Serie „Alte Liebe“

Ihren Oldie mit Stern fuhr einst Heinz Schenk

Sechs Zylinder unter der Haube: Sandra von der Wöste mit ihrem Mercedes 250.
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Sechs Zylinder unter der Haube: Sandra von der Wöste mit ihrem Mercedes 250.

Harpstedt – Automatikgetriebe, elektrisches Schiebedach, „Tabakausstattung“: Für einen Mercedes 250 aus dem Jahr 1976 hat das „Schätzchen mit Stern“, das der Harpstedterin Sandra von der Wöste (52) seit 14 Jahren gehört, einige Features zu bieten. Hinzu kommt der „Promi-Faktor“. Heinz Schenk (1924 – 2014), langjähriger Moderator der früheren Fernsehunterhaltungssendung „Zum Blauen Bock“, diente dieser erste Sechszylinder aus der Baureihe W 123 mit 129 PS als Dienstwagen.

Heute nutzen die Eigentümerin und ihr Mann Kai (57) den Benziner für Ausflüge, Urlaubsreisen nach Holland oder auch Teilnahmen an Oldtimertreffen. Letztlich kamen sie 2007 im Zusammenhang mit ihrem Beruf zu dem Auto, das ursprünglich auf die Äppelwoi-Kelterei Höhl zugelassen war.

„Meine Frau und ich fahren seit 17 Jahren Seite an Seite Lkw im Fernverkehr – ausschließlich nach Spanien und zurück. Der Zufall wollte es so, dass wir damals in Frankfurt eine Abladestelle hatten. Thomas Höhl, der die Kelterei-Abfüllanlage einem Spanier verkauft hatte, kam vorbei und erblickte am Auflieger, mit dem wir unterwegs waren, die Plane mit spanischem Schriftzug. Er erkundigte sich, ob wir regelmäßig nach Spanien fahren. ,Dreimal im Monat. Wir bringen Sammelgut runter und kommen mit Obst und Gemüse für den Hamburger Großmarkt zurück’, erwiderte ich. Ob wir Interesse hätten, seine Abfüllanlage zum Käufer nach Granada zu bringen, fragte er uns; die Demontage übernehme eine bulgarische Firma. Wir hatten etwas Luft und konnten es einrichten, den Auftrag anzunehmen. Für die zerlegte Anlage bedurfte es vier Transporte. Zwei verkauften wir an Subunternehmer; den ersten und den letzten fuhren wir selbst. Als ich die Teile für die vierte Tour auflud, kam Thomas Höhl mit dem Mercedes um die Ecke. Das Auto stand auf einem Trailer“, erinnert sich Kai von der Wöste.

Obwohl der Wagen fünf Jahre lang in der Halle gestanden hatte, war der Zustand top. Gleichwohl haben wir viel daran gemacht. Bremse, Auspuff, Stoßdämpfer, hintere Achslager, Simmerringe und Ölwannendichtung sind erneuert worden. Allein an Materialkosten haben wir bis heute rund 5 400 Euro investiert

Kai von der Wöste

Der schnieke Oldtimer weckte sofort sein Interesse, zumal sein Vater ein Exemplar der gleichen Baureihe besaß. Höhls Herz hing indes gar nicht an dem Wagen: „Willste den haben?“, fragte er den Harpstedter und erntete zustimmendes Nicken. Über den Preis war schnell Einigkeit erzielt. Sandra von der Wöste teilte die Leidenschaft ihres Mannes für den Mercedes und fuhr sofort mit der Sattelzugmaschine zur Bank, um Geld abzuheben. Nach Unterzeichnung des Kaufvertrages verblieb der „Oldie“ sechs Wochen lang an Ort und Stelle, zumal sich vorher keine Gelegenheit ergab, ihn abzuholen.

Problemlos durch den Tüv

„Er hatte seinerzeit 142 000 Kilometer auf dem Tacho; heute sind es 154 000. Obwohl er fünf Jahre lang in der Halle gestanden hatte, war der Zustand top. Gleichwohl haben wir viel daran gemacht. Bremse, Auspuff, Stoßdämpfer, hintere Achslager, Simmerringe und Ölwannendichtung sind erneuert worden. Allein an Materialkosten haben wir bis heute rund 5 400 Euro investiert. Mein Onkel Manfred übernahm das Trockeneisstrahlen und Fetten des Unterbodens. Kniffligere Arbeiten, etwa das Schweißen, erledigt Oldtimerspezialist Dirk Thöle aus Groß Ippener für uns. Einen guten Draht haben wir zu Fleckenbürgermeister Stefan Wachholder, der bekanntlich einen Kfz-Teile-Handel in Harpstedt betreibt. Wenn ich ein Teil brauche, das sich hier nicht auftreiben lässt, kennt er immer noch eine Adresse, bei der wir fündig werden. So können wir den Wagen fortlaufend in einem guten Zustand erhalten. Vorige Woche ist er einmal mehr ohne Probleme durch die Tüv-Prüfung gekommen“, erzählt Kai von der Wöste.

Voreigentümerin hocherfreut über Restaurierung

Fotos von dem „überholten“ Mercedes schickte er Margot Höhl, der Mutter des vormaligen Fahrzeugeigentümers. Die Seniorin reagierte darauf im Februar 2020 mit einem netten Brief, den sie von ihrem Schwiegersohn formulieren ließ. Die mittlerweile 84-Jährige brachte ihre große Freude über die rundum gelungene Restaurierung zum Ausdruck.

Das Wichtigste aus dem Landkreis Oldenburg: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

Margot Höhl und ihr bereits verstorbener Mann Otto seien den Mercedes früher selbst lange gefahren, ging aus dem Schreiben hervor. Mit umso größerer Genugtuung erfüllte es die betagte Dame, dass der Oldtimer nun wieder jemandem gehört, der das „Schätzchen“ auch wirklich zu schätzen weiß.

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