Nachruf

Harpstedt trauert um liebenswertes Unikum Rainer Conrad

Nach kurzer Krankheit im Alter von 79 Jahren verstorben: Rainer Conrad.
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Nach kurzer Krankheit im Alter von 79 Jahren verstorben: Rainer Conrad.

Harpstedt – Rainer Conrad ist es nicht mehr vergönnt gewesen, zum achten Mal zu „nullen“. Der Gemischte Chor Harpstedt, der Reitclub „Sport“ und das Offizierskorps der Bürgerschützen trauern um einen guten Freund, den sie stets als „Rainer“, aber nie als „Herrn Conrad“ kannten, bis er am 21. Mai nach kurzer Krankheit 79-jährig im Altenheim Hildegardstift in Groß Ippener aus dem Leben schied.

Auch die „Prager“ werden diesen sympathischen Zeitgenossen mit seiner liebenswerten, zugewandten Art in bester Erinnerung behalten. Zwar gehörte Rainer Conrad dem Blasorchester nicht als Musiker an; er gehörte gleichwohl als Grillmeister bei geselligen Anlässen dazu.

22 Jahre hatte der gebürtige Lübecker als Vorsitzender an der Vereinsspitze des Gemischten Chores Harpstedt gestanden, ehe ihn im März 2016 Angela Willms auf diesem Posten beerbte. Seine verdienstvolle Vorstandsarbeit erfuhr seinerzeit mit der Verleihung des goldenen Ehrenzeichens eine gebührende Würdigung. 16 Jahre gehörte Rainer Conrad dem Offizierskorps an. Er schaffte es auf der Dienstgradleiter bis zum Hauptmann. 2010 wollte er „zurück ins Glied“ und wieder als einfacher Bürgerschütze das traditionelle Schiebenscheeten mitfeiern. Der damalige Oberst Hans-Peter Hellbusch verabschiedete ihn an Himmelfahrt. Der damals 68-Jährige sei ein „ruhender Pol“ im Offizierskorps gewesen.

Der Donnerstag gehörte der Reiterei, Conrads zweiter großer Leidenschaft neben dem Gesang. Als Rittmeister im RC „Sport“ erwarb er sich große Verdienste. Mit Leidenschaft nahm er an den Herbstjagden teil. Zusammen mit seiner Frau Annalene („Mäusi“) Conrad, die er um einige Jahre überlebte, investierte er viel Zeit als Mitorganisator von Reitturnieren.

Patente zeugen von seinem Tüftlergeist

Mitunter erweckte er den Eindruck eines leicht zerstreuten Professors. Dabei hatte der Sohn eines Professors für Blockflöte an der Musikhochschule Hannover und einer Pianistin wirklich etwas auf dem Kasten. Mehrere Patente in der Ventiltechnologie zeugen von dem Erfinder- und Tüftlergeist des Diplom-Ingenieurs Rainer Conrad, der während seines Arbeitslebens Spuren in einem Bremer Metallbauunternehmen hinterließ. „Seine Schwester Maleen Frenzel kam unter Tränen von Hannover nach Harpstedt – in die vermeintliche Provinz. Und er kam hinterher und hat sich hier dann verliebt“, erinnert sich Steffen Akkermann, Dirigent des Gemischten Chors Harpstedt. Die Schwester fühlte sich entgegen ihren ersten Erwartungen im beschaulichen Flecken an der Delme pudelwohl – und war als Lehrerin beliebt und geschätzt. Nach 40 Jahren im Schuldienst in Harpstedt verabschiedete Wolfgang Bleyer, der damalige Rektor der Haupt- und Realschule, Maleen Frenzel im Juli 2007. Ihr war nur ein kurzer Ruhestand vergönnt.

Im Chor sang er sehr sicher im Bass. Wer bei Rainer saß, der konnte gut mithalten. Er fehlte selten, kam aber immer ein paar Minuten zu spät zum Singen.“

Steffen Akkermann

Auch den frühen Tod seines Sohnes musste Rainer Conrad verkraften. Er erholte sich von den schweren Schicksalsschlägen. Dann aber bereitete ihm die eigene Gesundheit zunehmend Probleme.

Für seine Freunde und Vereinskameraden, die ihm halfen, vor allem den Verlust seiner Frau zu überwinden, blieb er stets der liebenswerte Rainer. „Er konnte Cello spielen. Im Chor sang er sehr sicher im Bass. Wer bei Rainer saß, der konnte gut mithalten. Er fehlte selten, kam aber immer ein paar Minuten zu spät zum Singen“, erinnert sich Steffen Akkermann an den Weggefährten. Übel nahm Rainer Conrad die leichte Unpünktlichkeit niemand, zumal er es verstand, diese kleine Schwäche mit seinem trockenen Humor mehr als wettzumachen.

Als Chorvorsitzender ließ er den Dirigenten viele Freiheiten. „Das war sehr angenehm. Wenn es um die Liedauswahl ging, habe ich ihn eigentlich nie fragen müssen“, entsinnt sich Akkermann.

Je länger Rainer Conrad in Harpstedt lebte und je mehr er sich als Harpstedter fühlte, desto mehr mauserte er sich zu einem echten Original und Unikum. Um so schwerer wiegt nun die Trauer seiner vielen Freunde über die große Lücke, die sein Tod zweifellos hinterlässt.

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