Emsige Senioren und deutsche Gründlichkeit

Bis zum „Bergfest“ schon 1 080 Stunden gearbeitet

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An der laufenden Sanierung der Herrentoiletten im Koems-Saal sind auch Firmen beteiligt. 

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Die in der Koems-Schießhalle in Harpstedt von der „Rentnerbänd“ eingezogene, 34 Meter lange Wand aus OSB-Platten zur Abteilung bislang ungenutzten Raums für Einlagerungszwecke genügte nicht. Die sprichwörtliche deutsche Gründlichkeit kam den fleißigen Helfern in die Quere.

Zum Schießstand hin musste die „Rentnerbänd“ die rund 100 Quadratmeter Wandfläche zusätzlich mit Rigips-platten verkleiden. Brandschutzauflagen erforderten dies. Und auf der anderen Wandseite bedurfte es zusätzlich – auf etwa 70 Quadratmetern – der Anbringung schwerer Stahlplatten, damit während des Schießbetriebs nicht etwaige Querschläger die Platten durchdringen und womöglich Dritte verletzen, die vielleicht gerade damit beschäftigt sind, Materialien einzulagern. „Rentnerbänd“-Sprecher Bernhard Wöbse vermag sich kaum vorzustellen, wie ein solcher Unfall passieren könnte. Aber anderenorts sei Ähnliches wohl schon geschehen, vermutet er. Das wäre eine plausible Erklärung für die Auflagen.

Der von den Schießständen abgeteilte „Schlauch“ kommt gleich mehreren Nutznießern zugute: In einem der insgesamt drei neu geschaffenen Abstellräume deponiert das Offizierskorps der Bürgerschützen Utensilien und Materialien für den Spieleparcours, der nun schon seit vielen Jahren das Harpstedter Kinderschützenfest so attraktiv macht. Den zweiten Raum teilen sich die Fördergemeinschaft Koems und die Gemeinde. Er dient etwa zur Einlagerung von Bühnenteilen sowie von „überzähligen“ Stühlen und Tischen, die mitunter zwischengelagert werden müssen, wenn Gesellschaften in den für Veranstaltungen mietbaren Räumen des Scheunenviertels feiern. Den dritten Abstellraum nutzt die Schießsportkameradschaft (SSK) Harpstedt.

Wöbse erwägt, die Unmengen von Schrauben mal spaßeshalber zu zählen, die bei der Montage der eingezogenen langen Wand Verwendung gefunden haben. „Das könnte ja ganz interessant sein.“ Die Arbeiten in der Schießhalle hätten sechs bis acht Mitstreiter der „Rentnerbänd“ in den vergangenen 14 Wochen beschäftigt.

Die Seniorengruppe kann am Donnerstag dieser Woche „Bergfest“ feiern. Will heißen: Die Hälfte der Arbeitssaison liegt hinter ihr. Das Feiern beschränkt sich allerdings auf einen freien Donnerstag, der dazu genutzt wird, gemeinsam zu radeln und zu kaffeesieren. „Zum Abschluss gibt es einen Grillabend. Der Partyservice Meyer spendiert das Essen. Die Fördergemeinschaft Koems gibt uns ein kleines Fass Bier aus“, verrät Wöbse. Er führt seit Jahren Buch über die auf dem Koems-Gelände ehrenamtlich geleisteten Arbeitsstunden. Auf 1 080 hat es die „Rentnerbänd“ in der „halben“ Saison seit dem 29. März gebracht. „Wir fangen immer in der Woche vor Ostern an – mit dem Osterputz. Die Arbeitssaison währt bis einschließlich der ersten Oktoberwoche. Wir arbeiten stets am Donnerstag von 8.30 Uhr bis 12.30 Uhr. Mit einem Frühstück versorgen uns jeweils meine Frau Elfriede, Erika Horstmann und – als Ersatz – Christa Hellbusch“, erwähnt Bernhard Wöbse.

Das versetzte Insektenhotel steht nun mitten in der Blühfläche. Links Bernhard Wöbse, der Sprecher der „Rentnerbänd“. Auch Harro Hartmann (rechts) gehört der Seniorengruppe an. 

Bei einem zweiten großen Projekt unterstützen gleich drei Firmen, nämlich Siemers (Sanitär), Ranke Bau (Fliesenarbeiten) und Evers (Elektrik) die „Rentnerbänd“ tatkräftig: Die Toiletten für die Herren im Koems-Saal werden aktuell erneuert und gestalterisch an den bereits sanierten Damen-WC-Bereich angepasst. Armaturen und Anschlüsse verschwinden im Zuge dieser Maßnahme hinter vorgezogenen („abgemauerten“) Wänden.

Das Problem mit Rehen, die Blüten der vom Freibad ins Scheunenviertel „umgepflanzten“ Wildrosen abfressen, müsste nun behoben sein, hofft Wöbse. Ein hergestellter Wildschutzzaun soll die ungebetenen vierbeinigen Gäste auf Distanz halten.

„Damit die Bienen nicht so weit fliegen müssen“

Blühflächen gibt es mittlerweile reichlich in Harpstedt. „Wir aber haben eine ganz besondere angelegt“, betont Wöbse. „Das Insektenhotel steht mittendrin. Damit die Bienen nicht so weit fliegen müssen!“, scherzt er. Ursprünglich stand das Insektenhotel zwischen der „Hartmann“- und der „Ranke II“-Scheune. Es wurde versetzt. Der neue Standort liegt näher an der Straße „Am Schützenplatz“.

Für die Blühfläche hatte sich Wöbse sowohl mit Saatgut der Mühle (Nienaber) als auch der Genossenschaft eingedeckt. „Kurz nach der Aussaat hat es geregnet. Wir haben aber auch gewässert“, erinnert sich Harro Hartmann aus der „Rentnerbänd“. Tatsächlich blühen mittlerweile etliche Wildblumen und erfüllen ihren Zweck als Futterpflanzen für bestäubende Insekten. Die Erwartungen an die Optik der Fläche sind indes zumindest nicht ganz erfüllt worden.

Zweimal jährlich, im Frühjahr und im Herbst, schneidet die „Rentnerbänd“ die Hecken im Scheunenviertel. Das klingt nicht besonders arbeitsintensiv, ist es aber, denn „da kommen einige 100 Meter zusammen“, weiß Wöbse. Der erste Beschnitt der neuen Saison ist bereits Geschichte.

Den über den Galgenberg führenden Wanderweg hat die „Rentnerbänd“ freigeschnitten und mit dem Laubbläser bearbeitet. Fortlaufend erledigt die Seniorengruppe kleinere Pflegearbeiten. Auch dabei kommen etliche Stunden zusammen. So sind allein zwei bis drei Mann damit beschäftigt, die Gefache der Scheunen zu streichen.

Aktuell hat die „Rentnerbänd“ knapp 20 „ständig Aktive“ in ihren Reihen. Im Herbst wird sie ihr 20-jähriges Bestehen mit einer internen Feier würdigen.

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