Originelle Idee aus Harpstedt

Button verrät: „Ich hatte einen Schlaganfall“

So groß wie eine Ein-Euro-Münze: der Button für Schlaganfallbetroffene.
+
So groß wie eine Ein-Euro-Münze: der Button für Schlaganfallbetroffene.

Harpstedt – Menschen, die eine gelbe Armbinde mit drei schwarzen Punkten tragen, signalisieren ihrer Umwelt: „Ich bin sehbehindert oder blind.“ In ähnlicher Weise, nämlich mit einem Button zum Anstecken, könnten demnächst auch Schlaganfallpatienten auf sich aufmerksam machen.

Die Idee kommt aus Harpstedt: Uwe Schmidt, Geschäftsführer der Druckhaus Lampe GmbH, hat sie in Absprache mit Hannelore Niemann, Leiterin der Schlaganfall-Selbsthilfegruppe „Gemeinsam stark“, umgesetzt. Schon die ersten Reaktionen darauf sind ausgesprochen positiv gewesen. Sowohl die Kreisbehindertenbeauftragte Rita Rockel als auch die Pressestelle der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe finden den Button einfach super. Nun geht es darum, ihn möglichst weiträumig zu bewerben. Wenn’s gut läuft, berichtet sogar „Thala“, das Gesundheitsmagazin der Deutschen Schlaganfall-Hilfe, darüber.

Dezent gehalten

Wer einen Anstecker zum Stückpreis von 1,50 Euro erwerben will, kann sich an Hannelore Niemann (Tel.: 0174/665 69 42) oder Irma Hamann von der Kontaktstelle der Freiwilligenagentur „mischMIT!“ (Tel.: 04431/70 975 85) wenden. Abgeholt werden können die Buttons dann im Harpstedter Druckhaus Lampe. „Wir halten immer eine kleine Menge vor“, sagt Uwe Schmidt. Die bereits gefertigten Anstecker sind dezent gehalten und entsprechen in etwa der Fläche einer Ein-Euro-Münze. Sollten sie sich im Alltag als zu klein erweisen, wäre natürlich auch die Herstellung größerer Exemplare möglich.

Der Button zeigt den Umriss eines Gesichts mitsamt Darstellung einer (kranken) grauen und einer (gesunden) weißen Gehirnhälfte. EEG-Ausschläge und ein Ausrufezeichen auf dreieckigem Untergrund versinnbildlichen zusätzlich den Hirninfarkt.

Selbsterklärendes Emblem

Das Dreieck ist bewusst in Gelb gehalten – und nicht in der Warnfarbe Rot. Warum? Der Anstecker soll Aufmerksamkeit wecken; er will aber nicht eine Gefahr suggerieren, die gar nicht besteht. Schlaganfallbetroffene müssten einfach nur auf das selbsterklärende Emblem zeigen, wenn sie Probleme haben, sich in Alltagssituationen zu artikulieren, oder ihre Einschränkungen nicht breittreten wollen. „In meiner Selbsthilfegruppe gibt es jemanden, der nicht sprechen kann“, erzählt Hannelore Niemann.

Der Button „liefert“ den Grund für Beeinträchtigungen, ohne dass es vieler Worte bedürfte. Er könnte bewirken, dass Schlaganfallbetroffenen mehr Rücksichtnahme entgegengebracht wird. Vor diesem Hintergrund wäre es erstrebenswert, wenn sich dieses Zeichen – ähnlich wie die Blinden-Armbinde – weithin etablierte.

Man könnte glauben, eine völlig gesunde Frau vor sich zu haben.“

Uwe Schmidt

Als Schlaganfallpatientin hat Hannelore Niemann schon oft Situationen erlebt, in denen ihre Umwelt mit Unverständnis reagierte, wenn ihr ein Wort nicht auf Anhieb einfiel. Der Hirninfarkt hat sich bei ihr vor allem auf die kognitiven Fähigkeiten ausgewirkt. Mitunter fühlt sie sich, als wäre ihre „Festplatte gelöscht“ worden. Sie habe anfangs oft geweint. Etwa wenn ihre Wortfindungs- und Sprachstörungen beim Telefonieren gänzlich falsch gedeutet wurden und sie zu hören bekam: „Schlaf du erst einmal deinen Rausch aus!“

„Corporate Identity“: Der Eyecatcher des neu aufgelegten Flyers der Selbsthilfegruppe „Gemeinsam stark“ findet sich auch auf den „Ansteckern“ wieder. Links Hannelore Niemann, rechts Uwe Schmidt vom Druckhaus Lampe.

Jetzt, nach vier Jahren, sei sie so weit, dass sie in ein Geschäft gehen und sagen könne: „Ich habe einen Schlaganfall gehabt. Deshalb geht manches bei mir etwas langsamer.“ In ihrem Wohnort wissen viele Mitmenschen davon, auch wegen ihrer mit Rita Rockels Unterstützung ins Leben gerufenen Selbsthilfegruppe. Außerhalb Harpstedts fühlt sich die 61-Jährige hingegen „nicht geschützt“. Dort könnte der Button auch für sie selbst eine nützliche Bereicherung sein. Zumal ihr der Schlaganfall eben nicht auf den ersten Blick anzusehen ist: „Man könnte glauben, eine völlig gesunde Frau vor sich zu haben“, findet Uwe Schmidt.

Ich habe mich verstanden gefühlt.“

Hannelore Niemann

Die Entstehung des „Ansteckers“ ist fast schon dem Zufall geschuldet. Schmidt hatte nämlich eigentlich nur den Auftrag bekommen, sich um neue Flyer der Selbsthilfegruppe „Gemeinsam stark“ zu kümmern. Die bisherige Aufmachung und der enthaltene Text sagten ihm nicht so zu. Das Faltblatt wurde gründlich überarbeitet und obendrein in Sachen Optik und Übersichtlichkeit aufgewertet. Schmidt kam dann die Button-Idee. Bei Hannelore Niemann rannte er damit offene Türen ein. Flyer und Anstecker ergänzen sich ideal – dank „Corporate Identity“. Das Button-Emblem findet sich auch auf dem Faltblatt wieder, dort allerdings zusätzlich eingerahmt von farbigen Sprechblasen, die Optimismus versprühen und ein buntes Leben verheißen.

„Ich habe mich verstanden gefühlt“, würdigt Hannelore Niemann die Ideen und die Arbeit von Uwe Schmidt. Am 12. Mai will sie den Button in Wildeshausen an einem Wochenmarktstand in der Wildeshauser City vorstellen.

Kontaktstelle im Aufbau begriffen

Die Flyer werden demnächst in Harpstedt an verschiedenen – öffentlich zugänglichen – Stellen zur kostenlosen Mitnahme ausliegen. Die Selbsthilfegruppe kann sich zum tiefen Bedauern ihrer Gründerin pandemiebedingt weiterhin nicht treffen. Die rund 20 Mitstreiter halten aber via WhatsApp Kontakt zueinander.

Um die Beratung, Begleitung und Unterstützung der Selbsthilfegruppen im Landkreis Oldenburg hatte sich bislang die Kreisbehindertenbeauftragte Rita Rockel gekümmert. Diese Aufgabe ist nun an eine im Aufbau befindliche Kontaktstelle von „mischMIT!“ übergegangen.

Weitere Infos unter:

www.mischmit.org/beratung-selbsthilfe

schlaganfall-hilfe.de

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Israels Armee tötet hochrangigen Militärkommandeur in Gaza

Israels Armee tötet hochrangigen Militärkommandeur in Gaza

Angriff auf Tel Aviv - Hamas-Leute im Fadenkreuz Israels

Angriff auf Tel Aviv - Hamas-Leute im Fadenkreuz Israels

Israel greift Hamas-Tunnel an - Feuerpause nicht in Sicht

Israel greift Hamas-Tunnel an - Feuerpause nicht in Sicht

Bundesregierung: „Antisemitische Kundgebungen nicht dulden“

Bundesregierung: „Antisemitische Kundgebungen nicht dulden“

Meistgelesene Artikel

Anwohner rätseln: Suche nach seltsamem Ton „Vor Bargloy“

Anwohner rätseln: Suche nach seltsamem Ton „Vor Bargloy“

Anwohner rätseln: Suche nach seltsamem Ton „Vor Bargloy“
Keine neue Corona-Infektion in Wildeshausen

Keine neue Corona-Infektion in Wildeshausen

Keine neue Corona-Infektion in Wildeshausen
Üben „Geister-Tamboure“ oder muht „heisere Kuh“?

Üben „Geister-Tamboure“ oder muht „heisere Kuh“?

Üben „Geister-Tamboure“ oder muht „heisere Kuh“?
Polizisten als Rassisten beleidigt und angespuckt

Polizisten als Rassisten beleidigt und angespuckt

Polizisten als Rassisten beleidigt und angespuckt

Kommentare