpstedt – Sich als Protestant mit einer Katholikin zu vermählen, sei vor 65 Jahren gar nicht so einfach gewesen, erzählt Heinz Willms, während seine Frau Ursula ihm zu verstehen gibt, dass er dieses Kapitel doch besser nicht ausplaudern möge.

Der Gatte ignoriert das Veto und fährt fort: „Nachdem wir uns am 19. Mai 1956 vor dem Standesbeamten August Bredemeyer in Schwarme das Jawort gegeben hatten, sind wir kirchlich in der katholischen Kirche in Hoya getraut worden. Ich bekam zunächst eine Belehrung. Dann musste ich schriftlich erklären, dass ich meine Frau nicht an der Ausübung der katholischen Religion hindern werde und auch einer Erziehung unserer späteren Kinder im Sinne des Katholizismus nicht im Wege stehe.“

Die eiserne Hochzeit feiert das Harpstedter Paar als Folge der pandemiebedingten Kontaktbeschränkungen in Etappen mit den Angehörigen. Eine Gartenparty mit den Nachbarn sei ja vielleicht irgendwann im Sommer möglich, hofft Ursula Willms, geb. Nentwig. Sie stammt aus Schlesien. „1946 sind wir ausgewiesen worden“, verrät sie. Zunächst verschlug es sie in die sowjetische Besatzungszone. Ihr späteres Elternhaus stand in Mehringen bei Hoya.

Heinz Willms kommt hingegen aus Schwarme. Sein Vater bewirtschaftete dort früher als Müller die inzwischen nicht mehr existierende Windmühle. Als das Familienoberhaupt im Krieg vermisst wurde, stand dessen Frau mit drei Kindern allein da. „Meine Großeltern haben gesagt: ,Der Heinz kommt zu uns.’ So hat es mich zu ihnen nach Harpstedt verschlagen, und ich habe dann hier mit Familienanschluss gewohnt“, erläutert der 88-jährige Ehejubilar.

Sein Opa Hermann und später sein Onkel standen in der Nachkriegszeit als Geschäftsführer an der Spitze der Raiffeisen-Warengenossenschaft (RWG) in Harpstedt, ehe Alfred Pergande diesen Posten übernahm. Dort fand auch Heinz Willms seine berufliche Bestimmung. Von 1947 an hielt er der RWG die Treue. Er stieg bis zum stellvertretenden Geschäftsführer und Prokuristen auf.

Ich kam in den Saal und habe gleich gedacht: Der gefällt mir!“

Ursula Willms

Auf dem Weihnachtsball 1953 des Motorsportclubs in Schwarme sollte er die Frau fürs Leben kennenlernen – in Knüppels Gasthaus (heute „Zur Post“). Eigentlich hatte sie ein Auge auf ihn geworfen. „Ich kam in den Saal und habe gleich gedacht: Der gefällt mir!“, plaudert die fast 89-Jährige schmunzelnd aus dem Nähkästchen. Seine Erscheinung, aber auch seine Art und sein Auftreten sagten ihr auf Anhieb zu. Als sie in Emden als Köchin im Hotelgewerbe arbeitete, hielt das junge Glück Briefkontakt. Dank seines Motorrades war Heinz Willms mobil. Daher konnte er sich auch persönlich mit der Frau treffen, die seine Angetraute werden sollte. Man kam sich näher. Zwei Jahre nach der Verlobung läuteten 1956 die Hochzeitsglocken.

Vier Jahre lang bewohnte das Paar ein Kalksandsteinhäuschen in der ehemaligen Munitionsanstalt (Muna) auf Kirchseelter Gebiet zur Miete. Dort kamen Georg und Marianne, die ersten beiden Kinder, zur Welt. Die Wiege von Ulrich, des zweiten Sohns, stand indes in Harpstedt. Am Reiterdamm erwarben die Eheleute Willms 1960 ein Baugrundstück über die Niedersächsische Heimstätte. Dafür, dass sie die ehemalige Muna hatten verlassen müssen, waren sie finanziell entschädigt worden. „Es gab Protest gegen die Räumung. Und für die Entschädigung haben wir demonstriert“, sagt Heinz Willms.

In dem Eigenheim in Harpstedt, noch heute der Lebensmittelpunkt der Ehejubilare, steckt jede Menge Eigenleistung. Die mit dem Bauen verbundene finanzielle Belastung zu wuppen, fiel dem Paar anfangs nicht leicht. Dabei halfen die Eltern von Ursula Willms, die zeitweise, wenngleich nicht sehr lange, das ausgebaute Obergeschoss bewohnten.

Die Ehejubilare, mittlerweile siebenfache Großeltern und obendrein siebenfache Urgroßeltern, sind mit Harpstedt längst verwurzelt. Heinz Willms gehörte von 1972 bis 1984 dem Offizierskorps der Bürgerschützen an; seine Frau engagierte sich ehrenamtlich im Besuchsdienst des DRK-Seniorenzentrums.

Beide haben viele schöne Zeiten geteilt, aber auch Leid: 2008 verstarb ihr Sohn Georg, der ein Steuerberatungsbüro an der Logestraße in Harpstedt betrieben hatte, völlig unerwartet an einem Herzinfarkt. Um diesen schlimmen Verlust gemeinsam zu verarbeiten, brauchte es Zeit, Beistand und Kraft – sowie sicherlich auch einen „eisernen“ Willen.

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