Landesverband der Jüdischen Gemeinden begrüßt Vorschläge

Denkmalschutz muss gewahrt werden

Darf nicht verändert werden: das Grabmal des Iwan Goldschmidt. Gegen eine Erinnerungstafel links oder rechts daneben spräche allerdings nichts.
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Darf nicht verändert werden: das Grabmal des Iwan Goldschmidt. Gegen eine Erinnerungstafel links oder rechts daneben spräche allerdings nichts.

Harpstedt – Die Vorschläge von Altbürgermeister Hermann Bokelmann mit dem Ziel, die Erinnerung an ehemaliges jüdisches Leben in Harpstedt und die hier zu beklagenden Opfer der Shoa wachzuhalten, sind beim Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen gut angekommen. Abteilungsleiter Bodo Gideon Riethmüller hat dazu dem amtierenden Bürgermeister Stefan Wachholder eine wohlwollende Stellungnahme geschickt.

Ein Vorschlag könnte allerdings nicht exakt in der von Bokelmann angedachten Art und Weise umgesetzt werden: Das Grabmal des Iwan Goldschmidt dürfe nicht mit einer Plakette versehen werden, die an seine Amtszeit als Oberst im Offizierskorps der Harpstedter Bürgerschützen (von 1904 bis zu seinem Tod im Jahr 1914) erinnere, so Riethmüller. Begründet sei dies in dem Umstand, „dass alle Grabsteine auf unseren 216 Friedhöfen denkmalgeschützt sind und nicht verändert werden dürfen“.

Als Lösung bieten wir an, eine kleine Tafel links oder rechts neben dem Grabstein anzubringen (...).“ 

Bodo Gideon Riethmüller

Riethmüller wartet aber mit einem Alternativvorschlag auf, der sich problemlos in die Tat umsetzen ließe: „Als Lösung bieten wir an, eine kleine Tafel links oder rechts neben dem Grabstein anzubringen (...).“ Darauf könne dann gern auf die Verdienste Goldschmidts hingewiesen werden. Diese Option findet wiederum die volle Zustimmung Bokelmanns. Generell urteilt Riethmüller über dessen Anregungen: „Die Vorschläge sind grundsätzlich sehr zu begrüßen.“

Eine andere Idee Bokelmanns beinhaltete die Anbringung einer Hinweistafel am Germania-Denkmal vor der Harpstedter Christuskirche – mit folgender Inschrift: „Abraham Neublum, Harpstedter mit jüdischem Glauben, verlor 1870 sein Leben als preußischer Soldat im Einsatz für sein Vaterland. 1942 und 1945 wurden aus der Harpstedter Familie Neublum Opfer des Holocaust, der nationalsozialistischen Judenverfolgung: Jenny de Vries, geb. Neublum, Johanne de Vries, Erich de Vries, Helene de Vries, geb. van der Zyl, und Marga de Vries.“

Ein weiterer Vorschlag des über 90-Jährigen, selbst noch Zeitzeuge der NS-Diktatur, zielte darauf, Archivalien zum Schicksal der Harpstedter Juden für eine Broschüre zusammenzufassen, die dann der Öffentlichkeit zur Verfügung stünde und obendrein im Schulunterricht Verwendung finden könnte.

Ideen noch nicht öffentlich erörtert

Last but not least legte Bokelmann dem amtierenden Bürgermeister und dem Gemeindedirektor ans Herz, jährlich wiederkehrend am 27. Januar an die (ermordeten) Harpstedter Juden zu erinnern und an der Gedenktafel auf dem Amtshof kleine Steine niederzulegen – jeweils in Anwesenheit einer „oberen Klasse der Oberschule Harpstedt“. Warum ausgerechnet dieses Datum? Weil 1996 der damalige Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar zum zentralen Tag des Gedenkens an die NS-Opfer erklärt hatte – damals mit den Worten: „Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen.“

Die Politik im Flecken Harpstedt hat die Anregungen dem Vernehmen nach durchaus als konstruktiven Beitrag gewürdigt. In öffentlicher Beratung sind die Vorschläge aber noch nicht erörtert worden. Dass dieses Thema in die Öffentlichkeit gehört, ist selbsterklärend.

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