Harpstedt: Schiebenscheeten@Home

„Der doppelte Aussetzer“ gegen den Frust

Ein „Schützenfest@Home-Paket“ überreicht hier Hauptmann Lars Tangemann (r.) an Jesse Klingebiel.
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Ein „Schützenfest@Home-Paket“ überreicht hier Hauptmann Lars Tangemann (r.) an Jesse Klingebiel.

Harpstedt – Mancher Harpstedter Bürgerschütze findet es selbst in „normalen Zeiten“ anstrengend, den „Pfingstdienstag“ durchzustehen. Davon können vor allem die Rekruten ein Lied singen, wenn die „Utschenker“ ihnen schon zu früher Stunde unermüdlich einschenken. Aber ganz ohne Schiebenscheeten durch die Woche nach Pfingsten kommen, zu allem Überfluss zum zweiten Mal in Folge? Das fällt richtig schwer.

Ein Blick aus dem Fenster zu früher Stunde minderte am Dienstag den Verdruss über das pandemiebedingt erneut abgesagte Fest ein wenig. Das durchwachsene Wetter nährte zumindest die Hoffnung, vielleicht ja doch nicht ganz so viel Spaß und Vergnügen zu verpassen.

Mit „Survivalpaket“ durch die Woche

Der bewölkte Himmel passte jedenfalls zu dem Bild auf den Straßen und dem Festplatz. Wo eigentlich Bürgerschützen mit Holzgewehren und Blumen im Lauf, Korporäle mit Spießen, Offiziere mit Säbeln, Magistrat, Trommler, „Prager“ und Co. gute Laune hätten versprühen sollen, regierte notgedrungen schnöder Alltag.

Ein „Survival-Paket“ für diese triste Woche ohne Kinder- und Bürgerschützenfest sehnte sich womöglich mancher herbei. Das erste Rott, die Garde, konnte damit sogar aufwarten. Alle 2019 mit ausmarschierten Gardisten erhielten tatsächlich ein „Schützenfest@Home“-Paket. Diese Überraschung verfehlte ihre Wirkung nicht und wurde mit Dankbarkeit aufgenommen.

Das Präsent kam sozusagen als logischer Nachfolger des 2020 „geschnürten“ und überreichten Nachfeier-Paketes daher. Es beinhaltete selbst gemachte Garde-Bruzzler mit speziellem Senf, Bier sowie eine Flasche mit besonderem Schnaps. Letzterer trug den zur Schiebenscheeten-Misere passenden Namen „Der doppelte Aussetzer“ und war im Auftrag des Garderotts gebrannt worden.

Weniger Pfingstgrün vor den Häusern

Korporal Werner Kracke sowie die Offiziere Hartmut Bahrs, Lars Tangemann, Eric Hormann und Kevin Hoffmann übernahmen das Verteilen der Pakete unter Einhaltung der Abstandsregeln. Aus vielen kurzen Gesprächen an den Haustüren sei der Wunsch nach einem normalen Festverlauf im kommenden Jahr herauszuhören gewesen, berichtet das I. Rott. „Wir hoffen nun, dass Corona nicht das Triple vollmacht und uns 2022 nicht den dritten Aussetzer beschert. Aber selbst für diesen Fall wären wir gerüstet. Sollte es so kommen, was wir wirklich alle nicht wollen, werden wir uns eine weitere Überraschung einfallen lassen“, kündigte die Garde an.

„Vor Corona“ stimmten sich die Nachbarschaften schon am Sonnabend vor Pfingsten auf das Kinderschützenfest und das Schiebenscheeten ein. Zunächst schmückten sie Vorgärten mit Birken. Einige Harpstedter, aber weitaus weniger als üblich, haben diese Pfingstbaum-Tradition 2021 beibehalten. Auch vereinzelte Fahnen in den Harpstedter Farben Blau und Weiß wurden gehisst, beim Feuerwehrhaus sogar an einem neuen Mast. Auf das gemeinsame Feiern am „Pfingstheiligabend“ mussten allerdings die Nachbarschaften erneut verzichten. Und dieser von Corona erzwungene und diktierte Verzicht setzte sich fort.

Da war gar nichts Auffälliges. Mein Eindruck: Den Leuten ist ein bisschen die Lust auf Geselligkeit vergangen.“ 

Polizist Detlef Zerbst

„Soweit ich das beurteilen kann, halten sich die Harpstedter an die Regeln“, sagte Rolf Ranke, Oberst im Offizierskorps, auf Nachfrage unserer Zeitung. „Wir werden sicherlich gleich noch Streife im Flecken fahren“, verriet Polizeioberkommissar Detlef Zerbst. Mit großartigen Verstößen gegen die Coronabestimmungen rechnete er nicht. Selbst in der benachbarten Kreisstadt, wo ja in früheren Jahren zu dieser Zeit stets Gildefest-Ausnahmezustand herrschte, seien ihm keine Entgleisungen aufgefallen.

Zumindest die Harpstedter Farben kamen hier und da zu ihrem Recht, so auch beim Feuerwehrhaus.

„Ich bin zwar hier in Harpstedt im Dienst, aber gleichwohl am vergangenen Wochenende in Wildeshausen mit unserer Chefin Streife gefahren. Da war gar nichts Auffälliges. Mein Eindruck: Den Leuten ist ein bisschen die Lust auf Geselligkeit vergangen. In Wildeshausen dürfte auch das Wetter viele Leute davon abgehalten haben, sich abends draußen auch nur in kleinen Runden zu treffen. Am Pfingstmontag bin ich dann mit dem Fahrrad in der Stadt gewesen. Einige nutzten die Außengastronomie – etwa bei der Brasserie. Mit der Pfingststimmung, die ich aus früheren Jahren aus Wildeshausen kannte, hatte das aber rein gar nichts zu tun. Die ist offenbar erst einmal ad acta gelegt worden, weil ja im Rahmen des Erlaubten nach wie vor so gut wie nichts geht.“

Nachfeier@Home

Was den Harpstedtern bleibt, ist – wie berichtet – die „Nachfeier@Home“ mit DJ Toddy am Sonnabend, 29. Mai, 20 Uhr – allerdings als reines Privatvergnügen im kleinen Kreis. Das Offizierskorps appelliert an die Bürgerinnen und Bürger, die „Coronaregeln“ einzuhalten.

Der Link zur Feier: www.twitch.tv/dj_toddy

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