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Nach angeblich verweigertem PCR-Test greift Behörde ein

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Von: Jürgen Bohlken

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Die „Regeln“ für Coronatestungen stehen in der Testverordnung des Landes Niedersachsen. Symbolfoto: Hauke-C. Dittrich/dpa
Die „Regeln“ für Coronatestungen stehen in der Testverordnung des Landes Niedersachsen. Symbolfoto: Hauke-C. Dittrich/dpa © -

Harpstedt – Nach Darstellung der Vitaminpunkt GmbH (Delmenhorst) als Betreiberin der in der vergangenen Woche auf behördliche Veranlassung geschlossenen Covid-Teststation im Eiscafé Venezia in Harpstedt hat es nur eine einzige Beschwerde gegeben, mit der das Gesundheitsamt die Schließungsentscheidung begründen konnte.

Ein Kunde habe sich dort im Januar auf Corona testen lassen. Das Ergebnis sei negativ ausgefallen, ein nachfolgender Selbsttest am Tag darauf zu Hause dann aber positiv gewesen. Der Kunde sei zurück in die Eisdiele gekommen und habe beanstandet, die dort verwendeten Tests funktionierten nicht. Er habe auf einen sofortigen PCR-Test bestanden. Das geschulte Personal wäre dem Begehren laut der Vitaminpunkt GmbH nachgekommen, hätte der Kunde seinen positiven Selbsttest vorgelegt. Einen solchen Nachweis habe er aber eben nicht erbracht. Daher sei ihm angeboten worden, zunächst einen Kontroll-Schnelltest durchzuführen; sei der dann positiv, werde ein PCR-Test unmittelbar folgen. Der Kunde habe sich auf dieses Angebot nicht eingelassen. Stattdessen sei er vor Zeugen ausgesprochen ausfallend geworden, sodass er des Raums verwiesen worden sei. Er werde die Schließung der Teststation erwirken, soll er gedroht haben.

Daraufhin sei prompt ein Schreiben des Gesundheitsamtes mit dem verallgemeinernden Vorwurf gekommen, „Kundinnen und Kunden“ der Teststation in der Eisdiele würden keine PCR-Tests ermöglicht; stattdessen würden sie auf Nachfrage „ohne PCR-Test weggeschickt“. Für die Vitaminpunkt GmbH klingt das nach einem Vorwand für die Schließungsanordnung.

Hickhack um Kooperation

„Positive Antigentestergebnisse müssen mittels PCR-Test bestätigt werden“, steht in der Testverordnung des Landes Niedersachsen. Der Bestätigungstest sei „umgehend zu veranlassen“.

Als das Gesundheitsamt grünes Licht für die Inbetriebnahme der Covid-Teststation in der Eisdiele im Dezember gab, war allerdings bereits klar, dass die Auswertung von PCR-Tests ein Labor übernehmen müsste. Direkt an Ort und Stelle hätten zumindest die Abstriche genommen werden können. Das habe der Landkreis allerdings abgelehnt, behauptet die Vitaminpunkt GmbH; das käme nur in Betracht, wenn es eine Kooperation mit einem Labor gäbe. Als Kooperationspartner habe das Gesundheitsamt das Deutsche Rote Kreuz vorgeschlagen. Und das, obgleich auch das DRK nur Abstriche mache und auf ein externes Labor angewiesen sei. Gleichwohl habe der Landkreis das DRK als Kooperationspartner akzeptiert, so die Vitaminpunkt GmbH weiter. Nachträglich habe sich dann herausgestellt, dass sich dieses Okay nur auf den Standort Ganderkesee bezogen habe, nicht hingegen auf den Standort Harpstedt – wegen der angeblich zu großen Entfernung zum Labor.

Ergebnis fragwürdiger Kommunikation?

War die Schließung des Testzentrums im Eiscafé also am Ende das Ergebnis eines Missverständnisses und einer fragwürdigen Kommunikation? Der Landkreis Oldenburg äußert sich dazu weiterhin nicht. Die Kreisverwaltung weigert sich schlicht, die Schließungsentscheidung gegenüber der Öffentlichkeit zu begründen. Die Rechtfertigung dafür: „Ein möglicher Rechtsstreit steht im Raum.“

Tatsächlich hält die Vitaminpunkt GmbH die Schließung des Standortes Harpstedt für ungerechtfertigt und erwägt eine Schadenersatzklage wegen der sich daraus ergebenden Einnahmeausfälle. Sie betreibt in Niedersachsen nun noch sieben Teststationen und lässt PCR-Test-Abstriche mittlerweile direkt von einem Visbeker Labor auswerten.

Was also spräche dagegen, im Eiscafé wieder zu testen? Eine Antwort auf diese Frage bleibt der Landkreis Oldenburg schuldig.

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