„Im Moment überwiegt das weinende Auge“

Herwig Wöbse beweist Größe in der Niederlage

Standing Ovations gab's für Herwig Wöbse (rechts) nach seiner Abschiedsrede im Samtgemeinderat. Seine Verdienste als Samtgemeindebürgermeister würdigte der Ratsvorsitzende Stefan Pleus (links).
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Standing Ovations gab"s für Herwig Wöbse (rechts) nach seiner Abschiedsrede im Samtgemeinderat. Seine Verdienste als Samtgemeindebürgermeister würdigte der Ratsvorsitzende Stefan Pleus (links).

Harpstedt – Dass er auch mit einem lachenden Auge gehe, könne er nicht sagen; zumindest im Moment überwiege das weinende Auge, gestand Herwig Wöbse in der letzten Sitzung des „alten“ Samtgemeinderates, der ihn als Samtgemeindebürgermeister verabschiedete.

Den Kloß, der ihm ob der verlorenen Bürgermeisterwahl vom 12. September noch im Halse steckte, nahm wohl jeder im Koems-Saal wahr. „Halt die Ohren steif!“, ermutigte CDU-Fraktionssprecher Hartmut Post den aus dem Amt scheidenden Verwaltungschef, den neuen Lebensabschnitt zuversichtlich anzugehen.

Das Vertrauen nicht für eine weitere Amtsperiode erhalten zu haben, sei eine so bislang nicht gekannte Niederlage in seinem Leben, die mit Wehmut und „einer gewissen Traurigkeit“ einhergehe, gab Wöbse zu. „Ich werde künftig viel mehr persönliche Freiheiten haben als bisher. Wie ich sie nutzen und füllen will, weiß ich aber selbst noch nicht.“

„Habe aus Überzeugung gehandelt“

Zunächst wird Wöbse für zwei Wochen Urlaub in „wärmeren Gefilden“ machen und dann den Stabwechsel im Amtshof vorbereiten. An einer geordneten, vernünftigen Übergabe der Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger Yves Nagel liege ihm sehr.

Die Frage nach etwaigen persönlichen Fehlern habe er sich natürlich gestellt. Ja, es gebe ein paar Dinge, die er aus heutiger Sicht anders gemacht hätte („das weiß man eben oft erst hinterher“), aber vieles habe er aus Überzeugung getan, „weil ich es für richtig und gut gehalten habe“. Das Amt nach bestem Wissen und Gewissen wahrzunehmen, sei immer die Richtschnur seines Handelns gewesen.

 Auch verwaltungsintern gab es nicht immer nur eine Meinung. Nach außen hin war es mir aber wichtig, mich vor die Verwaltung zu stellen. Zu meinem Selbstverständnis gehörte es, bei Kritik immer den Kopf hinzuhalten.“

Herwig Wöbse

Die sieben zurückliegenden Jahre bewertete Herwig Wöbse als tolle, wertvolle Zeit, die er nicht missen wolle, wenngleich nicht jeder einzelne Tag ein guter gewesen sei. Er sei mit hoher Motivation, Leidenschaft und Überzeugung Samtgemeindebürgermeister gewesen.

Als Folge der gewonnenen Inneneinblicke bringe er heute mehr Verständnis für die Verwaltung auf als vor seinem Amtsantritt; er könne jetzt durchaus besser nachvollziehen, warum sich manches eben nicht so schnell in die Tat umsetzen lasse, sondern seine Zeit brauche. „Auch verwaltungsintern gab es nicht immer nur eine Meinung. Nach außen hin war es mir aber wichtig, mich vor die Verwaltung zu stellen. Zu meinem Selbstverständnis gehörte es, bei Kritik immer den Kopf hinzuhalten“, bekräftigte Wöbse.

Ich war wirklich nie nett zu dir, Herwig, das muss ich gestehen. Aber ich bewundere nach wie vor, wie du die Unterbringung der Geflüchteten hingekriegt hast.“

Irene Kolb

In seinen Dankesworten vergaß er niemanden, und seinem Nachfolger Yves Nagel wünschte er nun auch im Kreise des Rates alles Gute für die kommende fünfjährige Amtszeit. Wöbse verabschiedete sich in Würde – aufrichtig, anständig, mit Achtung vor dem Bürgermeisteramt und der Demokratie. In der Niederlage bewies er Größe.

„Ich war wirklich nie nett zu dir, Herwig, das muss ich gestehen. Aber ich bewundere nach wie vor, wie du die Unterbringung der Geflüchteten hingekriegt hast. Das war wirklich großartig“, lobte Irene Kolb (Grüne) den bisherigen Verwaltungschef.

Herausforderungen in Krisenzeiten

Der Ratsvorsitzende Stefan Pleus hielt die Laudatio auf Herwig Wöbse. Er machte deutlich, dass dessen Amtszeit auch von zwei Krisen geprägt war. Nur wenige Jahre nach dem Flüchtlingszustrom kamen mit Corona neue Herausforderungen. Pleus: „Du hattest schon eine ziemlich harte Zeit. Mit allen Folgen für die Bürger, die Verwaltung und dich persönlich. Ständig kamen neue Verordnungen – und dazu die Angst, dass du selbst oder sonst jemand aus dem Kreis der Samtgemeindebeschäftigten erkranken könnte. Das war eine sehr schwierige Situation, die vor dir keiner als Hauptverwaltungsbeamter bewältigen musste.“

Vieles auf den Weg gebracht

Pleus rief ins Gedächtnis zurück, was in Wöbses Amtszeit auf den Weg gebracht worden ist: die Zusammenführung der Grundschulen Dünsen und Harpstedt mit nachfolgender Einrichtung einer Kita am vormaligen Schulstandort Dünsen, das zeitraubende und arbeitsintensive Verfahren zur 16. Änderung des Flächennutzungsplans zwecks Ausweisung neuer Windpark-Sonderbauflächen, die Auflösung der Feuerwehren Prinzhöfte-Horstedt und Klein Henstedt mit nachfolgender Neugründung der Stützpunktfeuerwehr Prinzhöfte (davon war Wöbse als Feuerwehrmann selbst betroffen), die Digitalisierung in und Fassadensanierungen an den Schulen, die Modernisierung der naturwissenschaftlichen Oberschulfachräume und die abgeschlossene Planung für den Feuerwehrhausneubau in Colnrade.

Beim Thema Breitband hatten die Bürgermeister der Mitgliedsgemeinden gar keinen Draht zum Landkreis. Der Draht warst du.“

Stefan Pleus zu Herwig Wöbse

Besonders würdigte der Ratsvorsitzende Herwig Wöbses persönliches Engagement im Zusammenhang mit dem Breitbandausbau. „Das war dein Ding“, sagte er. Die Mitgliedskommunen hätten von Wöbse eine riesengroße, in der Öffentlichkeit aber gar nicht so wahrgenommene Unterstützung erhalten.

Du kommst schon zurecht.“

Stefan Pleus zu Herwig Wöbse

Pleus: „Die Bürgermeister der Mitgliedsgemeinden hatten gar keinen Draht zum Landkreis. Der Draht warst du.“ Wöbse habe sich mit großem Einsatz darum bemüht, dass bei den Planungen für den Glasfasernetzausbau möglichst kein Haushalt unberücksichtigt bleibe.

Abschließend sagte Pleus: „Ich wünsche dir für die Zukunft alles Gute. Du kommst schon zurecht.“

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