Einweihung des erweiterten Amtshofes vor 40 Jahren

Bokelmann: „Südflügel immer noch möglich“

Noch kein „U“, sondern ein „V“: der Harpstedter Amtshof nach der Renovierung von 1947.
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Noch kein „U“, sondern ein „V“: der Harpstedter Amtshof nach der Renovierung von 1947.

Harpstedt – Während das Museumsdorf Cloppenburg mit einer Führung durch die ehemalige Harpstedter Diskothek „Zum Sonnenstein“ Besucher auf „eine Zeitreise in die 1980er-Jahre“ entführte, dachte Altbürgermeister Hermann Bokelmann an den echten Sonnenstein zurück, der vor 40 Jahren bei der Einweihung des renovierten Verwaltungsgebäudes vor dem Amtshof in Harpstedt aufgestellt wurde. Die Renovierung und die Bemühungen um die Finanzierung hatte der heute über 90-Jährige in den 1970er-Jahren miterlebt.

Die weit zurückreichende Vorgeschichte des Amtshofes lässt sich indes bei Dirk Heile in Band zwei seiner Chronik der Samtgemeinde Harpstedt nachlesen: Das vormalige Schloss mit Burggraben diente jahrhundertelang den jeweiligen Grafen als „Festung“, bis es 1739 der Große Brand zerstörte.

Bis zur Auflösung des Amts Harpstedt im Jahr 1859 beherbergte der wiederaufgebaute zweiflügelige Fachwerkbau die Verwaltung des Amtes. Danach stand er einige Jahre leer. 1875 kaufte die Schulgemeinde Harpstedt – nicht der Flecken – die gesamte Anlage mit dem ehemaligen Wirtschaftsgebäude für 7.500 Thaler (oder 22. 500 Mark) vom preußischen Fiskus. Interessant findet Bokelmann Dirk Heiles Vermerk zur schwierigen Finanzierung: „Es scheint jedoch, dass der Flecken diese Summe zum Ankauf des Amtshofes als Vorschuss zur Verfügung gestellt hat. Auch hat der wohlhabende jüdische Bürger Goldschmidt die restlichen reichlich zwei Drittel des Kaufpreises zunächst vorgeschossen.“

Klassenräume im Wirtschaftsgebäude

Im eigentlichen Amtshof konnten zwei Lehrer mit Familien und ein unverheirateter Lehrer wohnen. Im ehemaligen Wirtschaftsgebäude an der Ostseite der Amtshofinsel, das der Große Brand verschont hatte, entstanden drei Klassenräume – später dann sogar vier, bis am 24. Juli 1940 die Explosion eines Munitionszuges (auf dem Bahnhof) die Immobilie so stark beschädigte, dass sie aufgegeben und schließlich abgebrochen wurde.

So sieht er noch heute aus: der Amtshof mit Westflügel.

Fachwerk wieder freigelegt

Für den Amtshof selbst war schon 1927 der Abbruch verfügt worden. 1940 ordnete der Landrat für den Ostflügel die sofortige Räumung an. Wegen Wohnungsmangels wurde daraus aber nichts. Nach dem Krieg änderte das Kreisbauamt seine Meinung. Es erklärte den Amtshof nun zu einem erhaltungswürdigen Baudenkmal. Vor diesem Hintergrund beschloss der Gemeinderat am 21. Januar 1946, den Amtshof wiederherzustellen und im Erdgeschoss die Gemeindeverwaltung unterzubringen.

Chronist Dirk Heile vermerkt dazu: „Ratsmitglied und Zimmermeister Fritz Kieselhorst übernahm die Ausschreibung, Bauleitung und Beschaffung des Baumaterials, was 1946/47 nicht leicht war. Bei der Baumaßnahme wurde das mit Putz überzogene Fachwerk wieder freigelegt, sodass der Amtshof das heutige Aussehen bekam und im Oktober 1947 die Gemeindeverwaltung dort einzog.“

Übertragung auf die Samtgemeinde

Nach der Gemeindereform von 1974 erfolgte die Übertragung des Amtshofes vom Flecken auf die Samtgemeinde Harpstedt. Da sich die Verwaltung vergrößerte, nutzte sie auch Räume im Ostflügel, wo die Setzungserscheinungen nicht beseitigt waren. „Im Büro von Gemeindedirektor Dirk Heile war der Fußboden sogar so schief, dass Schreibgeräte vom Schreibtisch rollten“, erzählt Hermann Bokelmann.

1940 endete jäh die Nutzung dieses Gebäudes als Schule.

Akten auf Rednertisch geknallt

Renovierungsversuche seien immer wieder an der Frage der Finanzierung gescheitert. Bokelmann: „Das Bauamt in Syke hatte zwar die Renovierung genehmigt, der Kreistag aber keinen Zuschuss bewilligt. Der neue Samtgemeindedirektor Karlheinz Vogel hatte nach zehn abgelehnten Zuschussanträgen – auch in Hannover – fast keine Hoffnung mehr, bis er im Oktober 1977 beim Ministerpräsidenten Dr. Ernst Albrecht Gehör fand.“

Diese Begebenheit blieb Bokelmann, der als Abgeordneter vom Kreistag Syke in den Kreistag Oldenburg gewechselt war, als echtes Kuriosum im Gedächtnis: „Die vollzogene Kreisreform schaffte besonders im Nordbereich des neuen Kreises Diepholz viel Verdruss. Als Dr. Albrecht sich im Gasthof Ritterhoff den aufgebrachten Bürgern stellte, darunter viele Kreishausmitarbeiter, die um ihre Arbeitsplätze in Syke fürchteten, saßen Karlheinz Vogel und ich an einem Tisch. In der Diskussion meldete sich Vogel mit einem Zettel mit der großen Aufschrift und dem lauten Ruf ,Was wird mit dem Amtshof in Harpstedt?". Albrecht bat um nähere Erläuterung. Vogel antwortete: ,Das zeige ich Ihnen", sauste mit seinem Auto zurück nach Harpstedt, kam nach 40 Kilometern rasender Fahrt mit einem Stapel von Aktenordnern zurück und knallte ihn auf den Rednertisch des Ministerpräsidenten. Albrecht versprach, er werde die Angelegenheit wohlwollend prüfen.“

Ernst Albrecht hielt Wort

Der Landesvater hielt Wort. Karlheinz Vogel durfte in der Staatskanzlei in Hannover die Pläne erläutern. „Tatsächlich bewilligten drei Ministerien Zuschüsse in Millionenhöhe. Dazu gehörte auch der Innenminister, weil die Polizei im Amtshof Platz fand. Der Kultusminister bewilligte Geld zwecks Denkmalpflege. Die Gemeinsame Landesplanung Bremen/Niedersachsen half ebenfalls. Wie auch der Landkreis Oldenburg. Die Renovierung einschließlich des Neubaus des Westflügels kostete rund 3,5 Millionen DM“, weiß Bokelmann. Der Samtgemeinderat, so fügt er hinzu, habe sogar den Einbau einer modernen Wärmepumpe beschlossen, obgleich die Grünen seinerzeit noch nicht in dem Gremium vertreten gewesen seien.

Räumliche Übergangslösungen

Die gesamte Verwaltung habe während der Bauzeit – von Juli 1979 bis Ende 1980 – den Amtshof räumen müssen. „Der Samtgemeindedirektor und sein Stellvertreter mit dem Haupt- und Personal- sowie dem Bauamt waren in den Wohnräumen über der Sparkasse untergebracht, Ordnungs- und Sozialamt, Kämmerei und Kasse hingegen im alten Forstamt. Der DRK-Kindergarten war in die Kreis-Landwirtschaftsschule am Amtsacker verlegt worden“, schildert Bokelmann. Er ergänzt: „Einen großen Sitzungssaal – wie in allen anderen Rathäusern vorhanden – erhielt der Amtshof nicht. Gedanken darüber wurden wegen anderer wichtiger Baumaßnahmen der Samtgemeinde verworfen. Ein Südflügel zur Vollendung des Karrees ist also immer noch möglich, um Raummangel zu beheben.“

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