Mahnwache im Zeichen zweier Atomkatastrophen

Sirenengeheul und Glockengeläut

Mit farbigen Zetteln an Leinen veranschaulichten die Mahnenden die Atomkraftstandorte in In- und Ausland.
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Mit farbigen Zetteln an Leinen veranschaulichten die Mahnenden die Atomkraftstandorte in In- und Ausland.

Harpstedt – Für die Harpstedter ist es ein gewohntes Bild: Einmal monatlich treffen sich etwa 20 Atomkraftgegner zum stillen Demonstrieren auf dem Marktplatz des Fleckens. Nach der Atomkatastrophe von Fukushima vor zehn Jahren hatten Grüne und SPD die erste Mahnwache dieser Art aus der Taufe gehoben; die jüngste stand wiederum im Zeichen dieses folgenreichen Unglücks – sowie einer weiteren, noch schlimmeren Tragödie: der Reaktorexplosion in Block IV des Kernkraftwerks Tschernobyl vor 35 Jahren.

Um die Bedrohung trotz begonnenen Atomausstiegs in Deutschland zu visualisieren, hatte Mitstreiter Andreas Mikutta verschiedenfarbige Blätter vorbereitet. Gelbe Zettel trugen die Namen noch aktiver Atomkraftwerke in Deutschland, grüne die der AKW in den Nachbarstaaten und blaue die von abgeschalteten Reaktoren. Auf grellem Pink fanden sich Atommüllstandorte wieder.

Samstägliches Wachrütteln

„Wir waren ursprünglich als Atomkraftgegner zusammengekommen. Aber auch die Kohlekraft ist aus unserer Sicht keine Alternative, denn durch sie entstehen nicht nur Umweltschäden, sondern auch menschliche Notlagen, beispielsweise in den Abbaugebieten in Südamerika oder durch Zwangsumsiedelung von Dörfern. Also haben wir zusätzlich dieses Thema aufgegriffen“, erklärte Irene Kolb die zweite „Säule“ des sich im monatlichen Turnus wiederholenden – samstäglichen –Wachrüttelns.

Angesichts der Tragödien und menschenunwürdigen Unterkünfte der Geflüchteten wirkt es wie Hohn, dass die EU mal den Friedensnobelpreis erhalten hat.“

Irene Kolb

Ein dritter Schwerpunkt der Mahnenden betrifft das Elend, das sich Tag für Tag an den Außengrenzen der Europäischen Union abspielt. „Das Leid der vielen Geflüchteten, die an und vor den Toren der EU gestrandet sind, ist kaum mehr zu ertragen. Angesichts der Tragödien und menschenunwürdigen Unterkünfte der Geflüchteten wirkt es wie Hohn, dass die EU mal den Friedensnobelpreis erhalten hat“, meinte Kolb. Kritik übte sie auch an den Medien: „In der Presse wird das Drama um die Geflüchteten kaum noch thematisiert und höchstens am Rande erwähnt.“

Mahnender Ruf über Samtgemeindegrenzen hinaus erhört

Die mahnenden Rufe werden inzwischen sogar außerhalb der Samtgemeinde Harpstedt erhört. Zu den 26 Teilnehmern am Maifeiertag zählten solche, die etwa aus Syke oder Wildeshausen angereist waren. Wie üblich endete die Mahnwache mit Glockengeläut der Christuskirche, in das sich bedrohlich klingendes Sirenengeheul als Folge des monatlichen Probealarms mischte.

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