Kesselrohrsatzerneuerung und Gleisarbeiten

Interview: Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahnfreunde investieren Zeit und Geld

Elektrische Stopfmeißel kamen im Verlauf der Gleisarbeiten zum Einsatz.
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Elektrische Stopfmeißel kamen im Verlauf der Gleisarbeiten zum Einsatz.

Harpstedt – Die Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahnfreunde (DHEF) machen ihre Dampflok flott für die neue Fahrsaison. Für den Austausch der 280 Kesselrohre greifen sie auf eine Fremdfirma zurück. Allein diese Maßnahme schlägt mit Kosten in fünfstelliger Euro-Höhe zu Buche. Unsere Zeitung hat dazu sowie zu jüngst ausgeführten Gleisarbeiten den DHEF-Werkstattmitarbeiter Torben Kluwe befragt.

Frage: Herr Kluwe, der jan-harpstedt-Website lässt sich entnehmen, dass die Kesselrohre der Dampflok bereits ausgebaut worden sind. Wann ist das passiert?

Kluwe: Schon im November.

Frage: Nicht jeder kennt sich mit Dampfloktechnik aus. Welche Funktion erfüllen die Rohre?

Kluwe: Da greift das Wärmetauscherprinzip. Die Feuerbüchse, in der das Feuer brennt, ist in den Kessel so eingebaut, das sie von Wasser umgeben ist, damit möglichst viel Fläche erhitzt wird. Die 280 Rohre gehen von der Feuerbüchse in Längsrichtung durch den Kessel zur Rauchkammer. Die Verbrennungsgase ziehen durch sie nach vorne. Die umspülten Kesselrohre geben die Wärme der Rauchgase an das Wasser ab.

Die ausgebauten Kesselrohre der Dampflok.

Frage: Den Ausbau hat eine Fachfirma erledigt?

Kluwe: Ja. Wir hätten das selbst machen können und haben tatsächlich auch ziemlich viel probiert. Das Problem: Die Rohre müssen mit dem Schneidbrenner eingeschlitzt werden, um sie rauszukriegen. Das ist uns nicht so richtig gut gelungen. Um nicht das „Drumherum“ zu beschädigen, haben wir uns gesagt: „Wir holen uns dafür lieber die Fachleute, die Übung darin haben und hinterher auch die Rohre einbauen.“ Zum Glück kommt es bei uns nur ungefähr alle zehn Jahre vor, dass der Kesselrohrsatz getauscht werden muss.

Frage: Alten Zeitungsberichten zufolge stand diese Maßnahme zuletzt 2010 an.

Das trifft zu.

Wir wären froh, wenn wir keine allzu bösen Überraschungen vorfänden.“

Torben Kluwe

Frage: Wann soll der Einbau der neuen Rohre vollzogen werden?

Kluwe: Eigentlich möchten wir bis zum Saisonbeginn am 1. Mai mit allem fertig sein, wobei wir wegen der unsicheren Coronalage ja noch nicht einmal wissen, ob wir mit dem Museumsbahnfahrbetrieb dann überhaupt starten können. Im Moment ist der Kessel leer. Das heißt: Man kann da rein! Das geht sonst, mit eingebauten Rohren, eben gerade nicht. Wir nutzen die günstige Gelegenheit, den Kessel von innen zu säubern. Genauso wie beim Wasserkocher und bei der Kaffeemaschine bleiben darin, wenn Wasser verdampft, feste Bestandteile zurück und setzen sich ab. In unserem Fall muss Kesselstein abgeschlagen werden. In über zehn Jahren hat sich eine ziemlich dicke Schicht gebildet. Die muss raus. Wir entfernen sie mithilfe eines Druckluftwerkzeuges. Wenn die Kesselwandungen sauber sind, kommt der TÜV zur Begutachtung. Danach müssen gegebenenfalls weitere Reparaturen ausgeführt werden. Wir hoffen natürlich, dass die uns erspart bleiben. Erfahrungsgemäß ist es aber so, dass man gerade auf dem Kesselboden einen gewissen Abtrag feststellt, was möglicherweise erforderliche Aufschweißungen nach sich zieht. Wir wären froh, wenn wir keine allzu bösen Überraschungen vorfänden. Für den Einbau bringt die erwähnte Fachfirma die neuen Rohre auf Länge. Sie müssen an den Enden bearbeitet werden, damit man sie gut einsetzen kann. Auf jener Seite, auf der das Feuer ist, sind sie mit kleinerem Durchmesser „eingezogen“, und auf dem anderen Ende, in der Rauchkammer, aufgeweitet.

Gut zu erkennen: die neuen Schwellen.

Frage: Können Sie schon etwas zu den Kosten sagen?

Kluwe: Die bewegen sich im unteren bis mittleren fünfstelligen Bereich. Ich weiß, dass die ganze Aktion im Jahr 2010 roundabout 15.000 Euro verschlungen hat. Diesmal wird es wahrscheinlich teurer. 50.000 Euro werden wir gewiss nicht brauchen, aber mit 10.000 kommen wir eben auch nicht hin. Die Rohre haben wir übrigens schon gekauft – und bezahlt. Wir wollten uns wegen genereller Probleme bei der Materialbeschaffung das für die Arbeiten benötigte Material ganz bewusst vor dem Maßnahmenbeginn sichern.

Frage: Ist die Dampflok nach dem Austausch des Kesselrohrsatzes fit für die Fahrsaison? Oder gibt es daran weitere „Baustellen“?

Im Moment ist der Kessel leer. Das heißt: Man kann da rein! Das geht sonst, mit eingebauten Rohren, eben gerade nicht. Wir nutzen die günstige Gelegenheit, den Kessel von innen zu säubern. Genauso wie beim Wasserkocher und bei der Kaffeemaschine bleiben darin, wenn Wasser verdampft, feste Bestandteile zurück und setzen sich ab. In unserem Fall muss Kesselstein abgeschlagen werden. In über zehn Jahren hat sich eine ziemlich dicke Schicht gebildet. Die muss raus.“

Torben Kluwe

Kluwe: Wir erneuern momentan auch die Hauptluftbehälter. Das sind zwei Luftkessel, in denen die Luft für die Bremse gespeichert wird. Die werden mit knapp zehn Bar betrieben. Alle zehn Jahre müssen sie geprüft werden. Bei der letzten Prüfung ist innen Korrosion festgestellt worden. Der Rost schwächt die Wandungen. Die Abnahme kostet übrigens fast so viel wie die Anschaffung eines neuen Luftbehälters – sozusagen „von der Stange“ – mit Prüfzeugnis. Wir haben nun gleich sechs Stück mit Mengenrabatt erworben und versuchen, vier davon weiterzuverkaufen.

Frage: Die Kosten dieser Maßnahme sind mit denen des Kesselrohrsatzaustausches sicher nicht zu vergleichen. Oder doch?

Kluwe: Nein, aber sie liegen immerhin auch im mittleren vierstelligen Bereich.

Frage: Anderes Thema: Was hat es eigentlich mit den kürzlich vor der Halle der DHEF ausgeführten Gleisarbeiten auf sich?

Die alten Schwellen sind beim Ausbau teilweise zerfallen, und die neuen, die wir einbauten, mussten unterfüttert werden.“

Torben Kluwe

Kluwe: Wir haben da eine sogenannte Anschlussbahn. Dieses Gleisstück, ungefähr 150 Meter mit zwei Weichen, wird von uns als Museumsbahnverein betrieben und unterhalten. Da können wir im Rahmen der Gesetze tun und lassen, was wir wollen. Wenn wir mit der Lok ins Gleis der DHE reinfahren möchten, müssen wir natürlich immer fragen. Rangieren wir hingegen vor unserer Halle herum, ist das unsere eigene Sache. Das Gleis war 1989 gebaut worden – zusammen mit der Halle. Damals hatten wir Material von der Anschlussbahn der Wollkämmerei in Delmenhorst dafür verwendet. Das war zwar schon seinerzeit alt, aber was anderes innerhalb des Kostenrahmens nicht zu kriegen. Außerdem hat sich 1989 wohl keiner vorstellen können, dass wir hier 30 Jahre später immer noch „rumwühlen“. Sukzessive müssen wir im Rahmen der Unterhaltung die Schwellen austauschen. Vor vier Jahren hatten wir rund 40 Meter Gleis erneuert.

Letztes Jahr fiel abgesacktes Pflaster vor der Halle, vor der Einfahrt, auf. Das musste in Ordnung gebracht werden. Dabei traten braune Spuren im Sand zutage; dort befand sich aber keine Schwelle mehr! Wir haben dann neun Schwellen erneuert – fünf im gepflasterten Bereich und vier davor. Wegen der relativen Unzugänglichkeit für Maschinen bedeutete das: Handarbeit. Zuerst musste der Schotter „rausgewühlt“ werden. Das ist bereits eine ziemliche Fummelei gewesen. Die alten Schwellen sind beim Ausbau teilweise zerfallen, und die neuen, die wir einbauten, mussten unterfüttert werden. Sie müssen ja tragfähig sein. Da lasten schließlich viele Tonnen drauf. Ein bisschen Sand mit der Schaufel darunter pressen reicht nicht. Die DHE stellte uns drei Leuten, die da gearbeitet haben, für das Unterstopfen des Schotters elektrische Stopfmeißel zur Verfügung, die aber offenkundig schon lange nicht mehr benutzt worden waren. Wir mussten sie deshalb erst mal instandsetzen. Und der abschließende Wiedereinbau des alten Pflasters ist eine echte Puzzelei gewesen.

Frage: Wie viel Zeit haben die Helfer in diese Maßnahme investiert?

Kluwe: In „Manntagen“ gerechnet, käme man wohl auf zehn. Aber einer allein hätte das gar nicht schaffen können.

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