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Prävention an der Oberschule: Wege aus der Depression

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Von: Jürgen Bohlken

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Rauchende Köpfe im Verlauf des Brainstormings: Diese Schülergruppe macht sich Gedanken über die Gestaltung eines Plakats.
Rauchende Köpfe im Verlauf des Brainstormings: Diese Schülergruppe macht sich Gedanken über die Gestaltung eines Plakats. © Oberschule Harpstedt

Harpstedt – Was zieht mich runter? Warum währen Phasen, in denen ich mich mies fühle, zuweilen länger, als mir lieb ist? Stecke ich in einer seelischen Krise oder bin ich gar psychisch erkrankt? Worin liegt der Unterschied? Und wie komme ich aus dem Tief heraus? Diesen Fragen sind die drei neunten Klassen der Oberschule Harpstedt nachgegangen. Um „seelische Krisen“ ging es im Präventionsworkshop „Verrückt – na und?“, den sie vor Ferienbeginn nacheinander absolvierten.

„In der Pandemie erfährt diese Thematik eine besonders hohe Aufmerksamkeit. Viele Menschen, auch junge, leiden psychisch immer noch unter den drastischen Veränderungen von alltäglichen Routinen und der Einschränkung sozialer Kontakte“, wissen Klassenlehrerin Lena Behrends und die Bundesfreiwilligendienstleistende Isabel Strupat.

„Psychische Gesundheitskompetenz fördern“

Die von Schulsozialarbeiterin Lena Fösten-Kramer initiierte, erstmals an der Oberschule Harpstedt gelaufene Veranstaltung leitete ein dreiköpfiges Team der zentegra gGmbH (Oldenburg), einem Kooperationspartner von „Irrsinnig Menschlich e.V.“. Dieser Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die psychische Gesundheitskompetenz junger Menschen zu fördern.

Zunächst spielerisch mit „seelischen Krisen“ konfrontiert, bekamen die Klassen etwas theoretischen „Input“ zu verschiedenen psychischen Erkrankungen. Im Anschluss erarbeiteten sie Lösungsmöglichkeiten für psychische Krisen-Szenarien. Ihre Arbeitsergebnisse präsentierten sie in Form eines Theaterstücks oder eigens gestalteter Plakate. Eine Gruppe beschäftigte sich etwa mit der Frage, wie ein Kind mit der psychischen Erkrankung eines Elternteils umgehen kann.

„Paukenschlag“ kurz vor Schluss

Gegen Ende des Präventionsworkshops erwartete die Neuntklässler ein richtiger „Paukenschlag“: Eine der Leiterinnen offenbarte ihnen, sie sei selbst psychisch erkrankt, habe es aber geschafft, ihr Leiden gut in den Griff zu bekommen. Die Offenheit, mit der sie über ihr Krankheitsbild sprach und Einblicke in ihren Alltag gewährte, imponierte den Jugendlichen, denen natürlich viele Fragen unter den Nägeln brannten.

„Ich bin ein ganz normaler Mensch“, betonte die Frau und erläuterte, manisch-depressiv zu sein. Vor zwölf Jahren habe sie versucht, sich das Leben zu nehmen. Die Neuntklässler bestätigten ihr, dass Erkrankten ihre psychischen Leiden nicht immer anzusehen seien.

In einer Feedbackrunde bewerteten die Jugendlichen die Veranstaltung sehr positiv. Ein Urteil, das so oder ähnlich vielfach geäußert wurde: „Ich fand es gut, dass wir an diesem Präventionsprogramm teilnehmen durften. Ich halte es für wichtig, Schülerinnen und Schüler aufzuklären über psychische Krankheiten, die heutzutage in unserem Alltag immer mehr eine Rolle spielen. Ob nun Freunde, Familienmitglieder oder auch nur Bekannte davon betroffen sind – es ist von Bedeutung zu wissen, wie sich Erkrankte fühlen und wie man damit umgehen kann.“  

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