Stellungnahmen zu Einzelhandelskonzept

Wie stark würde Umsiedlung das Zentrum schwächen?

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Die Vorstellung, dass ausgerechnet „Inkoop“ als wichtigster Lebensmittelversorger aus dem Ortskern in die Peripherie „abwandern“ könnte, schmeckt dem Landkreis und der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK) offenkundig nicht. 

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Grundsätzlich befürwortet der Landkreis Oldenburg die im Einzelhandelsentwicklungskonzept (EHEK) für den Flecken Harpstedt dargelegten Ziele. Kritisch sieht die Untere Landesplanungsbehörde hingegen „die geplanten Standortverlagerungen aus dem zentralen Versorgungsbereich“ (ZVB), spielt die kreisseitige Stellungnahme auf die Umsiedlungspläne der Märke „Aldi“ und „Inkoop“ an.

Als Folge davon wären Umsatzrückgänge in den nahversorgungs- und zentrenrelevanten Sortimenten im Ortskern zu erwarten. Für „bedenklich“ hält das Amt für Naturschutz und Landschaftspflege/Regionalplanung die beabsichtigten Erweiterungen aller Harpstedter Supermärkte. Eine Vereinbarkeit mit den Zielen des Landesraumordnungsprogramms sei „noch nicht dargestellt“ worden, betont sie.

Die von „Lidl“, „Netto“, „Aldi“ und „Inkoop“ in Harpstedt geplanten Vergrößerungen ergäben in der Summe eine Steigerung der Verkaufsfläche um insgesamt 1 730 Quadratmeter – und damit um mehr als 50 Prozent. Es könne sich „als nicht verträglich“ für den ZVB herausstellen, wenn all diese Erweiterungen realisiert würden, mahnt die Behörde und bekräftigt: Für die Umsetzung der Pläne sei eine Vereinbarkeit mit den Zielen der Raumordnung Voraussetzung.

Ein etwaiger weiterer „ergänzender Nahversorgungsstandort“ am westlichen Rand von Harpstedt (konkret im Visier sind Flächen an der Wildeshauser Straße) „sollte als perspektivische und noch nicht mit Einzelhandel belegte Potenzialfläche dargestellt werden“, rät der Landkreis.

Mehrere Aussagen der Firma Cima, die das EHEK erstellt hat, teilt die Behörde ausdrücklich nicht. So könne die generelle Annahme der Gutachter, wonach für „Lidl“ und „Netto“ erst „ab der Großflächigkeit“ ein Wettbewerb „auf Augenhöhe“ mit weiteren Lebensmitteldiscountern „außerhalb des Samtgemeindegebietes“ möglich sei, nicht als Argument für eine Verkaufsflächenerweiterung oder Umsiedlung „bestimmter Einzelhandelsmärkte“ herangezogen werden, argumentiert sie. Ihr Appell: „Gerade vor dem Hintergrund der festgestellten hohen Kaufkraftbindung sollte diese Aussage überdacht werden.“ Wie schon berichtet, stuft das Gutachten die „Einzelhandelszentralität“ des Fleckens Harpstedt, also das Verhältnis von örtlich erzieltem Einzelhandelsumsatz zur lokalen Nachfrage, als sehr gut ein. Der beeindruckend hohe Wert von 186 lässt auf starke Kaufkraftzuflüsse schließen. Laut Cima wird schon jetzt fast jeder zweite Euro Umsatz im Flecken durch Kunden aus dem Umland erzielt.

„Verträglichkeit gutachterlich klären“

Mit der Aussage im EHEK, die geplante Realisierung von großflächigem und nahversorgungsrelevantem Einzelhandel am Standort Wildeshauser Straße sei „sowohl im Sinne des Harpstedter Zentrenkonzeptes“ als auch der Ziele und Grundsätze „positiv zu bewerten“, geht der Landkreis ebenfalls nicht konform – wiederum mit Hinweis auf erwartbare Umsatzrückgänge im Zentrum bei Verlagerung eines oder zweier Märkte in die westliche Peripherie. Sowohl „Inkoop“ als auch „Aldi“ an die Wildeshauser Straße zu verlegen, könne sich als „nicht verträglich“ für den ZVB herausstellen. Auch die Cima selbst heißt nur die Standortverlagerung von einem der beiden Märkte gut. Wenn „Inkoop“ den Junkernkamp verließe, könne das „erhebliche Auswirkungen auf den Ortskern“ haben, mahnt der Landkreis. Genauso sieht das die Oldenburgische Industrie- und Handelskammer (IHK), die den Verbleib des Vollsortimenters am jetzigen Standort für wünschenswert hält, da er ein „breiteres und tieferes Sortiment“ – und somit ein für die Nahversorgungssituation höherwertigeres Angebot – als „Aldi“ vorhalte.

Ähnlich wie der Landkreis argumentiert der Kommunalverbund Niedersachsen/Bremen: „Durch Standortverlagerungen von Lebensmittelmärkten aus dem Ortskern heraus in Außenbereiche würde voraussichtlich die Ausstattung und Attraktivität des Ortskerns insgesamt geschwächt. Erweiterungen an anderer Stelle würden diesen Effekt möglicherweise verstärken.“

Der Kommunalverbund rät dem Flecken zur Erstellung eines Verträglichkeitsgutachtens zu den Erweiterungs- und Verlagerungsabsichten der Supermärkte – unter perspektivischer Berücksichtigung von Entwicklungspotenzialen zur weiteren Stärkung des ZVB.

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