Wie ist es um die Gleichberechtigung bestellt?

Hohe Teilzeitquote unter Samtgemeinde-Mitarbeiterinnen

Frau in rotem Pullover
+
Wünschte sich einen aussagekräftigeren Bericht der Verwaltung zum Thema Gleichstellung: Saskia Kamp (SPD).

Harpstedt – Wie ist es mit Blick auf die Belegschaft der Samtgemeinde Harpstedt um die Gleichberechtigung der Geschlechter bestellt? Zahlen zur Personalstruktur erläuterte Amtshof-Chef Herwig Wöbse während der jüngsten Sitzung des Samtgemeinderates.

Von den rund 160 kommunalen Mitarbeitenden seien über 80 Prozent weiblich. „Das hört sich erst mal sehr gewaltig an und ist auch ein hoher Anteil“, sagte Wöbse. Dass mehr Frauen als Männer auf Stellen mit weniger guter Vergütung sitzen, ließ sein Bericht erahnen. Die Samtgemeinde beschäftigt beispielsweise etliche Raumpflegerinnen, aber kein einziges männliches Pendant. In den Kitas (Kinderbetreuung) gibt es inzwischen auch vier männliche Angestellte. Der Bauhof liegt fast komplett in Männerhand. In der Verwaltung im Amtshof stellen die Frauen den größeren Anteil.

Von den weiblichen Beschäftigten der Samtgemeinde arbeiten rund 80 Prozent in Teilzeit. „Wenn man einen Blick auf die Männer wirft, muss man sagen, dass der Teilzeitanteil mit 24 Prozent gering ist. Er lag allerdings in der Vergangenheit sogar noch niedriger“, erläuterte Wöbse. Auch die politische Mitwirkung streifte er unter dem Aspekt der Gleichberechtigung. Der Frauenanteil im Rat betrage rund 15 Prozent. „Da ist mit Sicherheit eine Steigerung wünschenswert. Das mag sich ja in der nächsten Ratsperiode durchaus verändern“, so der Verwaltungschef.

Gute Infrastruktur in der Kinder- und Jugendbetreuung

Zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie tragen nach seiner eigenen Einschätzung die Schaffung von 50 neuen Kindergartenplätzen in den vergangenen drei Jahren, die Betreuung bei den „Happy Kids“, der Frühdienst der Grundschule, das Ganztagsangebot der Oberschule und die „gut aufgestellte“ Jugendpflege bei. Dass diese Rahmenbedingungen „recht optimal im Verhältnis zu vielen anderen Kommunen“ seien, stellte Saskia Kamp (SPD) nicht in Abrede.

„Wir haben 30 Arbeitsplätze im Amtshof. Von denen ist nach meiner Einschätzung im Moment weniger als die Hälfte für Homeoffice geeignet“, sagt Ingo Fichter.

Ansonsten aber sahen die weiblichen Ratsmitglieder keinen Anlass, die Hände in den Schoß zu legen. „In den Führungspositionen gibt es bei der Samtgemeinde eine Frau und ganz viele Männer“, monierte Irene Kolb (Grüne). Hier bestehe immer noch ein deutliches Ungleichgewicht. Herwig Wöbse stritt das nicht ab, relativierte die Aussage aber deutlich: „Wir haben in der Samtgemeinde drei Fachbereichsleiter. Darunter ist eine Leiterin. Der Frauenanteil beträgt hier also 33,3 Prozent. Bei den stellvertretenden Fachbereichsleitungen ist das Verhältnis der Geschlechter mit 50 zu 50 Prozent ausgeglichen.“

Irene Kolb sah die Samtgemeinde Harpstedt in der Pflicht, sich auch im Interesse besserer Rahmenbedingungen für Gleichberechtigung verstärkt um die Einrichtung von Heimarbeitsplätzen zu bemühen.

Homeoffice sei in den Kindergärten, auf dem Bauhof und im Freibad allerdings unmöglich, schränkte Wöbse ein. Was die Bediensteten der Verwaltung angehe, sei das konkrete Heimarbeitsangebot während der Coronazeit „nicht von allen so genutzt“ worden, „wie es vorher angefragt worden war“.

Grenzen der Heimarbeit

Dass für Bereiche mit viel Publikumsverkehr, etwa fürs Einwohnermeldeamt, Homeoffice eine kaum praktikable Option wäre, verhehlte er nicht.

Regina Huntemann (Grüne) wollte die Aussagen an Zahlen festgemacht haben und hakte beharrlich nach. Die Antworten gab der Erste Samtgemeinderat Ingo Fichter: „Von 30 Arbeitsplätzen im Amtshof ist nach meiner Einschätzung im Moment weniger als die Hälfte für Homeoffice geeignet“, sagte er. Dies hänge nicht zuletzt damit zusammen, dass noch viel mit Akten in Papierform gearbeitet werde. Regelmäßig genutzt hätten die Option Heimarbeit fünf Beschäftigte. „Wir haben es aber allen in der Verwaltung angeboten, also niemanden ausgeschlossen“, betonte Fichter.

„Männern Mut machen“

Saskia Kamp erbat für die Zukunft einen sehr viel aussagekräftigeren Bericht seitens der Verwaltung zum Thema Gleichstellung. Der dürfe nicht nur Prozentzahlen beinhalten, „die man in keine Relation zu irgendwas stellen kann“. Gehaltvoll seien Informationen, wenn daraus auch hervorgehe, was die Samtgemeinde konkret für Frauen tue, welche Perspektiven sie ihnen für die berufliche Weiterentwicklung eröffne und wie sie dazu beitrage, die Rückkehr in den Beruf zu erleichtern.

Bei den Männern erkannte Kamp zwar eine gewachsene Bereitschaft, Verzicht im Beruf zugunsten von Kindererziehung und Familie zu üben; ihnen noch mehr Mut zu machen, dies zu tun, bleibe aber eine wichtige Aufgabe.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

85-jähriger Fußgänger bei Unfall tödlich verletzt

85-jähriger Fußgänger bei Unfall tödlich verletzt

85-jähriger Fußgänger bei Unfall tödlich verletzt
Barrierefreiheit und Brandschutz

Barrierefreiheit und Brandschutz

Barrierefreiheit und Brandschutz
Alte Polizeiwache in Wildeshausen kommt unter den Hammer

Alte Polizeiwache in Wildeshausen kommt unter den Hammer

Alte Polizeiwache in Wildeshausen kommt unter den Hammer
Corona: Zahlen steigen wieder – auch durch Reiserückkehrer

Corona: Zahlen steigen wieder – auch durch Reiserückkehrer

Corona: Zahlen steigen wieder – auch durch Reiserückkehrer

Kommentare