Harpstedter Nachtflohmarkt mobilisiert eine vierstellige Zahl von Schnäppchenjägern

„Das richtige Ambiente für einen Abendbummel“

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Schauen, stöbern und feilschen – auf dem Nachtflohmarkt am Sonnabend kamen Schnäppchenjäger auf ihre Kosten. 

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. „Ein Euro?“, deutet eine Kundin mit fragendem Blick auf ein Handtuch. „Nee“, winkt die Händlerin ab. „Aber mit drei Euro für zwei Stück sind Sie dabei.“ Der erste Eindruck kurz nach der Eröffnung des Harpstedter Nachtflohmarktes am Sonnabend: Der redensartliche Rubel rollt. An nahezu jedem der etwa 45 Stände bilden sich Menschentrauben. Geldbörsen öffnen sich. Münzen und Scheine wechseln die Besitzer. Mehr oder weniger schwer bepackt verlassen die Kunden den Marktplatz mit ihren Einkäufen.

„Es hat sich schon gelohnt“, vermeldet Tanja Koutianidis aus Harpstedt nach knapp einer Stunde Secondhand-Handel. „Schon beim Aufbauen des Standes haben mir die Leute einige Sachen fast aus den Händen gerissen.“ Schnäppchenjägerin Susanne Stößer staunt: „Mein Rucksack hat sich schnell gefüllt.“ Leere Flaschen für Liköre, den sie selbst mache, habe sie gekauft. „Außerdem eine Handtasche mit einem Elefanten drauf für unsere Tochter, eine Brotdose und sogar Weihnachtsbeleuchtung – für unser Fachwerkhaus.“

Tatsächlich weihnachtet es bereits hier und da. Christbaumkugeln gibt es an vereinzelten Ständen ein gutes halbes Jahr vorm Heiligen Abend zu kaufen. Aus Büchern, Glas und Porzellan, Gesellschaftsspielen, gerahmten Bildern, Bekleidung und weiterem Trödel ragt ein alter Bollerofen als Kuriosum heraus. Rostig, aber angeblich noch funktionsfähig.

Roman Kaldewey preist einen Plattenspieler an. Echtes Vinyl liegt auf dem Plattenteller – der Soundtrack zum Film „FM“. „Die Scheibe ist nur Deko. Die behalte ich“, sagt der Händler. Ob er selbst noch Platten kaufe? „Inzwischen wieder“, erwidert er. „Mit jedem Flohmarkt, den ich besuche, kommen ein paar hinzu. Vinyl erlebt ja eine große Renaissance.“ Geschätzte 3 500 Schallplatten nennt Kaldewey sein eigen. Und die besitze er nicht nur; er höre sie auch. Sein Plattenspieler zu Hause sei aber deutlich hochwertiger als das gute Stück, das er auf dem Flohmarkt anpreise. Warum Vinyl? Der Klang sei „natürlicher“ als aus digitalen „Konserven“, findet Kaldewey.

Martin Incke mischt zum zweiten Mal in Harpstedt als Händler mit. „Und es ist heute sogar schon der zweite Flohmarkt, auf dem ich mit einem Stand vertreten bin. Zuerst war ich in Worpswede. Dort wird gerade Schützenfest gefeiert. Und begleitend dazu gibt es eben einen Flohmarkt. Aber hier in Harpstedt ist mehr los“, urteilt der Bremer. Die Zahl der Schnäppchenjäger bewegt sich im vierstelligen Bereich. Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Besonders viel Publikum weilt in den ersten beiden Stunden auf dem Marktplatz. Der Ortskern ist zugeparkt. Trotz des bedrohlich dunklen Himmels bleibt es trocken bei angenehmen Temperaturen, die noch nach 21 Uhr um die 20 Grad liegen.

Susanne Stößer mag das Ambiente. „Schön hier“, urteilt sie. „Übersichtlich. Nicht zu groß. Genau das Richtige für einen Abendbummel nach der Last des Tages.“ Fotografin Anja Prade, die demnächst nach Österreich auswandert, hat den Nachtflohmarkt zum letzten Mal für die Aktive Werbegemeinschaft organisiert. Aber sterben wird er nicht. Das ist schon sicher.

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