Zwei Powerfrauen mit sehr speziellen Musikgeschmäckern finden zusammen

„phase eins“ braut reizvollen Cocktail im „Liberty’s“

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Ein zauberhaftes Konzert gaben Heike Becker (l.) und llka Posin im „Liberty’s“.

Harpstedt - Ein Keyboard suchen die Zuhörer genauso vergebens wie eine E-Gitarre. Woher aber kommen all die Sounds, die durch Metin Kalabaliks Burger-Imbiss wabern? Die Antwort gibt Heike Becker – auf ihrem Fender-E-Bass. Ihre Duo-Partnerin Ilka Posin (Gesang, Akustikgitarre, Cajon) tituliert sie als „Meisterin der Saiten und der Pedals“. Beide zusammen beglücken als Ensemble „phase eins“ 35 „Kultur am Donnerstag“-Fans im „Liberty’s“ in Harpstedt.

Tatsächlich ackert Becker während des Konzerts fast so viel mit den Füßen auf einer ganzen Batterie aus Pedalen wie mit ihren Fingern auf den Saiten. Mal klingt der Bass nach Streich-, mal nach Tasteninstrument. Um eine satte E-Gitarre zu simulieren, reichen die D- und die G-Saite aus. Dank Loop-Technik kann die Bassistin sogar mehrere Tonfolgen in Endlosschleifen übereinanderlegen. Geradezu symbiotisch mit ihrem Spiel verbindet sich der Gesang von Ilka Posin, die sich stimmfarblich zuweilen nahe an Suzanne Vega bewegt.

Ein großes Experiment bekommt das Publikum genau in dem Moment angekündigt, da zufällig ein Glas zu Bruch geht. Doch das Duo produziert keineswegs einen musikalischen Scherbenhaufen. Ganz im Gegenteil: Viele „Musikscherben“ fügen sich zu einem runden, bunten Ganzen wie aus einem Guss zusammen.

„Beste Bassistin Berlins geschnappt“

Sie habe sich die „beste Bassistin Berlins geschnappt“ und sich zusammen mit ihr ein „schönes, liebliches Programm überlegt“, verrät Posin. Es bestehe aus Liedern, die „uns am Herzen liegen“. Dass zwischen den beiden Powerfrauen zehn Jahre Altersunterschied liegen, macht sich bemerkbar. Die schon speziellen Musikgeschmäcker unterscheiden sich, überschneiden sich aber eben auch hier und da. Die Songs der Rolling Stones sind eine solche Schnittmenge. Von daher wundert es nicht, dass sich „No expectations“ im Repertoire wiederfindet. „Ein ganz lahmer Rausschmeißer“, scherzt Posin im „Liberty’s“ – und leitet damit die zweite Zugabe nach einem Whisky-Lied mit Mitmachfaktor ein.

Das reguläre Set endet indes mit „Another one bites the dust“ von Queen-Mitglied John Deacon. Diese Nummer lässt Heike Becker fast selig lächeln. Kein Wunder. Der Titel scheint geradezu prädestiniert, den Bass aus seinem Schattendasein heraus und ins Rampenlicht hinein zu ziehen. Die mit Bedacht ausgewählten „Herzenslieder“ reichen von The Velvet Undergrounds „Sunday morning“ über R.E.M.s „Drive“, Soul Asylums „Never really been“ und Johannes Oerdings „Nichts geht mehr“ bis hin zu Westbams „You need the drugs“ und Depeche Modes „Personal Jesus“. Letzteren Titel mag die Sängerin übrigens im Unterschied zur Bassistin in der puristischen Johnny-Cash-Fassung lieber.

Charmant, pur und schnörkellos

Auf das Wesentliche reduziert, erdig, pur und recht schnörkellos kommen alle gecoverten Stücke daher, die „phase eins“ in charmanten eigenen Arrangements serviert. Zusätzlich streuen Posin und Becker Lokalkolorit aus ihrer Wahlheimat ein. „Es gab in den 1970ern eine Wohngemeinschaft aus Amerikanern, die zusammen in Berlin lebten und Musik machten. Alle sind inzwischen über 60, erzählen aber heute noch von der verrückten Zeit. 

Den Erzählungen zufolge muss die WG aus mindestens zwölf Bewohnern bestanden haben. Ich glaube aber, es waren nur drei. Einer davon hat ein Lied geschrieben, das mich sehr berührt hat“, kündigt Posin „Ritas Bar“ an. Das Stück mutiert – passend zur Location und sehr zur Freude der Harpstedter – zu „Metins Grill“. Nicht minder gut punkten kann „phase eins“ mit einer Kostprobe der Rotzpoeten von „Isolation Berlin“. Der betont vor Schwermut triefende Text des ausgewählten Songs kehrt eine außerordentlich komische Seite nach außen.

Eigene Songs untergemogelt

Die sich um die Country-Ballade „Chelsea Hotel“ von Leonard Cohen rankende Legende gibt Ilka Posin am Rande preis: Der Urheber des Liedes will sich einst als Kris Kristofferson ausgegeben haben, um Janis Joplin ins Bett zu kriegen. Offenbar mit Erfolg. Es heißt, es habe tatsächlich im „Chelsea Hotel“ geschnackelt. Später, nach Joplins Tod, bereute Cohen das indiskrete Ausplaudern der angeblichen Affäre.

Auch ein paar eigene Songs mogelt „phase eins“ unter die „Herzenslieder“, etwa die melodische Mid-Tempo-Nummer „The One“ mit einem sehr eingängigen Refrain. Dazu existiert ein Video, das in voller Absicht diverse Klischees überhöht. „Damit habe ich mir echt Mühe gegeben. Schaut’s euch mal an!“, rät die Sängerin. Dieser Empfehlung folgen ein paar Fans direkt nach dem Livemusikgenuss – und zücken ihre Smartphones. - boh

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