DHEF bitten um Spenden

Dampflok „Anna“ kommt um „Operation“ nicht herum

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Mit einer originellen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für ihr bestes „Zugpferd“ im „Stall“ haben die Eisenbahnfreunde ihren Spendenaufruf kombiniert.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. „Hilfe, ich bin krank!“, meldet sich das beste Zugpferd im „Stall“ der Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahnfreunde (DHEF) in einem Flyer zu Wort. „Nein, Fieber habe ich keines. Eher leide ich aktuell an Untertemperatur. „Psst! Etwas inkontinent rund um meine Feuerbüchse bin ich auch“, schildern die DHEF aus Sicht ihrer Dampflok deren Leiden. Zum Beginn der neuen Museumsbahnfahrsaison soll die „Anna“ wieder einsatzbereit sein.

Doch zunächst sind 96 Stehbolzen zu erneuern, die ihrerseits die Feuerbüchse im Kessel halten. Jedes Stück kostet rund 60 Euro.

Im Unterschied zu Patienten aus Fleisch und Blut, die gelegentlich „unters Messer“ müssen, zahlt für „Annas Operation“ keine Krankenkasse. Daher hoffen die Eisenbahnfreunde auf viele Menschen, die ein Herz für das Dampfross haben und mit einer Spende dazu beitragen, dass die betagte „Dame“ schnell wieder „auf die Beine kommt“. Oder besser gesagt: auf die Räder.

Bei den Stehbolzen handelt es sich um Eisenstifte, die eine wichtige Funktion erfüllen: Sie halten die Kesseldoppelwände zusammen. Dazwischen befindet sich das verdampfende Wasser – und drinnen das Feuer. Der auf den Kessel wirkende Druck beträgt 13 Bar.

Auf der Feuerseite sind die Stehbolzen weit abgebrannt. Die Stifte lassen sich nicht mehr fachgerecht nachschweißen. Den Ausbau der Bolzen haben die Eisenbahnfreunde selbst bewerkstelligt, um Kosten zu sparen. Zuvor hatten sie die Wasserkästen demontieren müssen.

Ultraschall macht Mängel sichtbar

Daran schloss sich eine Wandstärken- und Rissprüfung mittels Ultraschall an. Dabei offenbarte sich, dass auch die Feuerbüchse mit der Zeit gelitten hat – wie’s oft der Fall ist, wenn Wasser länger mit Eisen in Berührung kommt. An einer Stelle hat sich die Wandstärke um drei auf sieben Millimeter verringert. Werkstattleiter Torben Kluwe vermutet eine Ringströmung, „die da gespült hat“, als Ursache. Außerdem offenbarte die Ultraschallprüfung Risse, die „noch nicht durch die Wand durchgetreten sind und deshalb auf der Feuerseite nicht sichtbar waren“.

Korrosionsschäden treten an Dampfloks bauartbedingt sehr häufig auf. Den Möglichkeiten des Rostschutzes sind Grenzen gesetzt. Wegen der gewaltigen Hitzeentwicklung im Kessel entfällt ein Anstrich als Option. Und der verbaute Stahl muss vergleichsweise weich sein. Wäre er hart und spröde, begünstigte nämlich genau dieser Umstand im Schadensfall die Schadensausbreitung. „So ähnlich wie bei einer Chipstüte, die bei jedem Griff hinein ein Stück weiter aufreißt“, erklärt Torben Kluwe.

Geprüfter Kesselschweißer nötig

Was das Einschweißen neuer Stehbolzen betrifft, so führte für die DHEF kein Weg daran vorbei, dies einem geprüften Kesselschweißer zu überlassen. Für das Ausschneiden schadhafter Stellen aus den Feuerbüchsenblechen sowie das Einschweißen neuer Teile bedurfte es ebenfalls einer Fachfirma. Weitere Kosten können die Museumsbahner bereits absehen, denn der alle zehn Jahre nötige Austausch der 280 Kesselrohre wird in nicht mehr ferner Zukunft mal wieder fällig.

Rund 2 500 Kilometer Strecke macht die „Anna“ nach Einschätzung von Torben Kluwe jährlich als Museumsdampflok. Kein anderes Fahrzeug ist für den Fahrbetrieb so unentbehrlich wie dieses. Wer zu „Annas“ baldiger „Genesung“ beitragen will, kann etwa die Kosten für einen der zu ersetzenden 96 Stehbolzen übernehmen.

Aber auch andere Spenden – kleinere wie größere – auf das Konto der Eisenbahnfreunde mit der IBAN DE 56 2805 0100 0092 0616 47 sind natürlich möglich.

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