50-jähriges Bestehen der Partnerschaft mit Loué

Harpstedt erwartet etwa 120 Jubiläumsgäste

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Das Partnerschaftsjubiläum bereiten Horst Bokelmann (r.) und Günther Kostka (l.) zusammen mit Christian Engelmann (nicht im Bild) federführend vor.

Harpstedt/Loué - Von Jürgen Bohlken. „Sehr stabil, emotional und offenherzig“ nannte Günther Kostka am Montagabend die seit 50 Jahren bestehende Gemeindepartnerschaft des Fleckens Harpstedt mit der französischen Kleinstadt Loué im Fachausschuss für Kultur, Freizeit und Partnerschaften.

Gleichwohl: Wenn die freundschaftlichen Bande ein weitereres Jahrzehnt und länger überdauern sollen, bedarf es womöglich mittelfristig einer zusätzlichen „Säule“. Die von unserer Zeitung vor einigen Monaten in einem Kommentar angeregte Öffnung der Partnerschaft auch für interessierte Harpstedter und Louéser, die keinem der involvierten Vereine und Organisationen angehören, fand jetzt im Fachausschuss grundsätzlich ein positives Echo.

Ehe die Weichenstellungen für die Zukunft getroffen werden, richtet sich das Augenmerk allerdings erst einmal auf die Jubiläumsfeierlichkeiten am dritten Oktoberwochenende in Harpstedt. Im Groben stehe das Programm, aber viele Details seien noch zu klären, erläuterte Horst Bokelmann, der - wie Günther Kostka - dem Partnerschaftskomitee Harpstedt-Loué angehört. Beide kümmern sich zusammen mit Christian Engelmann federführend um die Vorbereitung des „50-Jährigen“. Ein reibungsloser Ablauf hängt nicht zuletzt von „Kleinigkeiten“ ab. Helfer müssen zu den richtigen Zeiten an den richtigen Orten sein, die Jubiläumsprogramme für Gäste und Gastgeber in zwei Sprachen gedruckt werden - und vieles andere mehr. „Aber ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg. Das wird funktionieren“, zeigte sich Horst Bokelmann zuversichtlich.

Im Moment rechnen die Organisatoren mit rund 120 Gästen aus Loué, die in drei Bussen anreisen. Am 13. März tagt das Louéser Partnerschaftskomitee. Dann dürfte sich herauskristallisieren, wer genau an der 50-Jahr-Feier teilnimmt. Absagen, bedingt durch Krankheit oder andere Unwägbarkeiten, kann es allerdings bis zuletzt geben.

Genügend Quartiere zu finden, werde „noch schwierig genug“, ahnte Bokelmann. Kostka wünschte sich auch von den Ratsmitgliedern Bereitschaft, „unsere Gäste mit in die Familien aufzunehmen, dadurch die Kontakte weiter zu festigen und ein Zeichen zu setzen für die erfolgreiche Weiterführung der Partnerschaft“. Das sei zwar kein Zwang, „wäre aber schon schön“, ergänzte Bürgermeister Stefan Wachholder. „Wer die Feierlichkeiten von Anfang bis Ende zusammen mit einem Gast miterlebt, wird es nicht bereuen“, sprach er aus Erfahrung.

Nach zehn Jahren wieder eine Ehrung?

Ob es am 19. Oktober im Koems-Saal beim Festakt zur Verleihung der „Ehrenplakette“ kommt, der dritten Stufe des vierstufigen Europapreises, steht noch nicht fest. Die Bewerbung sei raus; im Falle eines positiven Bescheids werde ein Laudator aus Straßburg während des Festaktes eine Rede halten, erläuterte Horst Bokelmann.

Der Europapreis ist eine 1955 durch das Ministerkomitee des Europarats ins Leben gerufene Auszeichnung für von Gemeinden erbrachte hervorragende Leistungen im Interesse der Verbreitung des europäischen Einigungsgedankens. Das 40-jährige Bestehen der Freundschaft zwischen Harpstedt und Loué war vor zehn Jahren der Anlass für die Verleihung der Europafahne/Ehrenfahne (zweite Stufe) gewesen. „Sie tragen den Traum eines in Frieden und Freiheit lebenden Europas in den Alltag. Sie verwirklichen ihn Schritt für Schritt“, betonte damals Daniel Hoeffel, Ehrenmitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarates, gegenüber den Harpstedtern und Louésern. Mit der Gemeindepartnerschaft sind auch diejenigen gealtert, die sie tragen. Aus Rücksichtnahme darauf ist im Verlauf des kommenden Jubiläums kein großer, sondern nur ein kleiner Ausflug - nach Heiligenrode und Kirchseelte - geplant. Gäste und Gastgeber sollen nicht stundenlang im Bus sitzen müssen.

Der Fachausschuss befürwortete Haushaltsmittel in Höhe von 25 100 Euro für die Festlichkeiten. Den Grund für die „krumme“ Summe erläuterte Gemeindedirektor Ingo Fichter: 100 Euro Aufwandsentschädigung für die Partnerschaftskomiteevorsitzende seien inbegriffen.

Das Jubiläumsprogramm

„Vereinslose“ könnten ins Boot geholt werden

Ein wenig Rückschau auf 50 Jahre Partnerschaft hielt Günther Kostka. Er streifte den ersten Besuch einer Harpstedter Delegation in Loué (1968), erste Begegnungen zwischen Jugendlichen im selben Jahr, die Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde in Harpstedt (1969), die Konstituierung des Komitees Harpstedt-Loué (9. November 1975) sowie die vielen, inzwischen „in Zahlen fast nicht mehr nachvollziehbaren“ Austauschmaßnahmen von Vereinen, Schulen und Feuerwehren sowie auf Rats- und Verwaltungsebene. „Gerade heute, in unruhigen politischen Zeiten, gilt es, diese völkerverbindenden Errungenschaften zu verteidigen und weiterzuführen. Dem fühlt sich das Partnerschaftskomitee zutiefst verpflichtet“, sagte Kostka. Dass eine Delegation aus dem Flecken 2018 in Erinnerung an das damals 100 Jahre zurückliegende Ende des Ersten Weltkrieges nach Loué zur Gedenkfeier eingeladen worden war, wertete er als „besondere Ehre für unsere Gemeinde“.

Den Gedanken, in Harpstedt und Loué zwei (lose) „Vereine der Vereinslosen“ zu bilden, die mit Besuchen und Gegenbesuchen zusätzlich die Partnerschaft befruchten könnten, begrüßte nicht nur Bürgermeister Wachholder. Ob daraus etwas werden kann, müssten primär die beiden Partnerschaftskomitees entscheiden.

Kommt C.A. Loué mit Team zum Jubiläum?

„Ich bin über meine Töchter, die beide am Schüleraustausch teilgenommen haben, auf Loué aufmerksam geworden. Das war total klasse. Ich selbst hätte auch schon Interesse an einem Austausch, hatte aber als Bürgerin immer ein bisschen das Gefühl, die Partnerschaft werde von einer Art elitärem Kreis gepflegt, in den man von außen nicht so leicht reinkommt. Ich glaube, da gibt es noch viel Potenzial - und viele Menschen, die Lust hätten, das weiter aufrechtzuerhalten, wenn man sie mitnimmt“, äußerte sich Saskia Kamp (SPD). „Wir werden das Thema intensiv anpacken“, sicherte Günther Kostka zu. Zuhörer Rolf Ranke (HBL) hatte die Diskussion über eine etwaige Öffnung der Partnerschaft für nicht in Vereinen oder Institutionen „gebundene“ Bürger mit einer Wortmeldung angestoßen. Dabei könnten, so seine Hoffnung, vielleicht sogar mehr Leute für Begegnungen begeistert werden, als dies über die Vereinsschiene möglich sei.

Austausche wie zwischen den Fußballern des Harpstedter Turnerbundes und des Club athlétique (C.A.) de Loué, die lange Zeit gut funktionierten, dann aber mehr oder weniger einschliefen, kamen kurz zur Sprache. „Alle diese Partnerschaften stehen und fallen mit den Menschen, die dafür Verantwortung übernehmen und den nötigen Ehrgeiz entwickeln“, gab Günther Kostka zu bedenken. „Wir sind in höchster Erwartung“, so fuhr er fort, „dass anlässlich des Jubiläums mal wieder eine Fußballmannschaft des C.A. Loué nach Harpstedt kommt.“ Das sei „im Gespräch“.

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