Verein nun Untermieter des Taxiunternehmens Scherner

Ein geeigneter Standort für die Hospizarbeit

Sie fühlen sich wohl in den Räumen, die der Hospizverein Samtgemeinde Harpstedt als Untermieter nutzen darf: die zweite Vorsitzende Änne Mennebäck-Meyer, Schriftführerin Michaela Jackowski, die erste Vorsitzende Elke Kopmann-Cordes und die dritte Vorsitzende Barbara Steinhilber (von links).
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Sie fühlen sich wohl in den Räumen, die der Hospizverein Samtgemeinde Harpstedt als Untermieter nutzen darf: die zweite Vorsitzende Änne Mennebäck-Meyer, Schriftführerin Michaela Jackowski, die erste Vorsitzende Elke Kopmann-Cordes und die dritte Vorsitzende Barbara Steinhilber (von links).

Harpstedt – Wann die seit Beginn der Coronapandemie geschlossene Begegnungsstätte in Harpstedt wieder aufmacht, ist dem Hospizverein der Samtgemeinde, der zu den bisherigen Nutzern zählte, inzwischen schnuppe. Er hat als Untermieter der Taxiservice Scherner GmbH an der Burgstraße 15 in Harpstedt ein geeignetes Domizil gefunden. Zwei große Spenden, darunter 5 .000 Euro vom Krematorium Verden, machen das möglich.

Taxiunternehmen müssten an jedem Standort, den sie bedienten, ein Büro haben, sagt die Hospizvereinsvorsitzende Elke Kopmann-Cordes. „Das ist vorgeschrieben.“ Andreas Scherner benötigt die Räume in Harpstedt – auch weiterhin – in erster Linie, damit Taxifahrer dort ihre Frühstücks- oder Mittagspause einlegen und gegebenenfalls zur Toilette gehen können.

Das kollidiert nicht mit den Bedürfnissen des Hospizvereins. Der Vorstand hatte bei Scherner angefragt, ob es die Möglichkeit einer Mitnutzung der Immobilie gebe. Das Taxiunternehmen räumte dem Verein ein Nutzungsrecht als Untermieter ein und zeigte sich mit Blick auf die Höhe der Miete ausgesprochen kulant. Auch die Hausverwaltung spielte mit. Der unbefristete „Untermietsvertrag“ trat schon Anfang April in Kraft.

Den Boden in der Küche fanden wir schrecklich. Da ist ein neuer PVC-Belag reingekommen.“

Elke Kopmann-Cordes

Der Hospizverein will nicht mehr zurück in die Begegnungsstätte, sondern auf Dauer den neuen, günstig gelegenen Standort halten. Etwa 6 000 Euro hat er dort bereits investiert, unter anderem in Mobiliar und einen Wasseranschluss. „Den Boden in der Küche fanden wir schrecklich. Da ist ein neuer PVC-Belag reingekommen“, erläutert Elke Kopmann-Cordes. Die ebenfalls angeschafften Gardinen und Vorhänge für das große straßenseitige Fenster tragen nicht nur zum Wohlfühlambiente bei, sondern bieten obendrein Sichtschutz. Der ist dem Hospizverein wichtig.

Privatsphäre soll gewahrt bleiben

Privatsphäre soll gewahrt bleiben, wenn Leute nach einer Sterbebegleitung fragen oder aber das Trauercafé besuchen, das nun an der Burgstraße 15 jeweils am ersten Sonntag im Monat von 15.30 Uhr bis 17.30 Uhr öffnet. Daran und an Platz mangelte es indes im ehemaligen „freiraum“-Laden, der zunächst wegen zeitweiligen Leerstands das Interesse des Hospizvereins geweckt hatte. Gegen diesen Standort sprach nicht zuletzt, dass Gäste der nebenan gelegenen Eisdiele sicherlich Notiz von den Trauercafé-Besuchern genommen hätten.

Sprechstunde geplant

Die neuen Räume will der Hospizverein auch für Treffen der Sterbebegleiterinnen und Trauer-Einzelgespräche nutzen. Obendrein ist eine Sprechstunde an Donnerstagen von 15 bis 17 Uhr ins Auge gefasst. Wann genau dieses Angebot startet, muss noch abschließend geklärt werden. Sobald der Termin feststeht, wird der Verein ihn kommunizieren. Ein „Aufsteller“ vor der Eingangstür soll direkt auf die Sprechstunde aufmerksam machen.

Die – wenn auch niedrige – Miete aufzubringen, könnte für den Hospizverein zumindest auf Dauer eine Herausforderung werden. Neben Spenden und Benefizveranstaltungen würden zusätzliche Mitglieder helfen. Der Jahresbeitrag bewegt sich mit 15 Euro auf einem moderaten Niveau. Aktuell zählt der Verein 36 Mitglieder, darunter nur drei Männer.

Die Hospizarbeit litt in der Pandemie unter dem Erfordernis, die Altenheime wegen der Infektionsgefahr zeitweise regelrecht abzuschotten. Als Folge davon blieb der Zutritt auch Sterbebegleiterinnen des Hospizvereins verwehrt, sofern sie diese Aufgabe nicht ohnehin von Berufs wegen mit wahrnehmen – wie zum Beispiel Barbara Steinhilber, die als Nachtwache im DRK-Seniorenzentrum Harpstedt arbeitet.

Bedarf an männlichen Sterbebegleitern

Dass in Pflegeheimen und Krankenhäusern ungezählte Sterbenskranke in ihrer schwersten Stunde nicht den Besuch und Beistand bekamen, den sie sich erhofften, gehört zu den brutalen Begleiterscheinungen der Coronakrise; davon zeugen viele Erfahrungsberichte in den sozialen Medien.

Auf neun Sterbebegleiterinnen mit der nötigen Befähigung kann der Harpstedter Hospizverein zurückgreifen. Nur vereinzelt haben sie aktuell zu tun: Zwei Sterbende werden im häuslichen Bereich begleitet, zwei weitere in Pflegeheimen.

Etwa 100 Unterrichtsstunden

Befähigungskurse, die für gewöhnlich etwa 100 Unterrichtsstunden umfassen, bietet der Verein selbst nicht an. Es gibt aber die Chance, Interessierte in Ausbildungslehrgängen anderer Hospizvereine unterzubringen – in Stuhr, Twistringen oder Delmenhorst. „In Stuhr geht der Kurs über drei Wochenenden. Außerdem gehören ein Praxistag und 13 Themenabende dazu“, weiß Michaela Jackowski. Sie wohnt heute in Bremen, hält dem Harpstedter Hospizverein aber weiterhin die Treue – und kümmert sich im Vorstand um die Schriftführung. Den Befähigungskurs absolvierte sie schon vor Jahren – in Herford. Dabei habe auch die Biografiearbeit eine Rolle gespielt, erinnert sie sich, also die Auseinandersetzung mit eigenen Erfahrungen mit Leben und Sterben. Gegenwärtig begleitet Jackowski selbst eine Sterbende. Deren Wünsche zu achten und – wenn möglich – zu erfüllen, liegt ihr am Herzen. Und das könne eben durchaus schon mal einschließen, Einkäufe zu erledigen.

Hospizarbeit bedeutet Verantwortung

Die Bedürfnisse unterscheiden sich natürlich von Mensch zu Mensch: Manche Sterbenden wollen vor allem Zuwendung, brauchen einfach nur jemanden, der ihre Hand hält. Andere möchten über alles reden, was sie gerade bewegt. Und weil es eben bei den Gesprächsthemen durchaus geschlechtsspezifische Prioritäten gibt, fände es der Hospizverein ausgesprochen sinnvoll und hilfreich, nicht nur auf Frauen in der Hospizarbeit bauen zu können. Tatsächlich will ein Mann aus Harpstedt die nächste Chance nutzen, in Stuhr den Befähigungskurs zu durchlaufen. Weitere Interessierte dürfen sich gern bei Elke Kopmann-Cordes (Telefon 04244/7813) melden. Gleiches gilt für Trauernde, die gern ins Trauercafé kommen möchten. Hier wird coronabedingt bis auf Weiteres um eine vorherige Anmeldung gebeten.

Entlastung für Angehörige

Die Begleitung eines Sterbenden bedeutet Verantwortung. Diese Aufgabe schließt die freiwillige Selbstverpflichtung ein, den letzten Weg möglichst betreuend bis zum Ende mitzugehen, ohne zu wissen, wie kurz oder lang er sein wird. Zuweilen scheiden die Todkranken schon nach wenigen Wochen aus dem Leben, mitunter – vor allem im häuslichen Bereich – nach Monaten und in selteneren Fällen nach Jahren. Ihr Befinden verschlechtert sich in vielen Fällen nicht geradlinig. Hospizbegleiterinnen berichten von Phasen, in denen es den Sterbenden besser geht und sie auch psychisch gefestigter wirken. Sich ändernde Bedürfnisse erfordern ein flexibles Reagieren darauf. Für die Sterbenden bedeutet die Begleitung Beistand und Zuwendung auf ihrem letzten, allerschwersten Weg – und für die Angehörigen oftmals eine Entlastung in zermürbender Zeit.

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