„Die Camper sind angenehme Zeitgenossen“

Smalltalk mit einem Wochenendurlauber und Nachbar Stefan Wachholder

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Irma und Mario Streit nutzen den Stellplatz für Wohnmobile am Tielingskamp in Harpstedt, um von dort aus Radtouren durch die Umgebung zu unternehmen. Das Rosenfreibad haben sie in diesem Sommer noch nicht besucht. Beizeiten aber wollen sie sich dort eine Erfrischung gönnen. 

Harpstedt - An sonnigen Wochenenden reiht sich am Tielingskamp in Harpstedt Wohnmobil an Wohnmobil. Die dort geschaffenen Stellflächen, die Camper kostenfrei nutzen können, finden so viel Zulauf, dass sie kaum mehr als Geheimtipp gelten können. Die Kreiszeitung hat mit Kurzurlauber Mario Streit darüber gesprochen, was ihn nach Harpstedt zieht, und obendrein Fleckenbürgermeister Stefan Wachholder zu dem nicht mehr ganz neuen touristischen „Magneten“ für Wohnmobilbesitzer interviewt. Die Fragen stellte Jürgen Bohlken.

Die Stellplätze, die der Flecken Harpstedt beim Rosenfreibad am Tielingskamp eingerichtet hat, werden erstaunlich gut angenommen. Sie sind ja direkter Nachbar und bekommen so einiges mit vom Betrieb.

Stefan Wachholder: Ja, da stehen manchmal zwölf Wohnmobile. Den Anstoß für den Platz hatte der Verkehrs- und Verschönerungsverein gegeben. Das war eine gute Idee. Ich weiß gar nicht, wie die Camper überhaupt von den Stellplätzen erfahren – ob durch Mundpropaganda oder über ein Internetportal. Die Fläche ist jedenfalls sehr gut frequentiert. Nicht nur an Wochenenden, sondern auch unter der Woche herrscht dort Betrieb – vor allem bei schönem Wetter. Aber nicht nur dann. Sogar an Heiligabend habe ich mal jemanden, der sich im Boden festgefahren hatte, mit meinem Firmenwagen rausgezogen.

Was zieht die Leute, darunter Bremer und sogar Weitgereiste, nach Harpstedt?

Stefan Wachholder: Die sind total begeistert von der Umgebung. Mir fällt auf, dass dort, wo wir Harpstedter wohnen, so mancher gern einen Kurzurlaub macht. Das wird einem ja sonst gar nicht so bewusst. Das Rosenfreibad in direkter Nachbarschaft ist sicherlich ein Pluspunkt. Dort können die Camper nicht nur Freizeit verbringen. Dort können sie auch duschen. Und das ist sicherlich etwas komfortabler als im beengten Wohnmobil.

Der Flecken stellt auf dem Areal vier Stellplätze für Wohnmobile bereit. Genutzt wird – gerade im Sommer – aber auch die Rasenfläche. Hat die Gemeinde etwas dagegen?

Stefan Wachholder: Ich wüsste nicht, was dagegen spräche. Die Leute lassen schließlich auch etwas Geld hier.

Sie meinen, die Camper gehen mal in die Eisdiele oder in ein Restaurant. Und sie erledigen Einkäufe, wenn sie beispielsweise etwas zu Hause vergessen haben?

Stefan Wachholder: Ja, davon profitieren die Gastronomie und der Einzelhandel sicher schon ein bisschen.

Anmelden muss sich niemand, der einen der Stellplätze nutzt?

Stefan Wachholder: Nein. Und die Gemeinde nimmt auch keine Gebühr.

Die beiden Ladesäulen werden häufig in Beschlag genommen. Den „Saft“ gibt die Gemeinde aber sicherlich nicht kostenlos ab. Oder?

Stefan Wachholder: Nein, das läuft über einen Automaten. Da werfen die Leute Geld rein und können Strom zapfen.

Für die Ver- und Entsorgung sei gesorgt, betonen viele lobend, die auf dem Platz anzutreffen sind. Was heißt das genau?

Stefan Wachholder: Die Camper fahren mit ihren Wohnmobilen zum Anglerheim bei der Begegnungsstätte auf eine Plattform. Sie können dort ihre Abwässer entsorgen und zugleich den Frischwassertank wieder auffüllen.

Sind auch gelegentlich Camper mit Auto und Wohnwagen vor Ort?

Stefan Wachholder: Das kommt vor. Eigentlich hält der Flecken die Stellflächen aber ausschließlich für Wohnmobile vor.

Gibt es Probleme? Mit Vermüllung etwa?

Stefan Wachholder: Nein, da ist meines Wissens noch nichts wirklich ausgeufert. Ich empfinde die Camper als ausgesprochen angenehme Zeitgenossen. Sie sauen den Platz nicht ein und feiern keine Partys bei lauter Musik.

Eine rigide Regelung mit Blick auf die Verweildauer gibt es nicht?

Stefan Wachholder: Nein. Ich habe dort auch schon Wohnmobile eine Woche stehen sehen. Warum auch nicht? Das sollte aber nicht übertrieben werden. Für Dauercamper ist die Fläche nicht gedacht.

Herr Streit, Sie sind mit Ihrer Frau Irma aus Bremen-Woltmershausen hergekommen. Warum?

Mario Streit: Ich habe neulich im Internet gesehen, dass es hier Wohnmobil-Stellplätze gibt. Inklusive Ver- und Entsorgung. Eine gute Sache.

Stefan Wachholder, Fleckenbürgermeister und Nachbar der Stellplätze, empfindet die Camper als außerordentlich angenehme Zeitgenossen.

Würden Sie sich als passionierte Camper bezeichnen?

Mario Streit: Wir sind zumindest recht häufig mit dem Wohnmobil unterwegs. Vor allem an Wochenenden, aber auch in Urlauben.

Bleiben die Leute hier auf dem Platz unter sich?

Mario Streit: Das ist wohl unterschiedlich. Wir sind erst zum zweiten Mal hier – und noch nicht groß mit anderen Wohnmobilbesitzern in Kontakt gekommen. Wir bleiben diesmal das ganze Wochenende über.

Ihre Fahrräder haben Sie sicherlich nicht ohne Grund mit nach Harpstedt genommen?

Mario Streit: Ja, weil man hier so schöne Ausflüge machen kann, haben wir uns den Platz ausgesucht. Wir haben schon die ganze Umgebung per Fahrrad abgeklappert. Das Beste: Es kostet uns nichts, hier mit dem Wohnmobil zu stehen. Das nutzen wir gerade bei dem superschönen Wetter natürlich gern aus.

Das Rosenfreibad mobilisiert auch viele Badegäste aus Bremen. Sind Sie dort schon gewesen?

Mario Streit: In diesem Jahr noch nicht. Aber ich kenne die Anlage. Weitläufig. Nicht so überlaufen. Ein wirklich schönes Bad. Als Kind bin ich öfter hier zum Schwimmen gewesen. Wir werden bestimmt mal reingehen.

Das heißt, der Ausflug mit dem Wohnmobil nach Harpstedt soll nicht der letzte gewesen sein?

Mario Streit: Wir kommen bestimmt mal wieder her. Das steht schon fest.

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