Hospizverein Harpstedt sucht Unterstützung

Tod aus der Tabu-Zone holen

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Michaela Jackowski, Elke Kopmann-Cordes, Gabriele Proske und Anke Scheele (v.l.) sind vier der Sterbebegleiterinnen des Hospizvereins Harpstedt.

Harpstedt - Von Alina Pleuß. „Am Anfang hatte ich Berührungsängste, mich als Sterbebegleiterin zu engagieren. Die persönliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod stand für mich im Vordergrund“, berichtet Michaela Jackowski vom Hospizverein Harpstedt. Mit ihr gibt es acht Sterbebegleiterinnen in der Samtgemeinde. Ein Ehrenamt, das auf keinen Fall in Vergessenheit geraten darf, findet der Verein, und sucht nun nach Unterstützern.

„Wir begleiten Menschen in der letzten Phase ihres Lebens“, erklärt Anke Scheele, ebenfalls Sterbebegleiterin in der Samtgemeinde Harpstedt. „Es geht darum, für den Betroffenen da zu sein und seelische Unterstützung zu leisten“, ergänzt sie. Dabei richten sich die Ehrenamtlichen nach den Wünschen des Sterbenden. „Wir führen Gespräche, lesen vor, singen Lieder, hören Musik und geben ihnen einfach das Gefühl, nicht allein zu sein.“

Neben Privatpersonen die die Frauen zu Hause begleiten, treten vermehrt die Pflegedienststellen von Heimen an den Verein heran und fragen nach Sterbebegleitungen. „Das geschieht aber nie ohne die Einwilligung des Sterbenden oder seiner Angehörigen“, betont Jackowski. „Die Menschenwürde wird bis zuletzt gewahrt.“

„Wir weinen auch mit den Betroffenen“

Und obwohl der Sterbende dabei im Fokus steht, sei es auch wichtig, den Angehörigen unter die Arme zu greifen. „Sie richten oft ihr Leben nach dem betroffenen Familienmitglied aus. Wir geben ihnen die Möglichkeit, auch mal rauszukommen, einzukaufen und etwas zu erledigen – wir schenken ihnen Zeit“, so Elke Kopmann-Cordes vom Hospizverein.

Dennoch gehe die Arbeit nicht spurlos an den Frauen vorbei. „Wir weinen auch mit den Betroffenen, und das ist in Ordnung. Man sieht sich mit einer traurigen Situation konfrontiert“, resümiert Jackowski. Doch dafür werden ein Mal im Monat Treffen organisiert, bei denen die Hospizbegleiterinnen darüber sprechen können, was sie beschäftigt. „Wir unterliegen der Schweigepflicht, wir reden daher nicht über Vertrauliches. Bei den Treffen geht es einzig und allein darum, zu erzählen, wie es einem selbst geht“, so Kopmann-Cordes. „Man muss das Thema Tod aus der Tabu-Zone holen. Es gehört zum Leben dazu“, so Jackowski. „Die Arbeit hat mir verdeutlicht, dass unsere Zeit auf der Welt begrenzt ist. Ich habe dadurch gelernt, mein Leben mehr zu leben.“

Qualifikationskurs ab dem 23. und 24. März

Die Sterbebegleitung des Hospizvereins ist kostenlos. Ein Pflegefall in der Familie werfe laut Jackowski genug Sorgen auf, „da müssen sich die Angehörigen nicht auch noch Gedanken darum machen, eine Sterbebegleitung zu finanzieren.“

Die Voraussetzung für die Arbeit als ehrenamtlicher Hospizbegleiter ist die Teilnahme an einem Qualifikationskurs. Ein solcher wird ab dem 23. und 24. März vom Hospizdienst Delmenhorst angeboten und läuft bis November. Er beinhaltet 100 Unterrichtsstunden und 20 Stunden Hospitation. Für nähere Informationen dazu und zur Arbeit der Hospizbegleiter steht der Hospizverein Harpstedt unter der Telefonnummer 04244/2989996 bereit. Zudem weist der Verein darauf hin, dass besonders männliche Verstärkung gebraucht wird. „Wir sind ausschließlich weibliche Sterbebegleiter. Gerade für die männlichen Betroffenen wäre es vielleicht hilfreich, auch mal mit einem Mann zu sprechen“, so Scheele.

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