Sangesfreude „paart sich“ mit Naturschutz

Gemischter Chor Harpstedt übernimmt Patenschaft für Blühwiese

Im kleinen Kreis hat der Gemischte Chor Harpstedt am Sonnabendnachmittag die Aussaat durch Landwirt Bernd Ehlers (r. mit Ehefrau Annika) musikalisch umrahmt. Ute Klitte (l.) griff zur Gitarre – und Chorleiter Steffen Akkermann (3.v.l. – mit seiner Frau Elisabeth) zum Akkordeon.
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Im kleinen Kreis hat der Gemischte Chor Harpstedt am Sonnabendnachmittag die Aussaat durch Landwirt Bernd Ehlers (r. mit Ehefrau Annika) musikalisch umrahmt. Ute Klitte (l.) griff zur Gitarre – und Chorleiter Steffen Akkermann (3.v.l. – mit seiner Frau Elisabeth) zum Akkordeon.

Klein Ippener – Naturschutz geht mit Sangesfreude einher: Der Gemischte Chor Harpstedt ist nun „Pate“ einer Blühwiese in Klein Ippener.

Steffen Akkermann greift zum Akkordeon, Ute Klitte zur Gitarre. Einige Sangesfreunde stimmen in freier Natur „Geh aus mein Herz“ an – auf Abstand, versteht sich. Landwirt Bernd Ehlers unterbricht kurz die Wildblumen-Aussaat und steigt vom Trecker, um gemeinsam mit seiner Frau Annika Ehlers-Wendt dem „Ständchen“ zu lauschen.

„Der Chor blüht auf“

„Der Chor blüht auf!“ steht auf einem Schild am Rande eines Felds unweit des Dünsener Baches in Klein Ippener geschrieben. Das trifft gleich im doppelten Sinne zu: Zum einen freut sich der Gemischte Chor, mal wieder dem Gesang frönen zu können, wenn auch pandemiebedingt in einem sehr kleinen, überschaubaren Kreis. Und zum anderen engagiert sich der Verein für die Natur, die er sonst so gern besingt. Insbesondere für Bienen und andere bestäubende Insekten.

Saatgut gesponsert

Der Chor hat die Patenschaft für eine von Bernd Ehlers in Klein Ippener angelegte Blühwiese übernommen, die rund 1,3 Hektar misst, und sponsert das Saatgut. Das Nützliche lässt sich gut mit dem Angenehmen verbinden, weiß Ute Klitte: „Wenn die Wildblumen blühen und es das Corona-Infektionsgeschehen zulässt, werden wir auch mal in großer Runde herkommen, um hier zu singen oder zu grillen.“

Chorleiter Steffen Akkermann fällt die nächste Samtgemeinde-Kulturnacht ein, die er mitorganisiert. Zwar steht noch in den Sternen, wann dieses Event steigen darf, aber die Frage der Örtlichkeit ist schon seit Langem geklärt: Groß Ippener wird als gastgebende Mitgliedskommune der Samtgemeinde Harpstedt fungieren. „Am Veranstaltungstag, bevor es losgeht, kommen wir zum Proben hierher – an die Blühwiese“, schlägt Akkermann vor und erntet Zustimmung.

Wir sind an diesem Sonnabendnachmittag nicht sehr viele, aber ich glaube, in Gedanken sind alle dabei.“

Ute Klitte

Das „Der Chor blüht auf!“-Plakat verdankt der Gesangsverein Fred Büchau – und die Holztafel (mit Pflock), an der es nun prangt, der stellvertretenden Vorsitzenden Angela Willms und ihrem Mann Klaus. Ideengeberin Ute Klitte verewigte sich mit einem Gedicht: „Wer hier vergnügt vorüber zieht, der bleibe steh’n und sing’ ein Lied. Für Saaten sei es zum Gedeih’n, und Freude soll’s für Tiere sein. Drum verweile ohne Eile.“ Den Liedtext von „Komm, lieber Mai, und mache“ liefert das Schild gleich mit.

Raus aus dem Stimmungstief

„Um Weihnachten herum bin ich in ein kleines Loch gefallen“, erinnert sich Ute Klitte an ein der Coronakrise geschuldetes Stimmungstief als Auslöser für die „Der Chor blüht auf!“-Initiative. Sie wusste, dass es vielen Sangesfreunden ganz ähnlich ging wie ihr, und fragte sich: „Was tun, um die Leute ein bisschen aufzumuntern?“

Verweilen und ein Lied anstimmen: Dazu ermuntert dieses Hinweisschild an der Blühwiese.

Im Vorstand fand die angeregte Blühwiesen-Patenschaft auf Anhieb Anklang. Ausgabe 22 des vereinsinternen Mitteilungsblattes „Der singende Chorbote“ eignete sich hervorragend dafür, die „Basis“ darüber zu informieren.

Schön, dass sich Leute mal für unsere Arbeit interessieren und sie sogar unterstützen!“

Landwirt Bernd Ehlers

Gleichwohl sollte ein großer Menschenauflauf bei der musikalischen Begleitung der Aussaat in Zeiten der Pandemie vermieden werden. Und das gelang auch. Ute Klitte: „Wir sind an diesem Sonnabendnachmittag nicht sehr viele, aber ich glaube, in Gedanken sind alle dabei.“

Vom Wildacker zur Blühwiese

Das Anlegen von Blühflächen ist für Bernd Ehlers nichts Neues. „Meine Familie macht das, solange ich denken kann, und wir sind keineswegs die einzigen. Ich kenne das gar nicht anders. Wir haben früher von Wildacker gesprochen. Der Einsatz von Blühmischungen hat zugenommen. In diesem Jahr legen allein wir über fünf Hektar Wildacker an, also mehr als 50 000 Quadratmeter. Viele Menschen machen sich kein Bild davon, wie viel Blühfläche das eigentlich ist“, sagt Ehlers. Er bedauert, dass die Landwirtschaft in der öffentlichen Darstellung und Wahrnehmung oft nicht besonders gut wegkommt, obgleich sie einen erheblichen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leiste. Umso mehr freut ihn das Interesse des Gemischten Chors Harpstedt: „Schön, dass sich Leute mal für unsere Arbeit interessieren und sie sogar unterstützen!“

Eine Patenschaft verpflichtet

Die Landwirte haben den mit Abstand größten Anteil an der Entstehung von Blühflächen. 2020 legten sie in der Samtgemeinde Harpstedt rund 60 Hektar mit Saatgut aus dem Biotop-Fonds der Jägerschaft Oldenburg-Delmenhorst an. In etwa so viel wie 2019. Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und Co. können da quantitativ nicht annähernd mithalten.

Steffen Akkermann ist sich indes darüber im Klaren, dass die Übernahme einer Patenschaft durchaus verpflichtet. Das könnte für den Chor auch bedeuten, vielleicht mal zum Jäten anzurücken, wenn Bernd Ehlers Hilfe bei der Blühflächenpflege benötigt.

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