Ihre Erfahrung wird der DHE fehlen

Zwei „Urgesteine“ nehmen Abschied

Seit 2014 führten sie die DHE-Geschäfte gleichberechtigt: Harald Wrede und Bernhard Springer (v.l.).
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Seit 2014 führten sie die DHE-Geschäfte gleichberechtigt: Harald Wrede und Bernhard Springer (v.l.).

Harpstedt – Von diesen beiden „Urgesteinen“ trennt sich die Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahn GmbH ausgesprochen ungern: Sowohl Bernhard Springer, bei der DHE der Spezialist für den Kraftverkehr und seit dem 30. September 2014 einer von zwei Geschäftsführern, als auch Wolfgang Flessing, örtlicher Betriebsleiter für die Schiene, verabschieden sich in den Ruhestand.

Der 3. März ist ihr letzter Arbeitstag, weil sie noch Urlaub und Überstunden abzubauen haben. Offiziell endet beider Beschäftigungsverhältnis am 31. März.

Die fachlichen und menschlichen Lücken, die ihr Ausscheiden aus dem Arbeitsleben hinterlässt, muss das kommunale Verkehrsunternehmen nun schließen. Auf so viel Erfahrung zu verzichten, wird gewiss nicht ganz leicht.

Die Geschäftsführung liegt fortan allein in den Händen von Harald Wrede. Ihm steht als „verlängerter Arm“ ab dem 1. April Kyra Blasberg, Leiterin der Finanzbuchhaltung und seit zehn Jahren bei der DHE, zur Seite. Sie bekommt Handlungsvollmacht erteilt. Einen zusätzlichen Geschäftsführer stellt das kommunale Verkehrsunternehmen nicht ein. „Zumindest im Moment nicht“, sagt Wrede.

Bei der DHE habe sich Bernhard Springer, der es auf 42 Betriebsjahre bringt, um alles gekümmert, „was mit Kraftverkehr zu tun hat“. Um die ganze Palette – von der Fahrzeugbeschaffung bis zur Verkehrsplanung. Seine bisherigen Aufgaben verteilen sich künftig auf die Schultern von Thomas Borchers (Disponent), Andrea Hasecke und Kyra Blasberg.

 Unter Wredes Geschäftsführung, damals noch mit Springer als Stellvertreter, bekam die DHE nach Abriss des baufälligen, nicht mehr zeitgemäßen Harpstedter Bahnhofs ein neues Verwaltungsgebäude. „Das haben wir zusammen vorangebracht, als ich hier anfing. 2004 ist der Grundstein gelegt worden. 2005 sind wir eingezogen“, erinnert sich Wrede.

Bernhard Springer, geboren am 24. Mai 1957, kam nach einem kurzen Intermezzo bei Edeka in Bremen und einer vorangegangenen Industriekaufmann-Ausbildung bei der „Alte Mackenstedter Kornbrennerei H. Turner“ am 3. April 1979 als Verwaltungsmitarbeiter zur DHE. Das „ganze Drumherum des Linienverkehrs“, von der Fahrplanerstellung über die Fahrerdisposition bis zur Haltestellenausstattung, sei sein Hauptarbeitsfeld gewesen, erläutert Wrede.

Zählsysteme für die Fahrplanoptimierung

Bei Personalknappheit, etwa bedingt durch Krankheit, sprang Springer früher häufig auch als Busfahrer im Linienverkehr ein. „Wir nennen das Verstärkerfahrten“, sagt Wrede. Überhaupt sei Springer ein „enorm vielseitiger Typ“ und zudem in technischen Fragen „gut bewandert“. Hohe Kundenorientierung, ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein und immenses Fachwissen zeichneten den Harpstedter aus.

Gemeinsam mit dem Leiter der DHE-Werkstatt kümmerte er sich um die Fahrzeugausstattung: „Die Busse werden ja heutzutage mit immer mehr Technik versehen. So auch im Bereich Echtzeitinformation, um nur ein Beispiel zu nennen. Wir haben mittlerweile automatische Fahrgastzählsysteme für die Linien 226 und 227. Das dient der Fahrplanoptimierung“, weiß Wrede. Die EDV registriert, wie viele Personen wo ein- und wieder aussteigen – im Einklang mit den Datenschutzbestimmungen. Die Technik nimmt die Fahrgäste nur schemenhaft wahr.

Weil wir für Infrastrukturverbesserungsmaßnahmen auf der Schiene erhebliche Fördermittel kriegen, haben wir viel mit Eisenbahnbundesamt und Landesnahverkehrsgesellschaft zu tun – insbesondere mit Blick auf die Förderregularien. Wolfgang Flessing hat sich in diese Materie richtig reingekniet und das Thema gut nach vorn gebracht.“

DHE-Geschäftsführer Harald Wrede

Zurück zu Bernhard Springer: Ende der 1980er-Jahre hatte er die fachliche Eignung zur Unternehmensführung attestiert bekommen. Kurze Zeit später durchlief er erfolgreich die Ausbilderprüfung bei der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer. Eine weitere Ausbildung zum geprüften Industriemeister, Fachrichtung Kraftverkehr, folgte. Als gleichberechtigter Geschäftsführer an Wredes Seite war Springer einzelvertretungsberechtigt – und verantwortlich für Linien-, Schul- sowie Reisebusverkehr.

Nach rund 43 Jahren Betriebszugehörigkeit verabschiedet sich Wolfgang Flessing aus Bruchhausen-Vilsen in den Ruhestand. „Er ist immer unser Mann für die Eisenbahn gewesen. Er hat dafür gesorgt, dass der Betrieb auf der Schiene reibungslos läuft. In seinen letzten Berufsjahren kümmerte er sich verstärkt um die Oberbaumaßnahmen. Und zwar in Zusammenarbeit mit dem über ihm stehenden, für die Streckensicherheit zuständigen Eisenbahnbetriebsleiter. Dieser EBL, bestellt bei der Landeseisenbahnaufsicht, angemeldet beim Wirtschaftsministerium und von der Qualifikation her ein Eisenbahningenieur mit abgeschlossener Eisenbahnbetriebsleiterprüfung, gibt vor, was an der Strecke gemacht werden muss. Weil wir für Infrastrukturverbesserungsmaßnahmen auf der Schiene erhebliche Fördermittel kriegen, haben wir viel mit Eisenbahnbundesamt und Landesnahverkehrsgesellschaft zu tun – insbesondere mit Blick auf die Förderregularien. Wolfgang Flessing hat sich in diese Materie richtig reingekniet und das Thema gut nach vorn gebracht“, bescheinigt Wrede dem geschätzten Kollegen.

Von Margarine bis hin zu Militärgütern

Neben dem bekannten „Margarine-Shuttle“ befördert die DHE auch Chemieprodukte, Düngemittel und Holz auf der Schiene. „Manchmal kommt hier Rohholz aus den Wäldern der Umgebung mit Lkw an. Das wird bei uns verladen und geht ins Zellstoffwerk nach Stendal“, erläutert Wrede. Nur gelegentlich transportiere die DHE militärische Güter für die Kaserne in Adelheide.

Das kommunale Unternehmen hatte den am 5. Mai 1957 geborenen Wolfgang Flessing 1978 zunächst für den Abfertigungsdienst im Eisenbahngüterbereich eingestellt. Regelmäßige Weiterbildungen zogen verantwortungsvolle Aufgaben nach sich. Flessing koordinierte schließlich nicht nur die DHE-Schienengüterverkehre, sondern kümmerte sich auch um deren Abrechnung und die Fahrdienstleitung. Seit 1996 trug er zudem die Verantwortung für die Lohn- und Gehaltsabrechnungen mit allen dazugehörigen Nebenaufgaben – wie Urlaubsmanagement, Reisekostenabrechnung, Meldungen an Krankenkassen, Berufsgenossenschaft und Pensionskasse (das erledigt künftig Sebastian Meier aus der Buchhaltung).

Bei der DHE war er der verantwortliche Mann für die Schiene: Wolfgang Flessing aus Bruchhausen-Vilsen.

1989 bestellte die DHE Flessing zum Gefahrgutbeauftragten. „Auch seine guten IT-Kenntnisse im Video- und Bildbearbeitungsbereich konnte er einbringen und dem IT-Dienstleister daher auf Augenhöhe begegnen“, sagt Geschäftsführer Wrede. Ein Nachfolger für den Rentner als örtlicher Betriebsleiter kommt zunächst von der Bremen-Thedinghauser Eisenbahn. „Er macht das erst einmal punktuell für uns mit. Im April stößt dann Carsten Finck, ein Quereinsteiger aus dem Logistikbereich, zu uns. Er übernimmt Wolfgang Flessings Aufgaben im Eisenbahnbereich, wird aber auch ÖPNV-Aufgaben auf seiner Agenda haben. Aktuell macht er übrigens den Busführerschein. Er könnte also, wie es Bernhard Springer früher getan hat, gelegentlich Verstärkerfahrten übernehmen. Wir kleinen Unternehmen brauchen einfach ein hohes Maß an Flexibilität“, weiß Harald Wrede.

Ein besonderes Abschiedsgeschenk werden die zwei Ruheständler übrigens erst genießen können, wenn sich die Pandemielage entspannt hat und Lockerungen gegriffen haben. „Mit dem Team des Büromanagements werden sich beide nach einem gemeinsamen Essen im Restaurant eine Aufführung im Weyher Theater anschauen“, kündigt Wrede an.

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