Müller stellt Raum zur Verfügung / Renovierung schon erledigt / Eröffnungstermin noch unklar

Verschenkekultur lebt bei der Mühle weiter

Abstandswahrend und mit Maske haben Irmtraud Keppler (links) und Gaby Otto den zur Verfügung gestellten Raum auf dem Windmühlen-Anwesen in Harpstedt gestrichen. Er wird mit Regalen bestückt. Dort soll demnächst die vormals im „freiraum“ angesiedelte Verschenkekultur fortbestehen.
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Abstandswahrend und mit Maske haben Irmtraud Keppler (links) und Gaby Otto den zur Verfügung gestellten Raum auf dem Windmühlen-Anwesen in Harpstedt gestrichen. Er wird mit Regalen bestückt. Dort soll demnächst die vormals im „freiraum“ angesiedelte Verschenkekultur fortbestehen.

Harpstedt – Für zu verschenkende Dinge ist der „freiraum“ an der Freistraße bis Ende 2020 eine gute Adresse gewesen. Wer sich von gut erhaltenen Sachen trennen wollte, der brachte sie dorthin – und erfreute so Mitmenschen, die noch Verwendung dafür hatten. Nach erfolgter Schließung des Klimaprojektladens soll die Verschenkekultur nun demnächst auf dem Windmühlen-Anwesen von Helmut Nienaber in Harpstedt weiterleben.

Der Müller stellte dafür einen einst als Bioladen genutzten Raum zur Verfügung. Den Wänden haben Gaby Otto und Irmtraud Keppler bereits einen Anstrich verpasst – abstandswahrend und mit Maske, versteht sich.

Nach Befestigung einiger Regale könnte der Raum eigentlich bereits seinen Zweck erfüllen, ließe Corona das zu. Wegen der Pandemie aber wird es wohl noch ein wenig dauern, bis Mitbürgerinnen und Mitbürger zu verschenkende Dinge bringen und andere die Sachen kostenfrei mitnehmen können. Das Einräumen in die Regale erledigt ein Helferteam. „Der Raum soll nicht zuschrotten“, betont Irmtraud Keppler. Ratsam sei, nicht zu viele Staubfänger in Form von Nippes anzuschleppen. Die beiden Initiatorinnen wollen verhindern, dass der „Verschenkeladen“ zu einem Ladenhüter-Depot verkommt.

Kinderbekleidung und Spielzeug finden zumeist im Nu Abnehmer. Auch Bücher, besonders für Kinder, gehen für gewöhnlich gut weg. Das lehren die im „freiraum“ gemachten Erfahrungen.

Nach Ansicht von Gaby Otto verdient die Windmühle, ein tolles Kleinod im Ort, eine höhere Wertschätzung. Der neue „Verschenkeladen“ könnte dem Harpstedter Wahrzeichen zu mehr öffentlicher Wahrnehmung und Aufmerksamkeit verhelfen. Die ursprüngliche Absicht des Mühlenvereins, die Windmühle gelegentlich mit Veranstaltungen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ist bekanntlich ein schöner Plan geblieben. Es gab zwar mal Führungen von Schulklassen und auch einen Gottesdienst, viel mehr aber nicht. Bis heute wartet Harpstedt vergeblich auf ein Mühlenfest. Im Moment müssen allerdings wegen des Lockdowns Events jedweder Art unterbleiben. Wenngleich deshalb auch die Eröffnung des „Verschenkeladens“ auf sich warten lässt, fanden es die Organisatorinnen richtig, jetzt damit an die Presse zu gehen. „So haben die Leute etwas, auf das sie sich freuen können“, sagt Gaby Otto.

Irmtraud Keppler hatte zuletzt mit weiteren Ehrenamtlichen die „freiraum“-Öffnungszeiten sichergestellt. Sie nahm Notiz davon, dass gerade die dort angesiedelte Verschenkekultur eine gute Akzeptanz fand. Und als dieser Zweig mit der Schließung des Klimaprojektladens wegzubrechen drohte, sagte sie sich: „Das ist blöd. Es muss weitergehen.“

Bedarf an Kühlschrank und Wasserkocher

Daraufhin suchte sie sich ein paar ambitionierte Mitstreiterinnen und Mitstreiter. Darunter Gaby Otto, die sie schon länger kennt. „Mir fiel auf, dass sie an ihrem Gartenzaun einen Mini-Verschenkemarkt betreibt. Ich dachte mir, wenn sie so etwas schon bei sich zu Hause praktiziert, dann müsste sie doch eigentlich auch Lust haben, hier bei der Mühle mitzumachen. Ich habe außerdem verschiedene soziale Einrichtungen angesprochen. Das Harpstedter Wohnheim der Diakonie Himmelsthür für Menschen mit Assistenzbedarf zeigte sich interessiert. Wenn"s wieder möglich ist, will ein Mitarbeitender mit Bewohnern, die fit genug sind, zur Mühle kommen und sich mit um den Raum kümmern. Vielleicht sitzt die Gruppe auch mal hier bei einem Stück Kuchen und einer Tasse Kaffee“, erhofft sich Irmtraud Keppler. Daraus könnte sich eine Chance ergeben, „Anschluss zu finden“, fügt Gaby Otto hinzu. Will heißen: Im günstigen Fall würde der „Verschenkeladen“ einen Beitrag zur Inklusion leisten und sich womöglich obendrein zu einem Treffpunkt für ältere Mitbürger mausern, die es leid sind, ohne sinnvolle Beschäftigung in den eigenen vier Wänden zu „versauern“.

Eine durchgehende Besetzung des Raums mit Personal ist nicht vorgesehen. Die Anbindung an Mühle und Grünes Warenhaus halten Irmtraud Keppler und Gaby Otto für günstig. Dadurch wären sechs wöchentliche Öffnungstage – von Montag bis einschließlich Sonnabend – möglich. Müller Helmut Nienaber müsste nur morgens auf- und abends wieder abschließen. „Von uns kommt natürlich immer mal wieder jemand vorbei, schaut nach dem Rechten und guckt, ob alles ordentlich ist“, versichert Gaby Otto. „Vielleicht kriegen wir ja zwei oder drei Präsenzzeiten in der Woche hin. Das heißt, jemand aus unserem Team wäre dann vor Ort, damit die Leute hier auch mal einen Ansprechpartner vorfinden“, sagt Irmtraud Keppler.

Vieles ist vorstellbar. Was aus den Ideen wird, muss sich im Laufe der Zeit ergeben. Zunächst landen nun Restbestände aus dem „freiraum“ in dem neuen „Verschenkeladen“. Zum Unterstützerteam zählen übrigens auch Wohnbereichsleiterin Petra Hakemann von der Diakonie Himmelsthür sowie Helga Rütting und Thomas Schenk. Letzterer gehörte zu einem Kreis von Leuten, die Helmut Nienaber halfen, die drohende Zwangsversteigerung des Mühlen-Anwesens abzuwenden. Bekanntlich ist das inzwischen gelungen (wir berichteten).

„Thomas Schenk hat bei der Vermittlung des Raums geholfen und sozusagen eine Brücke zwischen ,freiraum" und Mühle geschlagen“, erläutert Irmtraud Keppler.

Auch auf ein paar Sachspenden hoffen sie und Gaby Otto. Konkret benötigt werden ein kleiner Kühlschrank und ein Wasserkocher.

Von Jürgen Bohlken

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