Gemeinsam stark – wie die Stadtmusikanten 

Von störrischen Eseln und echten Freunden

Während des Gottesdienstes führten „Die Kernigen“ ein kurzes Theaterstück über die Bremer Stadtmusikanten auf. - Foto: an

Harpstedt - Von Anja Nosthoff. „Du bist ja zu nichts zu gebrauchen.“ Diesen Satz hören die vier als „Bremer Stadtmusikanten“ berühmt gewordenen Tiere in dem gleichnamigen Märchen von ihren Besitzern. Die inklusive Harpstedter Kinder- und Jugendgruppe „Die Kernigen“ nahm den Gottesdienst am Sonntag in der Christuskirche zum Anlass, das Märchen nachzuspielen.

„Jemanden aufs Abstellgleis stellen – das darf nicht sein. Jeder wird gebraucht. Jeder ist willkommen, sich mit seinen Talenten und Fähigkeiten einzubringen“, fasste Annette Grummt, die Leiterin der Gruppe, die Botschaft des Anspiels noch einmal in klare Worte.

Auch Pastor Gunnar Bösemann griff in seiner Predigt das Thema auf. „Was die vier alt gewordenen Tiere da von ihren Besitzern zu hören bekommen, das tut weh“, sagte er. Dazu müsse die Botschaft noch nicht einmal direkt ausgesprochen werden. Genauso schlimm sei es, wenn jemand merke, dass andere so über ihn dächten – vielleicht weil er alt oder weil er einfach anders sei als andere. „Die vier Tiere waren deshalb alle sehr traurig. Sie kannten sich vorher gar nicht, hatten aber alle für sich die gleiche Idee: Sie sind von zu Hause weggelaufen. Auf dem Weg haben sie sich dann getroffen und sind Freunde geworden“, so Pastor Bösemann.

Inklusive Gruppe trifft sich jeden Dienstag

Die Tiere machen im weiteren Verlauf des Märchens eine wichtige Erfahrung: „Gemeinsam sind wir stark.“ Das erleben sie, als sie die Räuber aus dem Haus im Wald vertreiben können. „Das ist bei uns genauso, wenn wir uns mit Freunden oder in einer Gruppe treffen“, meinte Bösemann. „Wenn man Traurigkeit teilen kann, dann wird es etwas leichter.“

Auch die Kirchengemeinde sei ein Ort, an den man Freunde treffen könne. Doch dann gebe es da noch diesen besonderen Freund: Gott. Bösemann ging hier noch einmal auf die Bibelstelle aus der Lesung ein: Bileam war mit seinem treuen Esel auf einem falschen Weg. Als dem Esel ein Engel Gottes erschien, weigerte sich das Tier weiterzugehen. Zuerst wurde Bileam böse. Doch dann begann der Esel zu sprechen, und schließlich öffnete Gott Bileam die Augen, sodass der selbst den Engel sehen konnte. „Bileam brauchte einen Freund, der ihm erklärte, dass auch Gott sein besonderer Freund ist und ihn immer beschützt“. Bösemann: „Gott ist immer für einen da, auch wenn man das manchmal nicht merken kann.“

„Die Kernigen“ gestalteten zusätzlich zu dem kleinen Theaterstück, für das sie Texte gelernt und fleißig bunte Masken gebastelt hatten, noch weitere Teile des Gottesdienstes. Auf der mit gemalten Kulissen gestalteten Bühne führten sie zum Beispiel einige Lieder auf: So sangen und trommelten sie unter anderem zu dem bekannten Volkslied „Der Kuckuck und der Esel“.

Jeden Dienstag treffen sich „Die Kernigen“ von 15 bis 18 Uhr in den Räumen der Kirchengemeinde an der I. Kirchstraße, um gemeinsam ihre Freizeit zu gestalten. Die Gruppe besteht aus Kindern und Jugendlichen mit und ohne Handicap. Zu den Aktivitäten zählen Spielen, Basteln, Ausflüge und musikalische Angebote. Die Gruppe entstand aus einer Kooperation der Samtgemeinde, des Landkreises, der Kirchengemeinde, des Behindertenbeirats der Samtgemeinde sowie der Lebenshilfe Delmenhorst/Landkreis Oldenburg.

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